Christopher Lambert als "Highlander"
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Warum ist Hollywood so feige geworden?

Von „Highlander“ über „Rambo“ bis „Ein Engel auf Erden“: Der Trend zur Neuverwertung legendärer Erfolge ist omnipräsent.

Eine Eintrittskarte in eine andere Welt. Einsame Cowboys reiten in den Sonnenuntergang, tapfere Heldinnen retten die Welt, und in einem fort wird geliebt, geküsst, geweint. Filme begeistern, Serien machen süchtig. Doch was, wenn statt neuer Helden immer wieder dieselben altbewährten Haudegen auftauchen? Dann, so ist aktuell die kreative Wetterlage, dann sind wir im Hollywood von heute angelangt.

Remakes, Reboots, Prequels und Sequels: Wohin man auch schaut, werden legendäre Erfolge neu verwertet. Die Liste ist lang. Und sie wird munter fortgesetzt: alte Helden werden neu.

Es kann nur einen geben, lautete einst das Motto des schottischen Schwertschwingers „Highlander“. Irrtum. Nach misslungenen Fortsetzungen und einer TV-Serie werkt Amazon Prime an einem Remake des Kultfilms. Statt Christopher Lambert gibt Henry Cavill, bereits in „The Witcher“ martialisch, den Unsterblichen. Die Regie übernimmt Chad Stahelski, der mit „John Wick“ für Furore sorgte, da kann Action vom Feinsten erwartet werden. Mit Russell Crowe, Jeremy Irons und Dave Bautista ist auch der Rest der Besetzung prominent.

Henry Cavill ist der neue „Highlander“

Es kann nur einen geben? Henry Cavill ist der neue „Highlander“ und folgt Christopher Lambert (siehe Artikelaufmacher) in der Kultrolle nach

©Amazon MGM

Rambo, Klapperschlange & Natürlich Blond

Mit „John Rambo“ steht ein weiterer Actionheld parat, im Juni 2027 soll der sechste Teil der Saga im Kino anlaufen. Der Film wird während des Vietnamkrieges spielen und die Vorgeschichte des traumatisierten Veteranen erzählen. Pikant: Es wird der erste Rambo-Streifen ohne Sylvester Stallone, der die Figur nicht nur erfunden hat, sondern als personifizierte Ein-Mann-Armee ikonisch werden ließ. Kann das gut gehen? Statt des 79-jährigen Stallone rückt Noah Centineo (29) aus, bekannt aus der Spionage-Serie „The Recruit“. 

Als Neuauflagen blühen uns zudem „Resident Evil – Code: Veronica“, mit „Cliffhanger“ ein weiterer Ableger aus dem Stallone-Universum, jedoch mit Pierce Brosnan, dazu kommen Michael B. Jordan in „Die Thomas Crown Affäre“. Mit „Practical Magic 2“ wird es magisch: Diesen September startet die Fortsetzung mit Nicole Kidman und Sandra Bullock als zauberhafte Schwestern. 

Die Klapperschlange

Remake geplant: Wer folgt Kurt Russell als „Die Klapperschlange“?

©APA-Images / United Archives / Impress/Impress/APA Images

Und auch „Die Klapperschlange“ kehrt zurück: Nach Jahren, in denen zeitweise Gerard Butler den Snake Plissken spielen und Robert Rodriguez („Sin City“) oder Len Wiseman („Stirb langsam 4.0.“) inszenieren sollten, ist das Projekt jetzt bei Zack Snyder („300“) gelandet. Im Kultfilm des Jahres 1981 ist Manhattan zum Hochsicherheitsgefängnis mutiert, in dessen Straßen es wild hergeht. Als der US-Präsident mit dem Flugzeug genau dort abstürzt, soll die „Klapperschlange“ ihn befreien. Wer Kurt Russell nachfolgt, ist derzeit noch offen. 

Vom sechsten „Hunger Games“-Film „Die Tribute von Panem: Sunrise on the Reaping“ (Start: November) weiß man da mehr: Er erzählt vom jungen Haymitch Abernathy (später dargestellt von Woody Harrelson) – und wie er selbst die letalen Arena-Spiele überlebte.

Auch bei den Serien dominieren die Revivals. Im Juli startet mit „Elle“ die Vorgeschichte des Reese-Witherspoon-Erfolgs „Natürlich blond!“. Die Serienadaption von Stephen Kings „Carrie“ wurde von Horror-Spezialist Mike Flanagan („Doctor Sleeps Erwachen“) inszeniert und läuft ab Oktober, ebenfalls auf Prime. „Crystal Lake“ ist ein Prequel des Slashers „Freitag der 13.“, der Sechsteiler „Blade Runner 2099“ setzt den Harrison-Ford-Kultfilm fort, RTL macht eine „Heidi“-Serie mit Heike Makatsch, und sogar „Ein Engel auf Erden“ wird neu verfilmt.

Szenenbild aus „Die Tribute von Panem: Sunrise on the Reaping“

Startet im November: „Die Tribute von Panem: Sunrise on the Reaping“

©Lionsgate/CourtesyofRoadshow

Erfolgsfaktor Nostalgie

Hollywood und die Streamer gehen also auf Nummer sicher. Kreativ bedeutet das zwar meist Endstation. Wirtschaftlich gedacht macht es aber Sinn. Wenn man Harry Potter oder Masters of the Universe als Marken betrachtet, stehen sie für hohen Bekanntheitsgrad, garantierten Medienrummel und eine Fangemeinde, die nicht erst mühsam aufgebaut werden muss, sondern bereits im Gros besteht. Studios wollen Geld verdienen – und die Strategie, auf Bewährtem aufzubauen, minimiert ihr Risiko. Die Produzenten wollen den Erfolg kalkulieren, dafür denken sie nicht in einzelnen Märkten, sondern global. Dazu kommt die Kundenbindung: eine erfolgreiche Streaming-Serie hält Abonnenten oder bringt neue.

Das Ergebnis: mehr vom Selben – und doch irgendwie neu. Serienableger und neu aufgesetzte Franchises bieten Filmemachern auch großen Anreiz, einen Kulterfolg von Grund auf neu zu denken. Vor allem aber zielen die Neuverwertungen auf eines ab: Nostalgie verkauft sich. Das Publikum will seine Helden aus der Jugend wiedersehen. 

Regisseur Luca Guadagnino („Challengers“) brachte das, nachdem er „Top Gun 2: Maverick“ gesehen hatte, auf den Punkt: „Es war ein sehr schlechter Film. Aber gleichzeitig schrien die Leute, warfen mit Popcorn um sich und waren überglücklich, denn die Nostalgie scheint derzeit das einzige zu sein, das auf allen Märkten funktioniert.“ Kuriosität am Rande: Selbst arbeitet Guadagnino gerade an einem Remake von „American Psycho“. Der Markt kriegt, was er will.

Alexander Kern

Über Alexander Kern

Geboren in Wien, war Chefredakteur verschiedener Magazine und stand im Gründungsteam des Seitenblicke Magazins des Red Bull Media House. 12 Jahre Chefreporter bzw. Ressortleiter Entertainment. Schrieb für 110%, das Sport- und Lifestyle-Magazin von Die Presse. Seit 2020 Redakteur der KURIER Freizeit mit Reportagen, Kolumnen, Texten zu Kultur, Gesellschaft, Stil, Reise und mehr. Hunderte Interviews, von Beyoncé und Quentin Tarantino über Woody Allen und Hugh Grant bis Jennifer Lopez und Leonardo DiCaprio sowie in der deutschsprachigen Kulturszene. Reportagen vom Filmfestival Cannes bis zur Fashionweek Berlin. Liebt Kino, Literatur und Haselnusseis.

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