Genuss 03.03.2013

Am Herd mit Sepp Forcher

Er kennt Gott und die Welt, und er weiß, wo es schön ist und gut schmeckt. Wir besuchen den Publikumsliebling in seinem Haus in der Stadt Salzburg.

Angekommen im idyllischen Häuschen in Liefering möchte ich mich in gewohnter Manier gleich an die Arbeit in der Küche machen. So geht das aber nicht im Hause Forcher. Zuerst einmal nehmen wir in der gemütlichen Stube Platz, in der bemalte Bauernkästen und moderne Kunst in friedlicher Eintracht miteinander existieren. Die erste Flasche Wein wird geöffnet – ein junger Weißer aus der Kremser Gegend.

57 Jahre sind der Sepp und die Helli schon zusammen, gemeinsam bewirtschafteten sie mehrere Hütten, unter anderem das Zeppezauerhaus am Untersberg. „Am Berg is a schöne Neutralität.“ Gekocht hat meistens die Helli, die übrigens gelernte Schneiderin ist, nicht Köchin. Zum Radio kam der gebildete, charismatische Hüttenwirt zufällig, seinen ersten Auftritt hatte er bei Rosemarie Isopp in „Autofahrer unterwegs“ 1963. Nach dem Unfalltod ihres älteren Sohns 1967 gaben die beiden das Wirteleben auf und konzentrierten sich fortan nur noch auf Radio und Fernsehen. „Wenn I wo aufg’hört hab, dann immer, weil ich das wollte, und nicht, weil das irgendwer gesagt hat.“ Die erste Flasche ist leer, wir gehen in die Küche. Die Erdäpfel köcheln bald, alle möglichen hübschen Gewürzdosen kommen zum Einsatz. „Die hab ich geschenkt bekommen, jetzt muss ich sie auch verwenden.“ Helli schneidet die Wurst, für Sepps Geschmack allerdings viel zu klein. „Sei a bisserl großzügig. Amal halt.“ Wichtig ist, dass außer der Braunschweiger auch Knackwurst reinkommt. Und ja keine Gurkerln. Kurze Zeit später können wir schon kosten. Sie: „Zvü Wurst!“ Er: „Hauptsache, ned zvü Erdäpfel!“ Zurück beim runden Tisch, sind die Gläser schon wieder gefüllt. Und so vergehen fünf Stunden wie im Flug. Wir verlassen das Haus reich beschenkt mit Geschichten aus zwei ungewöhlichen, mutigen und doch sehr bescheidenen Leben.

Ihr Lieblingslokal? Obauer, Werfen. Gibt es einen prägenden Geschmack aus Ihrer Kindheit? Richtig schöne, braune Butter. Was würden Sie nie essen? Sago – das Mark des Palmbaums. Gab’s im Internat, krieg jetzt noch Brechreiz, wenn ich daran denk. Ihr größtes kulinarisches Missgeschick? Übers Reden mit dem Radinger Lois ist mir ein Kipper voll Gulasch angebrannt. Welche Küche der Welt ist Ihnen am Liebsten? Die von der Helli.

Erdäpfelgulasch

2 kleine Zwiebeln, 2 Knoblauchzehen, 5-7 speckige Erdäpfel, Majoran, gemahlener Kümmel, Paprika, edelsüßscharfer Paprika, schwarzer Pfeffer Knoblauch-Kräutermischung, 2 Knackwürste, 200 g Braunschweiger, 1 Würfel Gemüsesuppe, Butterschmalz, Petersilienerdäpfel

Zwiebel schälen, klein schneiden, in Butterschmalz anschwitzen. Knoblauch schälen, dünn hobeln, fein schneiden, dazugeben. Erdäpfel schälen, würfeln (2-3 cm), dazugeben, andünsten. Gewürze dazu: je eine feste Prise Majoran, Kümmel, Pfeffer, scharfer Paprika, Kräutermischung und „ja ned zwenig“ edelsüßen Paprika. Mit ca. 1/4 l Wasser aufgießen, 15 Minuten köcheln lassen. Suppenwürfel unterrühren. Wieder ca. 1/4 l Wasser zugießen. Würste schälen, in große Würfeln schneiden. Zuerst die Braunschweiger dazugeben, 10 Minuten später die Knackwurst. Mit Wasser (nochmals ca. 1/4 l) zur richtigen Konsistenz kochen. Petersilie unterrühren, abschmecken.

( Kurier ) Erstellt am 03.03.2013