Sara Arslan in "Take me Späti"
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„Take me Späti“ & Co: Schluss mit langweiligen Promi-Interviews

Formate wie „Subway Takes“ oder „Take me Späti“ mit Sara Arslan sind rotzfrech und spannend. Der Hype ist groß.

Der Anfang braucht eine Ansage. Also: eine möglichst knackig-kontroverse Meinung – und über die lässt es sich dann blendend debattieren. Der Tatort: die New Yorker U-Bahn. Im Waggon sitzt Kareem Rahma und steuert das Gespräch. Am Sitzplatz neben ihm: Stars wie Cate Blanchett oder Rosalía, und die geben sich in diesem ungewohnten Umfeld, das nach Rushhour, Schweiß und Schichtarbeit riecht, und so gar nicht einem hochglanzpolierten, perfekt ausgeleuchteten Fernsehstudio gleicht, so offenherzig nie. 

„Subway Takes“ heißt die Youtube-Serie mit Kareem Rahma, und derselbe hitzige Vibe, der während der Fahrten zwischen Canal Street oder Union Square herrscht, überträgt sich auf die Gespräche. „So, what’s your take?“, also „Na, was meinst du dazu?“, beginnt Rahma jedes Interview. Der oder die Befragte benennt dann eine klare Meinung zu einem Thema (zum Beispiel: „Man sollte nie zu früh am Flughafen sein“), worauf Rahma entweder „100 Prozent“ zustimmt oder dagegen ist.

In Charlize Therons Schlafzimmer

Die Schlagabtäusche, die folgen, sind das Salz in der Suppe der Serie. Die übervorsichtigen PR-Manager, die sonst um einen Star herumwieseln und die jede kantige Aussage ihres Schützlings an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringt, sucht man hier vergebens. Auch die nervtötend langweiligen Roter-Teppich-Dialoge („Von welchem Designer ist Ihr Kleid?“) bleiben einem erspart. Und das ist ein großes Glück. Es entsteht ein Talk mit offenem Visier, ungeschminkt, unterhaltsam.

Was man da alles zu hören kriegt! Charlize Theron packt aus, was sie im Schlafzimmer anekelt: Wenn ein Typ ihr ins Ohr flüstert – „I would like to make love to you“. Wenn sie das höre, „macht meine Vagina dicht. Just f**ck me“. Jennifer Lopez wiederum gibt eine Motivationsansprache für alle da draußen mit gebrochenem Herzen: „Trennungen sind kein Scheitern – sie sind eine Startrampe zu deinem besseren Ich.“ Ihr Plädoyer: „Du hast dich getrennt, herzlichen Glückwunsch. Wir sollten eine Party feiern.“ 

Matt Damon, Charli XCX, Woody Harrelson, Zoë Kravitz, Ethan Hawke, aber auch viele Normalos, sie alle sprechen über wichtige und nichtige Themen und waren zu Gast bei Kareem Rahma, der stets im zerknautschten Anzug und mit Sonnenbrille auftritt. Geboren ist er in Ägypten, war Journalist bei Vice und der New York Times, gilt als eine der einflussreichsten Digitalstimmen der Welt und wurde eben für den Emmy nominiert, den wichtigsten TV-Preis der Welt. 

Seine Interviews stehen Pate für die Unterhaltungsbedürfnisse der Generation TikTok: überraschend, nahbar – und oft so auf den Punkt, dass sie sich ideal auf Social Media verbraten lassen. Überhaupt sind Vox-pop-Interviews, bei denen Menschen auf der Straße befragt werden, schwer angesagt. „Billy on the Street“ etwa ist ein Klassiker, bei dem Comedian Billy Eichner durch New York rennt und Passanten groteske Fragen stellt – gern im Beisein von Stars wie Emma Stone, Chris Martin oder P!nk (mit Paul Rudd etwa: „Für einen Dollar – würden Sie Sex mit Paul Rudd haben?“). Ein Comeback der Chaos-Show ist in Aussicht. „Die Leute flehen mich an, die Sendung wieder aufleben zu lassen.“

Bissige Dates mit Sara Arslan

Im deutschsprachigen Raum sorgt „Take Me Späti“ für Furore. In der Show von Sara Arslan bittet sie Sänger oder Internet-Promis zum „Date“ in die kleinen Kioske, die bis in die Nacht hinein mit Getränken und Snacks notversorgen. Dabei ist Arslan so bissig und bockig, wie es nur geht, die Süddeutsche Zeitung nennt sie die „Queen der übergriffigen Fragen“. 

Sie erkundigt sich nach den größten Red Flags, wer die toxischste Beziehung war, und natürlich: „Wer ist dein Type?“ Den Rapper Mo Douzi fragt sie, „Na, wie war’s so im Knast?“, zu Manuellsen stellt sie fest: „Du hast extrem kleine Ohren. Hörst du mich?“ Immer bleibt der Talk unvorhersehbar – und ehrlich. 

Geborgt hat Arslan das Format vom britischen „Chicken Shop Date“, da kommen gar Stars wie Jennifer Lawrence. Mit sicherer Zunge führt Arslan ihre Gäste aufs Glatteis, quält Machos mit Pronomen-Fragen und feministischen Kampfansagen. „Was glaubst du kostet eine Packung Tampons?“, fragt Arslan augenklimpernd Josethirty5, auch er ein Rapper. Der ist ihr Ex, flirty montiert sie ihn konsequent ab. „Wieso glaubst du, dass ich dich auseinandernehme?“, fragt sie ihn. Seine Antwort: „Weil du alle auseinandernimmst.“

Alexander Kern

Über Alexander Kern

Geboren in Wien, war Chefredakteur verschiedener Magazine und stand im Gründungsteam des Seitenblicke Magazins des Red Bull Media House. 12 Jahre Chefreporter bzw. Ressortleiter Entertainment. Schrieb für 110%, das Sport- und Lifestyle-Magazin von Die Presse. Seit 2020 Redakteur der KURIER Freizeit mit Reportagen, Kolumnen, Texten zu Kultur, Gesellschaft, Stil, Reise und mehr. Hunderte Interviews, von Beyoncé und Quentin Tarantino über Woody Allen und Hugh Grant bis Jennifer Lopez und Leonardo DiCaprio sowie in der deutschsprachigen Kulturszene. Reportagen vom Filmfestival Cannes bis zur Fashionweek Berlin. Schreibt im KURIER jeden zweiten Dienstag die Kolumne „Alexanders Showtime“. Liebt Kino, Literatur und Haselnusseis.

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