Feuer frei fürs Grillen

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Feuer frei fürs Grillen
07/19/2013

Feuer frei fürs Grillen

Eine urtümliche Zubereitungsart hat Saison. Sechs Millionen Österreicher werfen jährlich den Grill an.

von Sandra Lumetsberger

Grillsteak oder Sojawürstel? Eine Gewissensfrage

Sehe ich auf dem Grill rohes Fleisch liegen, überkommt mich Gänsehaut. Weniger aus Vorfreude auf das Gebrutzelte, sondern, weil sich dadurch zig Fragen auftun. Woher kommt das Fleisch? Welches Tier wurde dafür Hunderte Kilometer eingepfercht in einem Lastwagen zum Schlachter gebracht? Die Art und Weise wie die Industrie den Fleischkonsum von Milliarden Menschen deckt, verdirbt mir den Appetit.

Das ist schade. Denn gegen ein saftig gegrilltes Steak gibt es keine Einwände. Gegen die Massenproduktion von Fleisch schon. Und so lohnt es sich, beim Fleischer des Vertrauens mehr für Qualität zu zahlen oder eben zu verzichten. Auf Grillpartys fällt die Fleischesunlust meist wenig auf. Das Schöne am Grillen ist ja, dass es wie bei kaum einer anderen Hauptmahlzeit so viele Beilagen und Salate gibt. Mit Halloumikäse, Zucchinischeiben und Ofenkartoffeln sind Vegetarier gut versorgt. Besonders aufmerksame Gastgeber bieten sogar Tofulaibchen, Seitan und Sojawürstel an. Einem Fleischtiger stellen sich alleine beim Gedanken daran die Härchen auf. Klar, ein aus Weizeneiweiß zusammengepresster, brauner Klumpen kann geschmacklich und optisch nicht jeden überzeugen. Probieren tut aber nicht weh!

Entbehrlich: Viel Fleisch essen – und dann Bauchweh haben

Vorweg, es sind nicht die Gene. Mein Bruder ist leidenschaftlicher Grillmeister. Und weil ich es ihm schon gesagt habe, kann ich es auch Ihnen anvertrauen: Ich halte Grillfeste für eine der entbehrlichsten Freizeit-Beschäftigungen, die sich die Evolution für den Menschen einfallen hat lassen.

Die Menschen wissen das – insgeheim. Schon jammern in diesen Tagen des Jahres die Ersten, dass sie kein gegrilltes Fleisch sehen/riechen/essen können. Sie stöhnen, sagen angefressen: Zu viel Fleisch, zu viel Bier, zu fette Barbecue-Saucen, immer Sodbrennen und dazu auch noch der Onkel Karli, der von seiner Hüsn anzieht und wie selbstverständlich den Rest vom Bier aus seiner Flasche übers Fleisch leert, was angeblich überhaupt nix bringt.

Und am Ende immer dieser unglaublich volle Magen, gegen den all die Schnapserln vom Onkel Karli auch nix mehr bewirken können.

Doch dummerweise folgt bei uns auf den vollen Magen der Herbst – und der Winter. Und dummerweise neigen die Menschen zum Vergessen und Verdrängen. Und so freuen sie sich dann allen Ernstes im nächsten Frühjahr wieder auf eine neue Grillsaison.

Und irgendwie freue ich mich mit ihnen. Denn der Geruch von Gegrilltem in Kleingärten wie auch auf der Donauinsel ist großartig!

Mit den Liebsten an einem Tisch: Ein Festmahl für alle

Beim Essen kommen die Leut’ zam – und beim Grillen erst recht! Ein kleiner Aufruf reicht, und schon kommen Freunde und Freundesfreunde in Scharen angefahren – jeder brav mit einem Schüsserl Salat, exquisiten Fleischvariationen und natürlich mit den obligatorischen Getränken.

Gendermäßig ganz unkorrekt versammeln sich die Männer rund um Holzkohle und Grillgerät und tauschen Weisheiten darüber aus, welche denn die beste Anheiz- und Brutzelmethode ist. Währenddessen kosten sich die Frauen durch die Salate und stoßen mit dem einen oder anderen Gläschen Prosecco an. Wenn Kinder und Hunde dann noch quietschvergnügt durch den Garten laufen und der Wassersprinkler zur ultimativen Unterhaltungsmaschine erkoren wird, ist der Social Event perfekt.

Still wird es erst wieder, wenn alle zufrieden vor sich hinschmatzen – nur noch die verschmierten Finger und die Reste rund um den Mund lassen erahnen, welch Fressgelage sich gerade abgespielt hat. Und wenn alle noch so satt sind: Selbst die letzte Käsekrainer, das letzte Bernerwürstel und die letzte Beiriedschnitte finden noch einen dankbaren Abnehmer. Für so ein schönes Stück Fleisch gibt’s im Magen eben immer noch Platz.

Grillen

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