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Drogen, Sido, Polizei

Wie ich dank dem Rapper Sido im Verhörzimmer des Landeskriminalamts Wien landete. Ein Scherz? Dachte ich zuerst auch.
Alexander Kern
Rainhard Fendrich

Selbst als Kolumnist bleibt man vor inkriminierenden Vorfällen nicht verschont. Als ich kürzlich Lucas Fendrich interviewte, musste ich an seinen Vater Rainhard denken. Wir waren vor 20 Jahren im Restaurant Kanzleramt in Wien essen. Es war ein beschwingter Abend. Am nächsten Tag schockierte dann die Veröffentlichung seiner Kokain-Beichte das Land. Die Rede war von Wiener Linien, heute ist das Schnee von gestern. Und Rainhard hochweiß als die verehrte Austropop-Legende, die er ist.

Einsatzgruppe Austropop 

Um den Willen zum Rausch ging es auch in einem Doppelinterview mit Sido und Bushido. Doch die Polizei las mit. Am Tag der Veröffentlichung klingelte in der Redaktion mein Telefon. Das Landeskriminalamt Wien lud mich vor. Ich hielt das erst für einen Scherz. Man bot mir dann freundlich an, mich sonst auch gerne „abzuholen“.

Der Rapper hatte mir „gestanden“, in Mußestunden zu manch halluzinogener Substanz zu greifen. Diese sensationelle Enthüllung muss einen Leser zutiefst erschüttert haben, und er zeigte Sido an. So landete ich im Verhörzimmer der Einsatzgruppe Suchtmittel.

Die Beamten waren sehr nett. Einen Drogenring vermochte ich ihnen jedoch nicht ans Messer zu liefern. Als Kartell-Boss unbrauchbar, erfuhr ich dafür, dass ich auf exakt jenem Holzhocker sitze, auf dem schon Rainhard Fendrich „gesungen“ hatte. Und neun Jahre davor Tony Wegas. Sogleich erfüllte mich ein verwirrendes Gefühl des Stolzes. Andere mögen am Grab von Jim Morrison in Paris gewesen, oder über den Beatles-Zebrastreifen in London spaziert sein. Ich saß in 1090 Wien auf einer einzigartigen (aber unbequemen) Reliquie des Austropop.

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