Miguel Herz-Kestranek lebt mit Büchern in einer „Freunde-WG“
Der Autor und Schauspieler reist mit Büchern zwischen Wien und dem Wolfgangsee hin und her. Warum er kaum Romane liest und wovon er sich nie trennen würde.
Als Autor und Herausgeber von bisher 15 Büchern ist der „Vielseitigkeitskünstler“ (Kulturzeitschrift morgen) Miguel Herz-Kestranek ohnehin ein Büchermensch. Allerdings: „Ich lese so viel Periodisches zur Zeitgeschichte, dass die Bücher manchmal zu kurz kommen. Und wenn, lese ich immer mindestens vier nebeneinander. Deshalb liegen auch überall kleine Bücherstöße.“ In St. Gilgen am Wolfgangsee, wo er oft das halbe Jahr lebt, warten andere Bücher als in Wien. „Deshalb fahre ich oft mit einem halben Koffer voll hin und her.“
Sie um sich zu haben, hat für ihn eine ganz eigene Qualität: „Mit Büchern leben ist für mich wie eine Beste-Freunde-WG ohne Streit.“ Daher ist es ihm fast unmöglich, sich von Büchern zu trennen. „Trotzdem hat es einmal sein müssen, weil die Wohnung schon übergegangen ist, und damals habe ich einen halben VW-Bus voll hergeschenkt.“ Nie trennen könnte er sich von den 74 gebundenen Bänden der Neuen Freien Presse von 1914 bis 1924 oder von seinen Altenberg- und Polgar-Erstausgaben.
„Früher hat mich die Arbeit vom Lesen abgehalten“, sagt Herz-Kestranek, der seine Tätigkeit als Schauspieler in Theater, Musical, Film und Fernsehen an den Nagel gehängt hat. „Seitdem ich nicht mehr arbeite, Reisen, Sport und Müßiggang.“
Darum liest Miguel Herz-Kestranek kaum Romane
Auch wenn man es aufgrund seiner Tätigkeit vermuten könnte: „Romane lese ich kaum, mit erfundenen Schicksalen hatte ich als Schauspieler und Autor genug zu tun.“ Stattdessen interessieren ihn vor allem Biografien, Zeitgeschichte, Psychologie, Politik und Religion. Ganz ohne Belletristik geht es dann aber doch nicht: „Trotzdem ist Torbergs Der Schüler Gerber eines meiner Lebensbücher.“
Gerade liest er etwa Mit Ignoranten sprechen: Wer nur argumentiert, verliert von Peter Modler. Er analysiert das Vorgehen der Ignoranten und entwickelt Gegenstrategien. Ebenfalls dabei: Ulrich Menzels Die Ordnung der Welt. Sie ist eines der großen Probleme, mit denen Staaten konfrontiert werden.
Ebenfalls liest Herz-Kestranek das von Klaus Bittermann und Christoph Hesse herausgegebene Buch: Umkämpfte Geschichte. Einsprüche gegen die Umdeutung des 7. Oktober. Und sein „Immer-wieder-Buch“ ist Zivilisierte Verachtung: Eine Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit des Psychologen und Philosophen Carlo Strenger. Dieser plädiert dafür, dass nichts und niemand gegen wohlbegründete Kritik gefeit sein darf: Denn wenn andere Kulturen nicht kritisiert werden dürfen, könne man die eigene nicht verteidigen.
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