Genuss 30.03.2012

Feinschmecken in Lech: Burghotel

Etwas Foie Gras mit Brioche und salzigem Caramel zum Chateau Yquem 1991 ergibt Sinn. © Bild: Alexander Rabl

Alexander Rabl auf der Piste im Dorf mit den meisten Haubenrestaurants pro Quadratpistenmeter.

Christoph Geschwendtner gibt alles. Und noch ein paar Gänge mehr.
© Bild: Alexander Rabl

Die Burg in Oberlech hat eine Terrasse von den Ausmaßen des Circus Maximus in Rom und genauso geht es dort an sonnigen Nachmittagen auch zu. Allerdings schaut das Publikum nicht den Gladiatoren zu, wie sie von den Löwen gefressen werden, sondern den mindestens genauso wendigen Serviceleuten, die hier täglich mindestens 1000 Gäste mit Ess- und Trinkbarem versorgen. Der Löwenhunger der Römer mit Schianzug wird hier mit allem anderen als Massenfutter befriedigt. Statt Schiwasser und gibt es eine dicke Weinkarte, auf der zu Arlberg-üblichen, also verträglichen Preisen die Topweine der Welt zu bestellen sind und wenn sich dann am späten Teil des Tages ein paar leere Flaschen Montrachet, Meursault oder Corton Charlemagne am Fensterbrett neben einer gut gelaunten Tischgesellschaft angesammelt haben, kann der Chefsommelier Hermann mit seinem Tagwerk zufrieden sein.

Das Werk eines Nachmittags auf der sonnigen Burgterrasse.
© Bild: Alexander Rabl

Der Mann am Herd der Burg heißt Christoph Geschwendtner und scheint über unerschöpfliche Energien zu verfügen. Einer seiner Ex-Arbeitgeber, Walter Eselböck, macht unlängst im Geplauder Geschwendtners Saucenküche Komplimente. Die ist allerdings eher abends gefragt, wenn der Küchenchef in der a-la-carte-Abteilung seine Haute-Cuisine-Vorlieben zelebriert und auch gerne einmal zehn Gänge herausschickt, bis die Gäste in den Seilen hängen und um das Minzeblatt flehen. Ich muss sagen, dass es ein gutes Gefühl macht, wenn schon die kleinen Happen zum Aperitif und die darauffolgenden Amuse Bouches Gespür, Geschmack und Sinn für Originalität beweisen. Dann kommt Geschwendtner mit einer Vorspeise aus Forellen, Erdbeeren, Nüssen und Sellerie und damit ist klar, dass sich das Bewahrende in diesem Restaurant nur aufs Ambiente bezieht, das mit seinen Holzsäulen und -Decken heimelig und wunderbar retro wirkt. Ein echter Hammer ist die Sauerkrautschaumsuppe, hinter der eine Menge Arbeit steckt, mit einem Germknödel, der mit Blutwurst gefüllt ist, die kräftig nach Majoran schmeckt. Damit nicht genug, badet in der Suppe noch ein Stück vom gebratenen Huchen und etwas vom gleichen Fisch, allerdings gebeizt.

Forelle, Erdbeeren Nüsse, Sellerie - der Mann traut sich was.
© Bild: Heinrich Zehetner

So geht es dann den ganzen Abend weiter und ich will niemandes Aufmerksamkeit mit Details überstrapazieren. Ein köstliches Gericht aus Gemüsen und Pasta darf nicht unerwähnt sein. Nach einigen Fischgerichten, die allesamt als gelungen zu bezeichnen sind, kommt ein Barbecue vom Lamm, das eigentlich mehr eine Paraphrase auf die Maghrebküche ist als ein Grillgericht. Ein herrliches Couscous, ein Stück vom Fett mit Kräutern, Joghurt, wunderbar. Nur beim Pré-Dessert übertreibt es der gute Geschwendtner ein wenig. In einem Plastiksackerl gibt es Cornflakes aus Pastinaken und dazu Sojamilch, also ein vorgezogenes Frühstück und es schmeckt leider überhaupt nicht. War der Küchenchef letztens im Fat Duck und hat etwas missverstanden? Nein, von einer kleinen konzeptionellen Unachtsamkeit lässt sich keineswegs auf das große Ganze schließen. Das beweist das eigentliche Dessert, eine Schokolade von unglaublicher, kakaobuttriger Aromendichte mit dem fruchtigen Kontrapunkt der Mango. Lob für die Mannschaft und ihren Chef, die im anstrengenden Alltag eines Hotels wie der Burg solche Leistungen hinlegen. Die Weinkarte und die Betreuung des Gastes im Hinblick auf wohlutende Flüssigkeiten ist hier, was allerdings als bekannt vorausgesetzt werden darf unter allen, die in den Bergen gerne gut essen und trinken, auf Ober-Oberlech-Niveau.

www.burghotel-lech.com

( Kurier ) Erstellt am 30.03.2012