Die Charaktere von South Park stehen vor einer Menschenmenge und dem South Park-Schild.

South Park attackiert Trump und feiert Rekorde

Der US-Präsident Donald Trump, sein Gefolge und der Teufel geben in den Staffeln 27 und 28 der Serie South Park den Biss zurück. So könnte es weitergehen.

Die Hölle hat einen neuen Amtssitz: Satan zieht ins Weiße Haus ein und wird dort von Donald Trump schwanger. Dazu haben sie Besuch von Bauarbeitern. Der Leibhaftige glaubt, dass der East Wing fürs Kind umgebaut wird. Doch Trump plant nur einen prunkvollen Trakt für seine „dummen Partys“. Die Beziehung gefällt dem Vizepräsidenten J. D. Vance gar nicht. Der ungeborene Antichrist könnte seine Pläne durcheinanderbringen. Also soll er weg.

Tech-Milliardär Peter Thiel erscheint als gespenstige Figur und will die Kinder von bösen Machenschaften befreien. Tatsächlich steckt nur das sinnlose Internetphänomen „Six Seven“ dahinter.

Der kriegs- und instagramfreudige Minister Pete Hegseth poltert, bis ihm jemand in den Allerwertesten tritt. Das waren die Staffeln 27 und 28 der Trickfilmserie „South Park“, die kürzlich zu Ende gingen (zu sehen auf Paramount+).

South Park verdoppelt mit Trump die Quoten

Sie kreisen fast vollständig um die Trump-Administration. Das Publikum dankte es. Die Serie erzielte Zuschauerrekorde. Gegenüber 2023, dem letzten Jahr mit neuen Folgen, verdoppelten sich die Quoten. Bemerkenswert ist das auch deshalb, weil es „South Park“ schon seit 1997 gibt – mit mehr als 300 Folgen. Zuletzt geriet die bitterböse Serie doch ins Stocken, der Biss fehlte etwas.

Normalerweise stehen die Buben Stan Marsh, Kyle Broflovski, Eric Cartman und Kenny McCormick aus einem Kaff irgendwo in Colorado im Zentrum. Oft machen sie dort Bekanntschaft mit bekannten Persönlichkeiten aus aller Welt – und diese lächerlich.

Ein Teufel mit Brille liest im Bett ein Buch, während Trump als Koch eine Schüssel serviert.

In den vergangenen zwei Staffeln zieht Satan ins Weiße Haus ein und hat eine Beziehung mit Donald Trump. Das gefällt Vize J. D. Vance so gar nicht 

©Comedy Central

Mit den jüngsten Staffeln knüpften die Macher Trey Parker und Matt Stone klar an ihre frühen Jahre an. Schon in den späten Neunzigern teilte der Teufel das Bett mit Saddam Hussein. Wie die New York Times berichtete, hatten sich Parker und Stone erst wenige Wochen vor Staffel 27 im Juli 2025 dafür entschieden, Donald Trump und seine MAGA-Bewegung in die Serie einzuweben. Dabei traten Eric, Kenny, Kyle und Stan in den Hintergrund.

Verhandlungen mit Paramount brachten die Wende

Denn parallel verhandelten die beiden mit Paramount über einen neuen Deal. Der Medienkonzern wiederum steckte mitten in einer geplanten Fusion mit der Produktionsfirma Skydance. Ein Vorhaben, das ausgerechnet den Segen der Trump-Regierung brauchte. Nur Stunden nach dem Abschluss ihres 1,5 Milliarden Dollar schweren Fünfjahresvertrags schossen Parker und Stone öffentlich gegen Trump – und gegen Paramount. 

Auslöser war die Absetzung von Stephen Colberts „Late Show“ des Senders CBS, die viele als Kollateralschaden sahen, um die Fusion glatt durchzudrücken. „Wir mussten einfach unsere Unabhängigkeit zeigen“, erklärte Stone. Die beiden hätten Angst vor Kritik an der Regierung gespürt und die Entstehung von „neuen Tabus“ gesehen. „Trey und ich fühlen uns davon angezogen wie Fliegen vom Honig“, sagte er. „Ach so, da liegt das Tabu? Dort drüben? Okay, dann sind wir eben dort drüben.“ Und sie waren stets topaktuell. Kaum passiert etwas im Trump-Universum, taucht es ein, zwei Wochen später in einer South-Park-Folge auf.

Zwei Männer, Trump und Vance, mit übergroßen Köpfen sitzen in einem Whirlpool in einem elegant eingerichteten Badezimmer.

J.D. Vance gefällt Trumps Liason mit dem Teufel gar nicht - er ist eifersüchtig.

©Comedy Central

In der Tonart geht es wohl weiter. Das kündigt zumindest eine Instanz an. „Klagt mich ruhig an, ich werde keine Angst mehr haben“, sagt Jesus in der letzten Folge der Staffel 28. Wie der Guardian meint, setzten Stone und Parker damit ein klares Zeichen.

Auch wenn darüber nur spekuliert werden kann, bleiben Trump und seine Kumpanen wohl in den weiteren Staffeln im satirischen Fadenkreuz – mindestens 40 Episoden stehen ja laut dem neuen Vertrag noch aus.

Das Gemächt des mächtigsten Mannes der Welt

Dass dabei die Grenzen des guten Geschmacks überrollt werden, gehört zum Programm. Die Serie lebt vom Tabubruch. Es blitzen Anspielungen zum Suizid von Jeffrey Epstein auf. Oder das Gemächt des mächtigsten Mannes der Welt wird gezeigt. Es ist, nun ja, alles andere als mächtig. Originalton: „Sein Penis ist winzig klein, aber seine Liebe zu uns ist groß.“

Hinter den Kulissen knirschte es ein wenig. Parker erzählte bei einer Podiumsdiskussion, die Produzenten hätten vor der Ausstrahlung angekündigt: „Okay, aber wir werden den Penis verpixeln.“ Worauf sie trocken geantwortet hätten: „Nein, ihr werdet den Penis nicht verpixeln.“ Ergebnis bekannt.

In einem Raum stehen zwei Männer vor einem Maler, der Trump-Porträts malt. Sein Penis ist auf einem sehr klein, bei einem anderen sitzt er auf einem feuernden Panzer.
©Comedy Central

Aus dem Weißen Haus folgte bereits im Sommer eine Stellungnahme der Sprecherin: „South Park“ sei seit mehr als 20 Jahren irrelevant und schiele nur auf Aufmerksamkeit. Trump selbst, der sonst gerne öffentlichkeitswirksam gegen Gegner und Kritiker ausreitet, blieb auffallend stumm. Dabei wird er doch, wie Variety richtig festgestellt hat, hier weitaus aggressiver, schockierender und vulgärer angegriffen, als es je ein Late-Night-Moderator versucht hat.

Warum Trump zu South Park schweigt

Komiker und Schauspieler Patton Oswalt sieht den Grund für Trumps Schweigen. Im Podcast „The Last Laugh“ von The Daily Beast sagt er: „South Park generiert nicht nur Unsummen an Einnahmen, sondern erzielt auch unglaubliche Einschaltquoten. Und Trump kann darüber nur bedingt wütend sein. Was Trump letztendlich respektiert, selbst wenn die Serie ihn nicht respektiert, sind Sendungen mit hohen Einschaltquoten und enormen Einnahmen.“

„South Park“ fuhr in den vergangenen Jahrzehnten nie eine einheitliche politische Linie. Parker und Stone verspotteten alles und jeden – und machten hier so gut wie keine Ausnahmen.

„Wir sind einfach ganz normale Typen“, sagte Parker laut New York Times. „Über Extremisten jeglicher Art machen wir uns lustig. Das haben wir jahrelang mit der Woke-Bewegung gemacht. Das fanden wir urkomisch. Und das hier finden wir auch urkomisch.“

 Die Macher führten auch regelmäßig Gespräche darüber, zu den traditionellen „South Park“-Streichen zurückzukehren und MAGA aufzugeben. Aber ihnen wurde klar, dass „es kein Entrinnen gibt“, sagte Parker.

Wann und wie Staffel 29 weitergeht, steht noch nicht fest. Aber die Handlung könnte sich weiter auf Washington und Trump und nicht so sehr auf Colorado und Stan, Kyle, Kenny und Eric konzentrieren. „Wenn wir eines wissen, dann, dass unsere Show viel länger sein wird als ihre“, erklärte Parker zu Trump und Gefolge. „Also müssen wir das jetzt erst einmal so durchziehen.“

Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

Redakteur bei der KURIER Freizeit. Er schreibt dort seit Dezember 2020 über Reise, Kultur, Kulinarik und Lifestyle. Also über alles, was schön ist und Spaß macht. Er begann 2011 als Oberösterreich-Mitarbeiter in der KURIER-Chronik, später produzierte er lange unterschiedliche Regionalausgaben. Zuletzt war er stellvertretender Chronik-Ressortleiter.

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