© jürg christandl

Rezept
05/20/2013

Am Herd mit Christian Rainer

Über den Dächern von Wien erfahre ich, warum der Herausgeber und Chefredakteur des „profil“ so schlank ist, neuerdings auch rohe Paradeiser essen kann und seine Freundin wohl nie bekochen wird.

von Heidi Strobl

Die Geschichte beginnt so: Vor ein paar Wochen war ich ja mit „ZIB 1“-Moderatorin Nadja Bernhard am Herd. Auf die Frage „Was würden Sie nie essen?“, antwortete sie: „Fertignudeln“. Als ich dann Christian Rainer telefonisch zum Kochen einlade, meint er spontan: „Gern. Fertignudeln.“

Jetzt wissen inzwischen natürlich alle, dass die beiden seit ein paar Monaten ein Paar sind. Wie sie das mit dem Essen machen? Fabios, Do&Co, Federico II. „Sie will auch für mich kochen, aber es kommt nie dazu.“ Nachdem ich meinen Blick einigermaßen mit der unglaublichen Aussicht gesättigt und die auf der Terrasse im 14. Stockwerk gespannte Slackline ausprobiert habe, öffnet Rainer erst einmal eine Großflasche steirischen Wein. „Don’t Cry“ von Ewald Zweytick in Ratsch. Dann legt er einige Packungen Fertignudeln zur Auswahl vor. Wir entscheiden uns für seine Lieblingssorte. Wenn schon, denn schon. Auch seine zehnjährigen Zwillingstöchter bekocht er immer wieder damit. „Seit Jahren spiele ich ihnen vor, dass das selbstgemachte Nudeln sind, aber sie glauben es mir schon lange nicht mehr.“
Groß ist sie nicht, Christian Rainers Küche, genau genommen sogar winzig. Dafür hat er sie aber höchstpersönlich ausgebaut und eingerichtet. „Diese Küche wird unterschätzt.“ Ein Geschirrspüler – von oben bedienbar, ein sehr spezielles Lüftungssystem, herabklappbare Besteckladen. Ganz oben im Regal ein Satz Edelstahltöpfe. „Die sind zehn Jahre alt und noch nie verwendet.“ Beeindruckend auch der Messersatz. „Männer brauchen Messer.“ Das Wasser kocht, Packungsinhalt einrühren. „Wichtig zu wissen bei Fertigprodukten: Die Zeitangaben stimmen nicht.“ Parmesan reiben, Schnittlauch schneiden. Fertig. Beim Trüffelöl halte ich mich zurück. Wir kosten. Gar nicht so schlecht. Rainer: „Ich fresse ja ständig, aber nehme nicht zu.“

FERTIGNUDELN

1 Packung Penne in Paprika-Rahm-Sauce (Knorr), Chili gemahlen, Olivenöl, ev. Trüffelöl, frischer Parmesan, Schnittlauch

Wassermenge abmessen und zum Kochen bringen. Beutelinhalt einrühren, kräftig mit Chili würzen, 7 Minuten köcheln lassen. Dabei immer wieder umrühren. Kosten. Noch etwas Wasser hinzufügen und weitere 3 Minuten köcheln lassen bis die Nudeln al dente sind. Schnittlauch mit einer Schere schneiden und drüberstreuen, Parmesan drüberreiben. Eventuell mit etwas gutem Olivenöl oder Trüffelöl verfeinern.

5 Fragen

Ihr Lieblingslokal? Der Kirchenwirt am Stephansplatz – Do&Co im Haas-Haus.

Wo kaufen Sie am liebsten ein? In der Greißlerei in Traunkirchen.

Was würden Sie nie essen? Bis vor meiner Therapie rohe Paradeiser, jetzt eigentlich alles. Mein Kindheitstrauma – Urlaub in Opatija, ich sitze vor einem Teller mit Paradeisern und muss sie aufessen. Drei Stunden lang.

Ihr größtes kulinarisches Missgeschick? Trotz 16 Jahren Raiffeisen kein Kilogramm zugenommen.

Welche Speise vermag es, Sie zu trösten? Manner Stollwerk und Erdnusslocken.