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freizeit
10/28/2014

Zukunftsserie: Aufzug ins All

Ein Lift soll über ein 100.000 Kilometer langes Seil Roboter und Menschen in die Weiten des Weltalls emporziehen. Science-Fiction oder in 20, 30 Jahren Realität? Michael Horowitz über die Pläne eines besessenen US-Futuristen.

von Michael Horowitz

Ich gebe zu, das Zukunftsthema dieser Woche klingt wie reine Science-Fiction. Wird es wirklich in zwei, drei Jahrzehnten möglich sein, mit einem Aufzug ins All zu kommen? Ein solcher Lift in den Weltraum würde jedenfalls die Raumfahrt revolutionieren: Ein 100.000 Kilometer langes Seil, das zwischen der Erdoberfläche und einem Satelliten gespannt ist, um daran Material, Roboter – und Menschen – in das All emporzuziehen. Für Martin Tajmar, den in Wien geborenen Leiter der Professur für Raumfahrtsysteme an der „Technischen Universität Dresden“, bleibt der Weltraumlift reine Science-Fiction, eine völlig verrückte Idee. Denn, schon an der Beschaffenheit des Seils würde das Projekt scheitern: Es gibt nur ein einziges Material, das die Eigenschaften besitzt, um derartige Belastungen auszuhalten: Kohlenstoff-Nanoröhrchen. Die sind allerdings nur einen Millimeter lang. Man müsste sie zusammenspleißen, wie man es mit Glasfasern macht. Aber bitte: Ein derart langes Seil ist völlig illusorisch. Doch es wird bereits fieberhaft daran gearbeitet, diese Wunderfaser zu einem Garn mit extremer Festigkeit zu spinnen, aus dem dann Seile beliebiger Länge – auch bis 100.000 Kilometer – hergestellt werden können. Einige Hundert Meter hat man schon geschafft, wenn auch nur bei Nanofaser-Garnen, die für leichtgewichtige elektrische Leitungen eingesetzt werden. Doch die IAA, die angesehene „International Academy of Astronautics“ ist überzeugt davon, dass es bereits rund um das Jahr 2022 Nanoröhrchen, aus denen sich das Seil zu den Sternen weben lässt, geben wird. Die Idee eines Weltraumlifts fasziniert die Menschheit schon lange: Bereits 1895 sprach der russische Weltraumpionier Konstantin Ziolkowski, inspiriert von der Idee des Eiffelturms, von einem 36.000 Kilometer hohen Turm, der in den Weltraum reicht. Seine Spitze würde sich dort befinden, wo ein freigesetzter Körper die Erde in einem Tag umkreist, dem geostationären Orbit, in welchem heute Fernseh- oder Wettersatelliten kreisen. Ein solcher Turm würde natürlich Statiker mit unlösbaren Problemen konfrontierten und zur Verzweiflung bringen.

1895, als erstmals von einem Aufzug ins All fantasiert wurde, erklärte der berühmte britische Physiker Lord Kelvin in einer flammenden Rede, Flugkörper werden sich niemals in der Luft halten können.

Doch 1960 erkannte der russische Ingenieur Juri Arzutanow, dass man statt des Turms auch ein leichtes, aber extrem festes Seil verwenden könnte. Es würde von einem Satelliten herabgelassen, der von einer Rakete in die geostationäre Umlaufbahn geschossen wurde. Das klingt alles fiktiv, verrückt, unrealisierbar. Doch weltweit beschäftigen sich Ingenieure und Physiker immer mehr mit der faszinierenden Idee eines Weltraum-Aufzugs. Im Oktober des vergangenen Jahres veröffentlichte das IAA einen 350 Seiten starken Bericht über den aktuellen Forschungsstand. Das amerikanische Unternehmen „LiftPort“ will aus der Vision, einen Lift in die Weiten des Alls zu bauen, Realität werden lassen. Dessen Gründer Michael J. Laine ist jedenfalls davon überzeugt, dass es in den nächsten 20, 25 Jahren realistisch ist, mit einem Weltraum-Aufzug Roboter und Menschen ins All zu bringen. Die ersten 1,6 Kilometer seien schon geschafft: Schon vor zehn Jahren baute LiftPort gemeinsam mit Partnern diverser Universitäten eine Observations- und Kommunikationsplattform. Diese wurde in 1,6 Kilometern Höhe von mehreren Ballons gehalten und war mit dem Erdboden über Seile verbunden. Daran entlang kletterten 1,70 Meter große Roboter und schafften es auf eine Höhe von 460 Metern. Der Anfang für den Space Elevator war gemacht. Doch als Laines Unternehmen Pleite ging, war auch das – vorläufige – Ende des ehrgeizigen Plans fixiert. Der ehemalige Marinesoldat Laine gab nicht auf: Besessen von der Idee, dass Menschen unseren Planeten im Aufzug verlassen können, setzt er seit einiger Zeit über Crowdfunding, die Idee über das Internet Investoren zu finden, sein All-Projekt fort. Bescheidene 110.000 Dollar sind bis vor kurzem zusammengekommen. Doch der hartnäckige Michael J.Laine, der sich selbst Futurist nennt, gibt die Hoffnung nicht auf. Er weiß, dass er mit seiner Idee nicht alleine dasteht. Und lässt sich von Skeptikern nicht irritieren. 1895, als erstmals von einem Aufzug ins All fantasiert wurde, erklärte der berühmte britische Physiker Lord Kelvin in einer flammenden Rede, Flugkörper werden sich niemals in der Luft halten können. Bereits acht Jahre später, am 17.12.1903, hob die Flugmaschine Flyer der Gebrüder Wright ab. Und hielt sich immerhin 12 Sekunden lang in der Luft. Um 37 Meter weit zu fliegen.

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