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freizeit Wohnen & Design
12/17/2019

200 Jahre Thonet: Wasserdampf sei Dank

Gebogenes Holz und Stühle ohne Hinterbeine: Die Geschichte des Möbelherstellers Thonet beginnt im Wiener Kaffeehaus.

von Julia Beirer

Eine Idee, 50 Millionen verkaufte Modelle und 200 Jahre später hat es sich immer noch nicht ausgedampft. Im Gegenteil. Der gebogene Holzsessel – besser bekannt unter dem Namen „Wiener Kaffeehausstuhl“ – ist weit verbreitet.

„Das Design hat es geschafft, 160 Jahre zu überdauern und zum Symbol der Wiener Kaffeehauskultur zu werden“, sagt Norbert Ruf, Creative Director bei Thonet.

Die Existenz des Stuhls ist dem unermüdlichen Ehrgeiz Michael Thonets zu verdanken. Er tüftelte elf Jahre lang, bis der mit Wasserdampf und Druck gebogenen Holzstuhl perfekt war.

Aller Anfang ist schwer

Begonnen hat alles im Jahr 1819. Damals gründete Michael Thonet in Boppard am Rhein seine Werkstatt. Sein Ziel: Ein Bugverfahren für Holzrahmen zu entwickeln, das neue Möbelformen ermöglicht.

Thonets Lösung: Das Holz wird im Dampfofen erhitzt, dadurch wird es flexibel und kann gebogen werden. Über Nacht trocknet es und bleibt in seiner Form.

Ab nach Wien

Die hölzerne Revolution war damit eingeleitet und Michael Thonet zog mit seiner Familie nach Wien. Den Durchbruch schaffte er 1859 mit dem bereits erwähnten Stuhl „Nr. 14“ (Bild unten) .

Der Name hat sich zu „214“ geändert, der Aufbau blieb aber derselbe: sechs Teile, zehn Schrauben und zwei Muttern. Die günstige Herstellung sorgte für einen leistbaren Preis, wodurch sich die Kaffeehäuser schnell mit dem im Volksmund bekannten „Drei Gulden-Stuhl“ füllten.

Im Laufe der Jahre folgten weitere Designs und sieben Produktionsstätten in ganz Europa. Die letzte in Hessen ist heute Hauptsitz der Firma.

Bauhaus und Thonet

100 Jahre nachdem Michael Thonet die ersten gebogenen Holzstühle herstellte, tüftelten seine Enkel  an einem ganz anderen Material: dem Stahlrohr.

In den 1930ern arbeiteten sie mit Bauhaus-Designern  wie Mart Stam und Ludwig Mies van der Rohe. Sie entwickelten  unter anderem den Freischwinger  (Bild oben re.) nach dem Prinzip der „neuen Sachlichkeit“  und „zählten zu den größten Stahlrohrproduzenten Europas“, weiß Ruf.

Kurze Zeit später wurden im Zweiten Weltkrieg alle Produktionsstätten zerstört. Georg Thonet, Urenkel von Michael Thonet, baute das Werk in Hessen wieder auf.

Bis heute ist Thonet in Familienbesitz, die Zusammenarbeit mit namhaften Designern wie Stefan Diez und Sebastian Herkner steht im Vordergrund. Zum Jubiläum werden neue und neu aufgelegte Designs präsentiert. Darunter auch der Kaffeehausstuhl.

„Studio Besau Marguerre hat das Wesen des Stuhls subtil und feinfühlig herausgearbeitet und in die Gegenwart transportiert“, sagt Ruf. Gebogen wurde das Holz aber traditionell – dem Wasserdampf sei Dank.

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