Genuss
13.12.2017

Drama um On Market: Simon Xie Hong abgesetzt

Fast fünf Jahre nach Eröffnung des Szene-Restaurants On-Market am Naschmarkt wurde Simon Xie Hong von zwei Gesellschaftern als Geschäftsführer abgesetzt.

Simon Xie Hong fühlt sich ausgenutzt und enttäuscht – fünf Jahre nach Eröffnung seines Restaurants On Market am Naschmarkt haben ihn seine Mitgesellschafter als Geschäftsführer abgesetzt. Der Haubenkoch mit chinesischen Wurzeln besitzt neben dem besagten Restaurant noch vier weitere Lokale (u.a. On, On Sud) in Wien, alle mit dem gleichen Konzept: authentische asiatische Küche, eigene Kreationen, keine Glutamat-Saucen und Aromakraft durch frische Kräuter.

"Das On ist ein Teil von mir."

Laut Firmenbuch gehören sowohl Hong als auch Ye Guoying 47,5 Prozent, die dritte Gesellschafterin Deng Xilun hält 5 Prozent – seit 14. November vertritt Guoying laut Firmenbuch als alleinige Geschäftsführerin das Unternehmen. Bei der jüngeren Geschäftspartnerin Xilun handelt es sich um eine ehemalige Schülerin von Hong, die der Gastronom ausgebildet hat. Im Interview mit dem KURIER beteuert Hong, nicht freiwillig seinen Geschäftsführer-Posten geräumt zu haben: "Das On ist ein Teil von mir. Die beiden Geschäftspartnerinnen haben sich zusammengetan und mich hinausgedrängt. Es war ein schleichender Prozess, den ich nicht kommen gesehen habe."

Der gelernte TCM-Arzt und ehemalige Fernsehkoch (Silent Cook, ORF) hatte im Jahr 2012 das Lokal von der damaligen Uniqa übernommen und auf eine auffallende architektonische Lösungen gesetzt: So entschieden sich die Architekten Birgit Eschenlor, Rupert Müller und der Künstler Robert Thierry für eine im Durchmesser fünf Meter große Lichtinstallation im Eingangsbereich. Unter der Bedingung die Fenster vergrößern zu dürfen, den Aufzugsschacht und die Zwischendecke herausreißen zu dürfen, plante der Gastronom schließlich den teuren Umbau an der Linken Wienzeile.

Wenn ich die Kontrolle nicht mehr habe, dann muss ich mich distanzieren.

Schon seit mehr als einem Jahr sei der Haubenkoch mit der Führung, vor allem mit Einkauf und Qualitätsmanagement, nicht einverstanden gewesen. "Am Anfang waren sie brav, lernfähig und wissbegierig, dann haben sie zu sparen begonnen." Natürlich habe es viele Diskussionen gegeben, bevor er abgesetzt wurde: "Aber ich habe keine Lust, jeden Tag über Betriebsphilosophie zu sprechen. Jahrelang haben sie sich nicht eingemischt und jetzt wo es läuft, wollen sie es anders machen." Warum er an die Öffentlichkeit geht? "Wenn ich die Kontrolle nicht mehr habe, dann muss ich mich distanzieren."

Wir mussten die Probleme immer selber lösen, weil er nie da war.

Guoying und Xilun fühlen sich wiederum von Hong im Stich gelassen, wie sie im Interview mit dem KURIER berichten: "Wir haben nicht mehr so viel Energie, die Belastung durch mehrere Restaurants ist zu groß geworden. Wir mussten die Probleme immer selber lösen, weil er nie da war. Wenn aber etwas nicht gepasst hat, dann hat er Druck gemacht."

Die Geschäftsfrauen sind entweder selbst oder über Familie ebenso an der China Bar an der Wien und am On Sud beteiligt. Aber warum sie bei den neuen Restaurants überhaupt eingestiegen sind, wenn sie sich vom Chef im Arbeitsalltag im Stich gelassen worden seien? Sie meinen, dass sie nicht anders konnten, der Chef habe Druck gemacht und habe das so gewollt. Ein Nein wäre nicht infrage gekommen.

"Ich brauche keine Sklaven, ich bin kein Kontrollfreak", kontert Hong. Er erwarte von seinen Mitarbeitern zwar Disziplin und Qualitätssicherung, aber auch eine Eigenständigkeit. "Wenn man eine Gesellschaft gründet, hat jeder seinen eigenen Bereich. Wenn ich so schlecht bin, wieso haben sie sich immer wieder beteiligt? Dass ich mich nach den Anfangsphasen der Lokale zurückgezogen habe, hat auch damit zu tun, dass Mitarbeiter Platz brauchen und ich an neuen Zukunfts-Konzepten feile." So setze er auf einen Bauernhof in Ungarn, weil er davon überzeugt ist, dass die Zukunft der Gastronomie im Anbau von eigenem Gemüse liegt.

Streit um Firmenanteile und Firmenbewertungen

Wie es zusammenpasst, dass sie den On-Mastermind als Geschäftsführer absetzen, wenn sie ausgepowert seien und weniger Verantwortung haben wollen, erklären sie damit, dass sie über den Verkaufspreis nicht einig wurden. Eine Lösung wäre schließlich gewesen, dass Hong seine Anteile oder Guoying ihren Anteil verkauft, allerdings seien die Vorstellungen über den Kaufpreis zu weit auseinandergelegen. Auch sei die Weiternutzung des Namens strittig: Guoying hat jedenfalls beim Patentamt einen Antrag auf das Markenrecht für den Namen On Market eingereicht.

Rechtlich seien noch nicht alle Karten ausgespielt – Hong habe sich Rechtsbeistand genommen, aber die Enttäuschung sitzt noch immer tief. Er fürchtet um sein kulinarisches Erbe und das Image der On-Firmenfamilie. Die neue Betriebsphilosophie äußert sich für Hong darin, dass jetzt Geld verdienen im Mittelpunkt stehen würde. Für den Haubenkoch sei die On-Handschrift nicht mehr erkennbar: "Es gibt zwei Kategorien von Menschen: Menschen, die ihrem Leben einen höheren Sinn geben wollen, und die anderen, die nach Materiellem streben."

Auch die andere Seite zeigt sich enttäuscht. Das Gesprächsklima sei seit September nicht mehr konstruktiv, man werfe sich gegenseitig vor, nicht mehr miteinander sprechen zu wollen: "Menschen machen Fehler, aber er hat sie uns immer vorgehalten."