Katzen: Die schicken Stars von Politik, Mode und Film
Ein Kater regiert ein Pariser Luxushotel, andere die Flure der Macht. Katzen prägen seit Jahrtausenden Stil, Politik und Kultur. Eine Bildband zeigt großartige Tiere und große Egos.
Schnell die Koffer abstellen, kurz frisch machen und dann hinein ins Pariser Leben? Könnte klappen. Oder auch nicht. Zumindest dann nicht, wenn sich Socrate just in diesem Moment entscheidet, es sich auf den eben abgestellten Koffern in der Lobby gemütlich zu machen.
Ganz abwegig ist das nicht. Denn Socrate hält Hof – und zwar im legendären Hotel Le Bristol in Paris. Hier ist der Birmakater zu Hause. Und er zeigt das auch. Mit einer Selbstverständlichkeit, die keinen Zweifel lässt, wem dieses Haus eigentlich gehört. Es kann also gut sein, dass der Start in die Stadterkundung ein wenig länger dauert als geplant.
Schon der Kater-Vater war königlich
Socrate ist schließlich kein gewöhnlicher Hotelbewohner. Seine Geburt wurde einst mit einer hochoffiziellen Aussendung verkündet – fast so, als handle es sich um aristokratischen Nachwuchs: „Nach der Geburt seines Sohnes Socrate am 15. Juni 2021 wird Fa-raon, der seit elf Jahren im Le Bristol ansässige Birmakater, in den Ruhestand gehen und Socrate seine Nachfolge im Palace Hotel antreten.“
Erstklassiger Service für Katzen im Le Bristol Paris. Der Hauskater Socrate kapert einen Gepäckwagen.
©franck jueryFa-raon, benannt nach den altägyptischen Pharaonen, trug seinen königlichen Titel natürlich völlig zu Recht. Und auch sein Sohn scheint zu wissen, dass nicht wenige Menschen Katzen allzu gerne huldigen. Die Faszination für die Tiere reicht immerhin Jahrtausende zurück.
Der Bildband „Chic Cats“ (Assouline) zeigt, wie sehr Katzen die bildende Kunst, Mode, Film und Design – ob als Musen, Symbole des Mysteriösen oder einfach knuffige Motive – beeinflusst haben.
Und das kann Star-Allüren verursachen: „Der eigentliche Einwand gegen die große Mehrheit der Katzen ist ihre unerträgliche Überheblichkeit. Katzen als Spezies haben die Hochnäsigkeit, die darauf zurückzuführen ist, dass sie im alten Ägypten als Götter verehrt wurden, nie ganz überwunden“, schrieb schon der britische Humorist und Autor P.G. Wodehouse.
Viele Premiers überlebt
Und seither umweht sie ein zarter Hauch von Macht. Hundemenschen lesen jetzt bitte tapfer weiter oder kurz weg. Es wird schon seine Gründe haben, warum Katzen im Umfeld der hohen Politik nicht nur präsenter, sondern oft auch beliebter sind als Hunde. Sie wissen sich meist auch besser zu benehmen. Man denke nur an Commander, den Schäferhund von Joe Biden, der im Weißen Haus gleich mehrere Mitarbeiter gebissen haben soll. Katzen sind subtiler.
Bestes Beispiel: Kater Larry aus der Downing Street No. 10. Wenn sich schon die englischen Premierminister nicht an lange Amtszeiten halten, sorgt er wenigstens für Konstanz. Seit 15 Jahren ist er „Chief Mouser to the Cabinet Office“. In seinem für Kater fast biblischen Alter von 19 Jahren hat Larry bereits sechs Premierminister kommen und gehen sehen. Regierungen stürzten, Mehrheiten bröselten – Larry blieb. Selbst seinen größten Rivalen, den Kater Palmerston aus dem Außenministerium, hat er überlebt.
Kater Larry bewacht die Tür der Downing Street 10.
©REUTERS/Toby ShepheardDie dunkle Seite der Macht hatte bei James Bond flauschiges, weißes Fell. Blofelds legendäre Perserkatze war nämlich schon da, bevor man das Gesicht des Superschurken überhaupt zu sehen bekam. In „Liebesgrüße aus Moskau“ und „Feuerball“ thronte sie genüsslich auf seinem Schoß, während die Kamera nur seine Hände zeigte, die das Tier seelenruhig streichelten.
Die weiße Eminenz der Modewelt, Karl Lagerfeld, machte aus seiner Liebe kein Geheimnis: „Ich hätte nie gedacht, dass ich mich jemals so verlieben könnte“, schwärmte er und überschüttete Choupette mit Luxus und allen erdenklichen Annehmlichkeiten. Teures Geschmeide um den Hals, Futter aus feinstem Porzellan, das kommt tatsächlich vor. Nur: Dem Tier ist das herzlich egal. Glamour hin oder her. Hauptsache, es hat dann auch wieder einmal seine heilige Ruhe.
Menschen im Katzen-Look
Dass Katzen-Glamour womöglich Zweibeinern besser steht, hat Catwoman bei Batman längst bewiesen. Bei der Met Gala 2023 legte dann Rapperin – wie könnte es anders sein – Doja Cat nach: Mit Unterstützung von Oscar de la Renta erschien sie als wandelnde Choupette-Hommage. Und auch die heutige EU-Abgeordnete Elena Koudoura zeigte schon vor 30 Jahren, damals noch als Model, wie geschmeidig ein Katzenauftritt sein kann.
Ein Irrglaube hält sich bis heute hartnäckig: Große Katzen seien einfach noch stylischer als kleine. Schon bei alten Herrscherhäusern dachte man, dass Macht am besten auf vier Pfoten daherkommt: je größer, desto eindrucksvoller. Im Swinging London der Sechziger wurde daraus dann ein Lifestyle-Statement. Damen spazierten mit Geparden an der Leine durch die Straßen, gingen mit ihnen ins Restaurant oder ließen sich lässig fürs Foto ablichten. Großkatze passend zur Handtasche: Gar nicht groovy, Baby!
Musste das sein? Ein Tisch für zwei in einer Ausgabe der Vogue, 1960. Die Frau trägt einen Federhut von Lilly Daché, während der Gepard einen Esslatz zum Schutz des gefleckten Fells trägt.
©Conde Nast via Getty Images/Joseph Leombruno/Conde Nast/Getty ImagesAuch Hollywood spielte begeistert mit. Tippi Hedren, einst Diva der Traumfabrik, hielt zeitweise gleich mehrere Dutzend Raubkatzen. Einer von ihnen, der Sibirische Tiger Gregory, sprang im Beisein eines Reporters kurzerhand durchs Küchenfenster auf die Anrichte, fraß aus einem Teller – und forderte vom überforderten TV-Mann per sanftem Kopfstoß Streicheleinheiten ein. Ganz so harmlos war das Abenteuer Großkatze allerdings nicht immer. Hedrens Tochter Melanie Griffith wurde später von einem Löwen angefallen und verletzt.
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