Charlize Theron als Furiosa in "Mad Max: Fury Road".

© Warner Bros

freizeit
04/22/2021

Simpsons bis Rave: Wie Mad Max die Popkultur beeinflusst

"Furiosa" bekommt einen eigenen Film. Die anderen wirken nach. In Musikvideos oder im Disney-Film "Vaiana".

von Daniel Voglhuber

Bald soll die Klappe zu "Furiosa" fallen. Es wird der teuerste Film Australiens und die Vorgeschichte zu "Mad Max: Fury Road", einem der bestbewerteten Filme des 21. Jahrhunderts. Darin krachte Charlize Theron an der Seite von Tom Hardy und begleitet von Explosionen, Mord und Totschlag auf rauchenden Gefährten durch die postapokalyptische Landschaft. Die beiden Stars sollen zwar nicht dabei sein, dafür "Thor" Chris Hemsworth und "Damengambit"-Star Anya Taylor-Joy. 

Wie schon seine Vorgänger aus der "Mad Max"-Reihe" wird "Furiosa" für volle Kassen sorgen. Und für viele Zitate. Die Filme haben so viele Spuren in der Popkultur hinterlassen, dass es zu den Referenzen sogar eine eigene Wikipedia-Seite gibt.

Die Zitierkönige der "Simpsons" haben mehrfach "Mad Max" verarbeitet, gleich 13-mal, wie die australische Film-Seite ACMI zusammengezählt hat. Begonnen hat es im Jahr 1996, als die Familie Simpson noch lustig, gut und relevant war, mit der Folge "Bart in Australien". Hier müssen die Figuren aus Springfield vor einer wütenden Endzeit-Meute in Down Under flüchten. 2019 kam die Wüstenwelt des Films und ihre gefährlichen Eigenheiten bisher zum letzten Mal vor. 

Die böse Konkurrenz der Simpsons, South Park, nimmt sich Mad Max auch immer mal wieder vor. So rast etwa ein wütender Mel Gibson den Buben Kenny und Stan mit einem Tanklaster nach, weil sie ihm 18 Dollar schulden.

Auch wo man es gar nicht erwarten würde, in einer schön-tropischen Landschaft mit knuffigen Menschen, tauchen Mad-Max-Referenzen auf. So gibt es welche auch im fröhlichen Disney-Film "Vaiana", wie ACMI weiß. Ja, in dem harmlos-bunten Familien-Hit geht es auch schon etwas wilder zu. 

Kokosnüsse als Warboys

"Das war ein kleines Fury Road", sagte einmal John Musker, der den Film gemeinsam mit Ron Clements geschrieben und gedreht hat. "Das war unsere kleine Hommage an Mad-Max-Regisseur George Miller. Was er gemacht hat, haben wir auch gemacht, nur mit Kokosnüssen." Clements ergänzte: "Kokosnüsse statt der Warboys." Wie Mad Max muss die Protagonistin Vaiana vor Bösewichten fliehen. Statt der grimmigen Warboys mit weißen Gesichtern sind es aber kampflustige und angemalte Kokosnüsse.  

Der Gangster-Rapper und die schlimme Umgebung: das passt wirklich perfekt. Das hat sich wohl 2Pac auch gedacht. Das Video zu seinem Hit "California Love" (mit Dr. Dre) spielt in einem Setting, das frappant an "Mad Max - Jenseits der Donnerkuppel" erinnert. Die Protagonisten sehen auch nicht aus, als wäre gut man mit ihnen Kirschen essen. Wie heißt es im Song so passend? "Now let me welcome everybody to the Wild Wild West."

Auch die Videos zu Duran Durans "Wild Boys", zu Beyonces "Run the World (Girls)" oder Billy Idols "Dancing with myself" sehen aus, als wären sie Fortsetzungen der Endzeit-Streifen.

Die Donnerkuppel (oder auf Englisch "Thunderdome") hat überhaupt viele Spuren hinterlassen. Viele Eltern der 1990er hätten sich hierzulande wohl gewünscht, es wären ein bisschen  weniger gewesen. Etwa wenn Klänge der Thunderdome-CDs aus dem Kinderzimmer schallten. Die bewarben die gleichnamigen Groß-Raves in Holland. Die CDs waren voller gruseliger Cover wie Chucky, der Mörderpuppe, Giftschlangen oder Horror-Clowns. Die Hallen wiederum waren voll von durchaus schaurigem Hardcore-Techno und Gabber.

Wieder voll in

Die Musik zog damals auch ungute Menschen an, in der Öffentlichkeit wurde sie mit Rassismus und Hooligantum in Verbindung gebracht (was teilweise stimmte, teilweise aber auch nicht). Die CDs gibt es nicht mehr, die Party schon noch (außer es ist Corona). Und Gabber hat mittlerweile sein Schmuddelimage verloren und feiert harte Urständ'. Seit einiger Zeit scheut man etwa auch in den schummrigen Techno-Läden Berlins nicht davor zurück, ab und zu Gabber-Tracks in ein knackiges DJ-Set einzustreuen (außer es ist Corona).

Ob Euro Dance wieder rehabilitiert ist, das darf bezweifelt werden. Ein Projekt hat aber um die Jahrtausendwende auch bei der Namensgebung auf den Mad-Max-Teil mit der Donnerkuppel zuückgegriffen: Master Blaster.

Wir erinnern uns, hier gibt es einen kleinwüchsigen, sehr intelligenten Master, der für die Energiegewinnung einer Siedlung durch aus Schweinekot gewonnenem Methan verantwortlich ist. Dieser arbeitet mit dem brutalen, aber geistig-minderbemittelten Hünen Blaster (der ein sehr trauriges Ende findet) als Einheit zusammen. Auch wenn das Film-Duo als brutal erscheinen mag, das Dance-Projekt Master Blaster ist brutaler, viel brutaler.

Musik und Mad Max gehen ohnehin Hand in Hand. Der holländische DJ und Produzent Junkie XL (der mit dem Elvis-Remix von "A Little Less Conversation") hat etwa den Soundtrack zu "Fury Road" gebastelt. Und was wäre die Donnerkuppel ohne Tina Turner als Mel Gibsons WIdersacherin Aunty Entity. Sie hat  mit "We Don`t Need Another Hero" auch gleich den Musik-Hit dazu geliefert.

Auch Festivals nehmen sich Anleihen. Das staubige Burning Man in der Wüste Nevadas ist wohl ein bisschen so etwas wie der friedliche Gegenentwurf zur dystopischen Welt. Auf jeden Fall sind dort neben Fußgängern und Fahrrädern nur kunstvoll gestaltete Autos zugelassen, die an fahrbare Untersätze aus den Filmen erinnern.

Wie im Film

Nach außen hin weniger lieblich geht es beim Wasteland-Festival in Kalifornien zu, wo das ganze Gelände und die Besucher aussehen wie der Leinwand entsprungen.

Staub fehlt hingegen bei "Waterworld". Der Film aus dem Jahr 1995 bräuchte sein Vorbild gar nicht zu nennen - wiewohl die Drehbuchautoren das ohnehin getan haben. Der Film ist quasi "Mad Max" - nur auf einem wegen des Klimawandels fast vollständig von Meer bedecktem Setting. 1995 war der von Kevin Costner mitproduzierte Streifen mit 170 Millionen Dollar der teuerste Film aller Zeiten.

Die Kosten spielte er an den Kassen nicht ein. Zu unrecht, weil eigentlich ist er ganz unterhaltsam. Es tut sich fast immer was, fad wird einem nie. Und das kommt einem bekannt vor. Das klingt wie "Fury Road".

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