Genuss 05.12.2011

Als ich Wolfgang Puck traf

Als ich Wolfgang Puck traf © Bild: reuters

Über einen Hollywoodstar, der noch nie auf der Leinwand zu sehen war. Und über ein tatsächliches Treffen. Von Alexander Rabl

Ausgewandert und Weltkarriere gemacht.

Ich habe Wolfgang Puck getroffen. Mit dieser schlanken Ansage kann man zum Weiterlesen verführen. Denn Köche sind längst Hollywoodstars. Sie werden auf Präsentiertellern herumgereicht, geben sich auf den Gesellschaftsevents die Türklinke in die Hand. Ein Koch, der dann auch noch für die Hollywoodstars kocht, ist somit sozusagen ein Hollywoodsupersuperstar. Ein Daueroscargewinner. Wolfgang Puck traf einmal eine richtige Entscheidung. Er traf auch noch andere. Aber diese war die wichtigste unter den Richtigen. Er ging raus aus Österreich. Er wurde der liebste Koch der Hollywood Celebrities. Er erfand so etwas wie die chinesische kalifornische Küche. Karriere in Beverly Hills, Karriere in Amerika, Weltkarriere. Wer weiß, was er in Österreich erfunden hätte. Die chinesische kärntnerische Küche. Die japanische Mühlviertler Küche?

Einer, der noch in jeder Oscarnacht gewonnen hat.

Der Mann wusste immer schon, wohin die Reise geht: Erst einmal nach Hollywood.
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Oscars 2011: Star-Koch Wolfgang Puck muss die 1.600 Gäste beim Governors Ball bekochen, wird berichtet. Er macht das schon zum 17. Mal nach der Oscar-Gala Diesmal wird es "eine königliche Mahlzeit für die Könige von Hollywood", schwärmt der 61-Jährige am Donnerstag am Rande des roten Teppichs. "Wir haben uns von den Engländern und Spaniern beeinflussen lassen", verrät der Promi-Koch. "Als Hauptspeise servieren wir englische Seezunge und dazu vegetarische Paella". Und mit hollywoodeskem Sarkasmus: "Einen besonderen Trosthappen für die Verlierer gibt es nicht, die müssen halt "mehr Champagner" trinken, grinst Puck. 1.200 Flaschen Moet & Chandon liegen auf Eis. 7.000 Garnelen, 1.000 Hummer und 230 Kilogramm Räucherlachs sind bestellt. Mit sieben Kilogramm essbarem Goldstaub werden bis Sonntag noch 4.000 Schokoladen-Oscars bestäubt.

Kochstar und Milliardär.

Der Mann wusste immer schon, wohin die Reise geht: Erst einmal nach Hollywood.
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Heute besitzt Puck ein weltweites Imperium an Restaurants aller Preis- und Güteklassen in allen der wenigen wirklich schönen und reichen Destinationen der Welt. Warum er eigentlich nicht mal am Wörthersee ein Spago aufgesperrt hat? Haider hat ihn doch sicher danach gefragt, die Hypo hätte es doch gerne finanziert. Puck macht, was angesagt ist. Er kümmert sich um die Gemüseesser, kocht Bio, widmet sich ausgiebig der Wohltätigkeit. Amerika halt. Man lässt die Leute viel verdienen, damit sie es der Gesellschaft zurückgeben können. In Österreich ist es umgekehrt.

Und wie ist das, wenn man Puck jetzt wirklich trifft?

Der Mann wusste immer schon, wohin die Reise geht: Erst einmal nach Hollywood.
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Wie halt viele Treffen vieler Leute mit den so genannten Stars sind. Man steht sich irgendwann gegenüber und sagt etwas. Weltbewegend ist das meistens nicht. Wolfgang Puck ist ja ein weitreisender Koch. Eigentlich hat er das Reisen der Köche erfunden. Es war ein Sommerfest in Schützen im Burgenland. Ein immer schon ehrgeiziger Wirt, Walter Eselböck, längst selbst ein Star, hatte ein paar berühmte Kollegen eingeladen. Man baute ein paar Standeln auf. Wolfgang Puck war auch angesagt. Puck sollte den Gästen ein Lamm braten und es eigenhändig und höchstpersönlich aufsäbeln. Es schüttete in Strömen. Das Restaurant war überflutet. Manche Damen suchten in ihren Handtaschen nach Gummistiefeln. Der Andrang war groß. Man reihte sich brav ein beim Stand von Wolfgang Puck, der da wirklich gekommen war. Er schnitt mir ein Stück vom Lammrücken. Er wirkte klein, aber nicht so klein wie Cruise oder Redford. Was wurde besprochen? Weiß niemand mehr. Die meisten Köche sind besser im Kochen als im Reden.

( KURIER.at ) Erstellt am 05.12.2011