Unhinged auf Netflix. Wenn der interaktive Horrorfilm anruft
Netflix macht das Smartphone zum Instrument des Horrors: In „Unhinged“ wird das Publikum Teil der Handlung. Warum der Streamingdienst mit dem interaktiven Thriller einen neuen Anlauf wagt.
Nach einem Sturm fällt der Strom aus. Ava sitzt in einem Apartmenthaus fest. Irgendwo draußen wartet ihre beste Freundin Claire, die sie retten will. Doch im stockfinsteren Stiegenhaus lauert der Hausmeister. Jeder Gang könnte der falsche sein, hinter jeder Tür wartet eine böse Überraschung. Dann klingelt plötzlich das Handy. Nicht nur das von Ava. Auch das eigene.
Mit „Unhinged“ verwischt Netflix die Grenzen zwischen Horrorfilm, Thriller und Videospiel.
Das Smartphone wird zum Controller, zur Taschenlampe und sogar zum Telefon der Hauptfigur. Wenn Claire Hilfe braucht, landet ihr Anruf tatsächlich auf dem Display der Zuschauer.
Wie aus dem düsteren Videospiel
Man schaut Ava, gespielt von Zoë Kravitz, nicht mehr bloß beim Überleben zu. Man wird für einen Moment selbst zu ihr. Optisch erinnert das Ganze an düstere Videospiel-Klassiker wie „Silent Hill“: lange, finstere Korridore, flackerndes Licht, permanente Anspannung.
Interaktiv ist bei Netflix eigentlich nichts Neues. Schon 2018 sorgte die „Black Mirror“-Episode „Bandersnatch“ für Aufsehen: Statt einer linearen Handlung entschied das Publikum per Klick, wie die Geschichte weitergeht. Später durfte man auch Überlebenskünstler Bear Grylls auf seinen Expeditionen dirigieren oder Kimmy Schmidt in ihrem herrlich schrägen Duell mit dem komischen Reverend unter die Arme greifen.
Kimmy Schmidt, die von einem dubiosen Reverend in einen Bunker gesperrt worden war, war ein interaktiver Vorläufer auf Netflix
©Courtesy of NetflixDoch der große Durchbruch blieb aus. Netflix zog den Stecker, die meisten interaktiven Filme verschwanden im Vorjahr aus dem Angebot – offiziell wegen der neuen Benutzeroberfläche. Aufgegeben hat der Streamingdienst die Idee aber nicht. Im Gegenteil: Mit Unhinged geht Netflix den nächsten Schritt. Diesmal entscheidet man nicht bloß über die Handlung – man steckt mittendrin.
Horror liegt im Trend
Der Zeitpunkt dafür ist gut gewählt. Horror erlebt derzeit eine Renaissance. Filme wie „Oddity“ oder die viralen, von YouTubern erdachten Hits „Backrooms“ oder „Obsession“ zeigen, dass das Publikum wieder Lust auf Gänsehaut hat.
Hollywood und Games nähern sich ohnehin seit Jahren an. Videospiele erzählen längst Geschichten wie Kinofilme, während Blockbuster zunehmend auf erfolgreiche Games zurückgreifen. Mit „Unhinged “ verschwimmen nun sogar die Grenzen zwischen beiden Medien.
Das steckt hinter Unhinged
Bei „Unhinged“ wurde nicht gekleckert, sondern geklotzt: Und das ist kein Zufall „Filme wie Stirb langsam oder Panic Room haben uns stark inspiriert – Filme, die direkt von Anfang an loslegen. Genau das wollten wir erreichen“, sagte Sam Warner, der Game Director beim verantwortlichen Night School Studio über die Entwicklung zu Deadline. Für Warner ist das Experiment aber erst der Anfang. Schon jetzt nutzt „Unhinged“ Funktionen wie das Mikrofon des Smartphones. „Was wäre, wenn wir andere Funktionen nutzen würden, die nur ein Smartphone bietet und die sonst niemand verwendet?“
Die Zukunft bleibt spannend.
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