Postkartenständer vor einem Souvenirshop mit Ansichten vom Wörthersee und Schloss Velden.
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Postkarte: Vom billigen Briefersatz zum weltweiten Kulturgut

Postkarten gibt es erst seit dem 19. Jahrhundert, ihre Entwicklung spiegelt viel Zeitgeist wider.

Nicht alles muss versiegelt werden und bedarf einer Geheimhaltungsstufe. Und nicht alles muss als umständlicher und teurer Brief verschickt werden. So könnte man die Überlegungen des österreichischen Nationalökonomen Emmanuel Hermann umschreiben.

Er gilt als „Vater der Postkarte“ – weil er sich 1869 in der Neuen Freien Presse für eine neuartige, kostengünstige Art der Korrespondenz eingesetzt hatte. Die Idee wurde vom zuständigen Ministerium tatsächlich umgesetzt und als „Correspondenzkarte“ mit aufgedrucktem halbem Briefporto (2 Kreuzer) sofort zum Bestseller: 1,4 Millionen Stück wurden schon im ersten Monat verkauft. Bis zum Jahresende waren es bereits drei Millionen. Die erste offizielle Correspondenzkarte der österreich-ungarischen Monarchie wurde am 1. Oktober 1869 von Perg nach Kirchberg in Oberösterreich verschickt. Sie gilt als erste Postkarte der Welt und wird heute im Kommunikationsmuseum Berlin aufbewahrt. Emanuel Herrmann hätte sich übrigens lieber den Namen „Postkarte“ gewünscht, doch das kaiserliche Post- und Telegrafenamt entschied sich für „Correspondenzkarte“.

Schon zuvor hatten teils private Postunternehmer etwa in Preußen und den USA unverschlossene Mitteilungen befördert. Möglich war dies durch die Erfindung der Briefmarke 1840 in Großbritannien geworden. Befeuert wurde die Verbreitung des neuen Mediums ebenfalls durch die zunehmende Mobilität, vor allem durch die Eisenbahn.

Massenphänomen

Die Correspondenzkarte blieb jedenfalls ein Erfolg als Massendrucksorte. Und sie wurde hier und auch in anderen Ländern schnell zum Massenphänomen, mit einem ersten Höhepunkt um 1900. Rasch entstanden zahlreiche Motive – Malereien, Aufdrucke und Fotografien etwa begründeten die Ansichtskarte.

Dadurch veränderte sich mit der Zeit auch die Platzaufteilung: Die Vorderseite blieb ab 1905 für Darstellungen reserviert, die Rückseite wurde geteilt – eine Hälfte für die Adresse, die andere für Textmitteilungen.

Eine wahre Postkartenflut brachten der Erste und Zweite Weltkrieg mit sich. In Form von Feldpostkarten konnten die Soldaten kostenlos Post nach Hause schicken. Sie blieben oft in vielen Familien das letzte Lebenszeichen ihres Angehörigen. Und sie wurden von der Regierung als Propagandainstrument genutzt. In der Nachkriegszeit entstand schließlich die uns bekannte Tradition der postalischen Urlaubsgrüße – und hielt sich, bis sie von den digitalen Medien abgelöst wurde. Und auch wenn heute weitaus weniger verschickt werden, ausgestorben ist die Postkarte noch lange nicht.

Ingrid Teufl

Über Ingrid Teufl

Redakteurin im Ressort Lebensart. Gesundheit, Wellness, Lifestyle, Genuss. Seit 1997 beim KURIER, Studium Geschichte/Publizistik, Germanistik, Politikwissenschaften [Mag.phil.] Mag Menschen, Landschaften und Dinge, die gut tun, gut schmecken, gut riechen, neu sind.....und darüber schreiben.

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