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Genuss
08/06/2019

"Ein tolles Steak": Schelte für CSU-Chef Markus Söder auf Instagram

Die Instagram-Community fühlt sich vom Steak des bayerischen Ministerpräsidenten und Markus Söder provoziert.

von Anita Kattinger

Man könnte darüber diskutieren, ob das Steak ein bisschen zu viel Farbe abbekommen hat. Oder auch über Qualität und Herkunft des Fleisches, aber im konkreten Fall regt sich die Instagram-Community vor allem über den prominenten Namens hinter dem Posting auf. Markus Söder.

Am Abend der Ausstrahlung des ARD-Sommerinterviews postete der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef ein Foto von einem saftigen Steak mit folgender Bildunterschrift und Hashtags, wie die Welt berichtet: "ein tolles Steak", #bayern, #steak, #genuss, #essen, #food, #lecker, #gesund. (sein Account hier)

Rund 1.700 Personen gefiel das Bild, mehr als 230 Kommentare gab es unter dem Bild. Nicht alle waren wohlwollend.

So schrieb eine empörte Instagramerin: "Ein Stück Fleisch zu posten von einem gequälten Tier, was leben wollte, und das als Politiker, ist wirklich nur noch unterirdisch." Zwar werden auf Instagram zahlreiche Trends wie Avocado-Brot oder Banana Bread gelebt, doch gibt es genauso große Fan-Gruppen für Steaks und Burger. Warum also die Aufregung? Es geht um Glaubwürdigkeit.

Der bayrische Landesvater trommelt fast jede Woche neue Ideen zur Rettung von Klima und Umwelt. Bienen retten, Windräder und Photovoltaikanlagen bauen, Bäume pflanzen, billigere Bahntickets und noch vieles mehr heftete er sich auf seine Fahnen. 2040 soll der Freistaat klimaneutral sein und der Klimaschutz müsse sogar ins deutsche Grundgesetz.

Viele User argumentieren ähnlich: "Dieses Steak zeigt vor allem eins: Dass Sie offensichtlich keine Ahnung davon haben, wie sich Klima- und Tierschutz im Alltag umsetzen lässt." Oder: "Doch alles heiße Luft mit dem Öko-Markus. War ja klar!" Einige User verteidigen den Politiker aber auch: "Recht hat er. Wer Lust auf ein gutes Stück Fleisch hat soll sich eins gönnen. (...) Versucht nicht andauernd, jemand umzuerziehen. Das nervt."

Warum Fleisch ein Klimakiller ist

Fakt ist: Fleisch und Fleischprodukte verursachen einen deutlich größeren Fußabdruck als pflanzliche Nahrungsmittel. Laut dem österreichischen Nachhaltigkeitsministerium ist der Hauptgrund des großen Fußabdrucks die ineffiziente Umwandlung von Nahrungskalorien in Form von Futter  in das Endprodukt.

Es bedarf etwa drei bis fünf Kalorien Futter um eine Kalorie Schweine- oder Geflügel-Fleisch zu gewinnen. Bei Rindfleisch können es im Durchschnitt bis zu 10 Kalorien sein, die benötigt werden, um eine Kalorie Rindfleisch zu generieren.

Hinzu kommen Treibhausgase, vor allem große Mengen Methan aus den Mägen der Wiederkäuer und Lachgas (N2O) aus der Ausbringung von tierischem Dung. Für Viehfutter werden weltweit riesige Flächen Urwald gerodet. Die dabei freigesetzten Mengen an Treibhausgasen sind von globaler Wirkung.

Mehr als die Hälfte der Emissionen, die die österreichische Landwirtschaft erzeugt, gehen laut Global 2000 auf das Konto der Nutztierhaltung. In Summe erzeugt die Ernährung rund 12,5 Millionen Tonnen CO2 und damit mehr als der Personenverkehr auf Österreichs Straßen (12 Millionen Tonnen CO2). Nicht miteingerechnet ist hier der Import von Fleisch aus anderen Ländern und die Abholzung des Urwalds. Ein 200 Gramm schweres Steak verursacht umgerechnet also 5.340 Gramm CO2-Äquivalent.