© Tiergarten Schönbrunn/Daniel Zupanc

freizeit
03/07/2021

Ziemlich beste Freunde: Die ungewöhnlichsten Tier-Beziehungen

Aber wie funktionieren Freundschaften bei Tieren eigentlich? Eine Expedition in tierische Beziehungskisten.

von Andreas Bovelino

Der Neue in der Klasse zu sein, ist nie einfach. In einer anderen Stadt, einem anderen Land. Alle starren einen an, und manche nutzen die Chance, ihren eigenen Frust auf jemand Schwächeren abzuladen, weil der sich nicht wehren kann, kein Netzwerk hat, keine Freunde...

Was auf Menschen zutrifft, ist bei Menschenaffen nicht viel anders. Im Tiergarten Schönbrunn hat die Orang-Utan-Gruppe Zuwachs bekommen, die zwölfjährige Sari aus dem Zoo Dublin und die siebenjährige Surya aus dem Zoo Rostock. Keine einfache Situation.

„Man muss behutsam vorgehen“, erklärt Tierpfleger Sascha Grasinger, „Schritt für Schritt haben die beiden uns Tierpfleger, die neuen Abläufe und  schließlich ihre Artgenossen kennengelernt.“ Und es hat geklappt. Den beiden Orang-Damen geht es gut, sie wurden in die „Klasse“ aufgenommen.

Besonders schön, dass ausgerechnet die schüchterne Surya das Herz der oft ein wenig mürrischen, schon 56-jährigen  Mota gewinnen konnte: „Mota und Surya sind immer zusammen. Sie halten sich sogar beim Gehen gegenseitig am Fell. Die beiden gibt es nur mehr im Doppelpack“, erzählt Grasinger.

Affen können sehr enge und lang anhaltende Freundschaften eingehen.Eine Studie der Universität von Exeter stellte kürzlich fest, dass enge Freundschaften sich sogar positiv auf die Lebenserwartung der Tiere auswirkt. „Menschenaffen teilen mit dem Menschen nicht nur die Fähigkeit, Werkzeug zu gebrauchen, sondern auch die Fähigkeit für große Gefühle wie Liebe, Fürsorge und sogar Hass“, wird die britische Primatologin Jane Goodall nicht müde zu betonen.

Unter Schafen

Doch zumindest was die Freundschaft anbelangt, ist diese Fähigkeit keinesfalls auf Menschenaffen beschränkt. Oder wie sollte man sonst das Band beschreiben, das oft zwischen Mensch und Hund besteht? Die Zeiten, als Tiere  von der Schulbiologie zu reinen Stoffwechselmaschinen reduziert wurden, die konditioniert werden können, aber zu keinen Gefühlen fähig sind, haben wir glücklicherweise hinter uns. Und praktisch täglich werden wir aufs Neue überrascht von Einsichten in die komplexe Gefühlswelt der Tiere.

So galten etwa Schafe kaum als intellektuelle Elite, eher im Gegenteil: süß aber mit leerer Birne, war der allgemeine Konsens. Doch siehe da, eine australische Studie rehabilitiert die Schafköpfe vollständig! Sie können komplexe Aufgaben lösen, finden aus den kompliziertesten Irrgärten heraus, sie haben ein enormes Gedächtnis – und nutzen es auch, um zu lernen. Sie schauen nur so doof, wahrscheinlich, um die Menschen in Sicherheit zu wiegen. Was Schafe noch auszeichnet, ist, dass sie innerhalb der Herde unglaublich feste und gute Freundschaften pflegen.

Und manchmal finden sie auch außerhalb der Herde jemanden, mit dem sie unzertrennlich werden. Wie Larry das Lamm auf einer idyllischen Farm in England. Er und Jungstier Buddy sind dort unzertrennlich.

Aber wie kann es überhaupt zu diesen art-übergreifenden Freundschaften kommen? „Warme, weiche Empfindungen sind den meisten Säugetieren wichtig. Werden die durch jemand bestimmten  ausgelöst, so sucht man dessen Nähe“, erklärt Verhaltensforscher John Wright von der Mercer University in Georgia. „Besonders einfach kommt das artübergreifend bei jungen Tieren zustande – sind die Anlagen allerdings zu unterschiedlich, lösen sich diese Freundschaften im Erwachsenenalter wieder.“

Baloo & Shere Khan

Könnte also durchaus sein, dass die glückliche Zeit, die Akbai-Hirtenhund Tessa und ihr kleiner Leopardenfreund in einem Zoo in Wladiwostok erleben, ein Ablaufdatum hat.

Andererseits: Tiger, Bären und Löwen sind in freier Wildbahn auch nicht gerade "Best Buddies". Und dennoch: Tiger Shere Khan und Bär Baloo lebten in der „Arche Noah“, einer amerikanischen Tierschutzstation, gemeinsam mit dem Löwen Leo praktisch ihr ganzes Leben lang als allerbeste Freunde. Shere Khan starb vor zwei Jahren, Leo im Jahr davor ...

Auch Golden Retriever Barclay und Ente Rudy sind ein prinzipiell sehr unterschiedliches Pärchen. Immerhin war die Entenjagd einer der wichtigsten Gründe, Goldies überhaupt zu züchten. Barclay sieht in Rudy dennoch nicht die schmackhafte Peking-Ente, sondern einen perfekten Spielkameraden. Und einen mindestens ebenso guten Kuschelpartner danach.

Ganz und gar nicht kuschelig

... ist eigentlich Leonardo. Leonardo ist eine Spornschildkröte. Vor fünf Jahren wurde er aus einem „Zoo“ in Bangkok gerettet. Sein bester Freund ist der Ochse Simon, der mit einem verletzten Bein ins Tierheim kam und von Leonardo auf Anhieb derart begeistert war, dass er ihm überallhin gefolgt ist. Was für einen jungen Ochsen doch ein außergewöhnlicher Geduldsakt ist, quasi ein Liebesbeweis.

Aber auch Leo zeigte sich durch Simon in keiner Weise genervt, ganz im Gegenteil, er ist noch entspannter, wenn das bei einer Schildkröte überhaupt möglich ist. Am coolsten sind die beiden, wenn sie gemeinsam Siesta halten und Simon seinen Kopf auf Leos Panzer legt. Ganz nach dem Motto: „Harte Schale, weicher Kerl.“

Nashörner gelten im Tierreich nicht unbedingt als große Partytiger, im Gegenteil, eigentlich gehen ihnen die meisten anderen Arten vorsorglich aus dem Weg. In einem Zoo in Bangladesch verlor Rhino-Dame Kanchi allerdings jeglichen Lebenswillen, nachdem ihr männlicher Partner einer Krankheit zum Opfer gefallen ist. Sie nahm kein Fressen zu sich, wollte nicht einmal mehr aufstehen.

In Ermangelung der Mittel für ein neues Nashorn, ließ der Zoodirektor ein Schaf ins Gehege des Nashorns. Und siehe da, innerhalb weniger Tage erholte sich Kanchi und gewann ihre Lebensfreude zurück. Und auch nach fünf gemeinsamen Jahren fühlen sich Schaf und Nashorn einfach pudelwohl miteinander. 

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