"Spider-Noir"-Star Jack Huston: „Wir brauchen Superhelden“
Jack Huston im Interview über seine neue Serie, seine berühmte Familie und was er von Mentor Al Pacino lernte.
Er sitzt am Schreibtisch in seinem Arbeitszimmer, hinter ihm thront eine Statue des Malteser Falken, und das aus gutem Grund: Jack Huston ist der Enkel von John Huston – der legendäre Regisseur schwang beim Film-Noir-Klassiker „Die Spur des Falken“ mit Humphrey Bogart das Regie-Zepter. Die Filmstars Anjelica (die Ex von Jack Nicholson) und Danny Huston („Wonder Woman“) sind Tante und Onkel – eine echte Kino-Dynastie.
Jack Hustons bekannteste Rolle ist der Kriegsveteran in der Serie „Boardwalk Empire“. Er glänzte als „Ben Hur“, in „American Hustle“ und „House of Gucci“. Und nun in „Spider-Noir“, der Serie über eine in einem Paralleluniversum existierende düstere Version von Spider-Man – und zwar als Privatdetektiv im New York der Dreißiger (gespielt von Nicolas Cage). Huston gibt Bodyguard Flint Marko, der zugleich der Sandman ist und seinen Körper zu Sand verwandeln kann und seine Arme zu gigantischen Fäusten. Die meisterhafte Serie startet am 27.5. auf Amazon Prime Video. Zu sehen in zwei Versionen: düsterem Noir-Schwarz-Weiß oder in Farbe.
Mr. Huston, Comic-Verfilmungen boomen, jetzt kommt mit „Spider-Noir“ eine weitere als Serie. Lassen Sie mich provokant fragen: Hat die Welt tatsächlich noch einen neuen Superhelden gebraucht?
Spannende Frage. Gerade weil ich so viele Superhelden-Filme gesehen habe, hat mich dieses Projekt überrascht, etwas Vergleichbares habe ich noch nie gelesen. Spider-Man ist bei uns ein Anti-Held, das macht ihn so spannend. Die Geschichte gehört zwar zum Spider-Universum, aber mir war sie erstmal nicht bekannt. Als ich mich damit beschäftigt habe, habe ich nur gedacht: Das ist verrückt und brillant zugleich und wird das Publikum definitiv überraschen. Genau weil damit diese Frage beantwortet wird: Brauchen wir wirklich noch einen Superhelden? Meine Antwort darauf ist ganz klar: ja. Ein großes Ja.
Die Serie ist angesiedelt in einem düsteren New York der 1930er-Jahre. Zu sehen ist sie in Schwarz-Weiß und in Farbe. Ist das mehr ein stilistisches Experiment oder unabdingbar, um die Geschichte zu erzählen?
Die Schwarz-Weiß-Ästhetik ist essenziell für die Erzählung, weil sie perfekt zum klassischen Noir-Stil passt, mit wenig Licht und starkem Kontrast. Historisch gesehen geht das bis zum deutschen expressionistischen Kino zurück, aus dem Elemente des Film Noir entstanden sind. Gleichzeitig macht die Farbversion die Serie für ein breiteres Publikum zugänglich. Erst habe ich gedacht, Schwarz-Weiß würde mir besser gefallen, weil ich da Purist bin und mein Großvater John den Film Noir mitgeprägt hat. Das macht das Konzept so besonders: Es lädt ein, die Serie mehrmals zu schauen.
Schauspieler Jack Huston: „Entscheidend ist, die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen“
©APA-Images/Austin Hargrave/AUGUSTHaben Sie zur Vorbereitung auf die Rolle alte Film-Noir-Klassiker angesehen?
Ich bin mit Film Noir aufgewachsen, über mir wacht der Malteser Falke. Mein Vater hat mich als Kind viel davon ansehen lassen. Ich habe das Gefühl, mein ganzes Leben war eine Vorbereitung auf diese Rolle. Natürlich ist „Die Spur des Falken“ mein Lieblingsfilm, und mein größter Filmheld Humphrey Bogart. Auch Bösewichte wie Peter Lorre sind fantastisch.
Eine Frage, die sich aufdrängt, wenn wir von Spider-Man & Co sprechen: Welche Superkraft würden Sie gerne besitzen?
Teleportation. Ich habe eben vier Monate lang auf Teneriffa gedreht. Um am Sonntag zu Hause zu sein, musste ich 13 Stunden mit dem Flugzeug bewältigen. Wenn man Kinder und Familie hat und sie am Wochenende in den Arm nehmen möchte, ist das ganz schön anstrengend. Mit Teleportation ginge das deutlich schneller und ohne diese furchtbar langen Flüge.
Ein Filmstar zu sein, berühmt zu sein – ist das mit Superkräften vergleichbar?
Ich glaube nicht. Es kommt auch darauf an, wofür man bekannt ist. Ruhm allein ist für mich keine Superkraft. Viel wichtiger ist das Vertrauen in sich selbst und die eigenen Fähigkeiten. Es geht darum, sich auf die Dinge zu konzentrieren, von denen man weiß, dass man darin besonders stark ist, und diese bewusst auszubauen. Jeder Mensch hat Talente, die ihn einzigartig machen. Viele besitzen echte Superkräfte, ohne es überhaupt zu wissen.
Meisterhaft: „Spider-Noir“, die neue Serie mit Nicolas Cage als Spider-Man
©Courtesy of Prime/Amazon Content Services LLCNicolas Cage hat gesagt, seine Darstellung sei „zu 70 Prozent Humphrey Bogart und zu 30 Prozent Bugs Bunny“. Wie würden Sie Ihre Interpretation beschreiben?
Ich mag an meiner Rolle, dass er nach außen hin unbesiegbar erscheint, aber innen einen weichen Kern hat. Um eine Analogie zu finden: Mich erinnert er an „Léon, der Profi“, mit Jean Reno. Es steckt aber auch viel von mir in der Rolle. Lebenserfahrung hilft dabei.
Cage ist ein großer Comic-Fan. Sie auch?
Ehrlich gesagt bin ich nie wirklich in die Welt der Comics eingetaucht. Aber ich höre unglaublich gern Menschen wie Nicolas Cage zu, wenn sie mit großer Leidenschaft darüber sprechen. Ich selbst finde meinen Zugang eher über die Filme. Was ich an unserem Projekt mag, ist, dass es nichts Bekanntes kopiert. Es hatte eine eigene Identität. Auch die Figur Flint, also Sandman, wirkte für mich nie überzeichnet. Im Gegenteil – sie hatte etwas fast Menschliches.
Seine vielleicht beste Rolle: Jack Huston als Kriegsveteran Richard Harrow in der gefeierten Serie „Boardwalk Empire“
©mauritius images / Alamy Stock Photos / Archives du 7e Art/HBO, Photo 12/Alamy Stock Photos / Archives du 7e Art/HBO, Photo 12/mauritius imagesSie stammen aus einer Kino-Familie, Ihr Großvater war John Huston – war das für Sie eher Rückenwind oder Druck?
Ich bin ja in Großbritannien aufgewachsen. Dadurch war ich etwas entfernt vom Huston-Erbe. Aber wenn ich meinen Vater besucht habe, konnte ich stets in diese Welt eintauchen. Trotzdem ist alles ganz natürlich zu mir gekommen. Ich gehöre mittlerweile zur vierten Generation, gerade habe ich einen Film gemacht, in dem mein Sohn mitspielt. Inzwischen fühlt es sich an, als könnten wir gar nichts anderes tun. Das Filmemachen sitzt tief in unseren Herzen, als Familie verbindet uns große Leidenschaft dafür.
Der legendäre Al Pacino gilt als Ihr Mentor. Was haben Sie von ihm gelernt?
Ach, er ist großartig. Ich habe schon drei Filme mit ihm gemacht. Was ich mehr als alles andere an ihm mag, ist seine Begeisterung: Er ist immer noch wie ein Kind, wenn er über Filme spricht. Allein durch seine unglaubliche Energie und diese kindliche Faszination für das Kino inspiriert er einen. Das ist nie verschwunden, deshalb dreht er bis heute Filme.
Wie sehr kann man seine Karriere in Hollywood planen?
Vieles in Hollywood ist Timing und Glück – zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Gleichzeitig muss man aber auch mutig sein. Man darf auch nicht glauben, für jede Rolle perfekt geeignet zu sein. Entscheidend ist, die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen. Meine Stärke liegt darin, Figuren zu erschaffen – und nicht einfach mich selbst zu spielen. Eine gute Karriere ist eine, auf die man stolz zurückblicken kann. Mit Rollen, hinter denen man stehen und von denen man sagen kann: Ich habe alles gegeben. Für mich hat das nichts mit Ruhm oder Reichtum zu tun. Viel wichtiger ist der Stolz, seinen Weg gegangen zu sein und nichts dran ändern zu wollen.
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