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freizeit
04/20/2019

Die Salzlüge: Was ist dran am Himalayasalz?

Unglaublich: Die Preisunterschiede liegen bei bis zu 16.000 Prozent. Lohnt es sich für Himalayasalz und Co. mehr auszugeben?

von Eva Gogala

"Knusprige Textur und das feine Meersalzaroma. Von Starköchen und Gourmets weltweit gepriesen.“ So wird das in Maldon in Essex gewonnene Meersalz beschrieben. Das hochgelobte Produkt hat seinen Preis. Für ein Kilo davon muss man 125 Euro hinlegen. Vergleichsweise  günstiger ist das als „Hingucker auf dem Esstisch“ beworbene, handgeschöpfte Fleur de Sel aus Portugal um knapp 22 Euro pro Kilo. Für Kalahari Wüstensalz muss der Feinschmecker 33 Euro bezahlen. Am anderen Ende der Preisskala: Bad Ischler Tafelsalz jodiert gibt es um 78 Cent. Ebenfalls pro Kilo.

160-mal so teuer

Meersalz, das 160-mal so viel kostet wie das ganz normale Tafelsalz muss also um ein Vielfaches qualitätvoller sein. Und gesünder. Tatsächlich? Oder ist das alles nur eine einzige große Salzlüge?

Ernährungswissenschaftlerin Marlies Gruber schafft Klarheit. „Handelsübliches MeersalzHimalaya-Salz und Fleur de Sel bestehen genauso wie normales Speisesalz zu etwa 98 Prozent aus Natriumchlorid.“ Und die restlichen zwei Prozent, machen die den Unterschied? Zumindest optisch. Schwarzes Hawaii-Salz wird mit Kohle gefärbt und die rosa Farbe des Himalaya-Salzes stammt von Eisen-Ionen. Und die übrigen Mineralstoffe wie Kalzium oder Magnesium sind nur in so geringer Menge vorhanden, dass sie den Bedarf bei Weitem nicht decken können.
Himalayasalz ist also keineswegs gesünder als andere Salze.

Salzexplosion am Gaumen

„Ob man Steinsalz, Meersalz oder das Salz aus österreichischen Salinen verwendet, ist für die Gesundheit einerlei“, sagt die  Ernährungswissenschaftlerin. Einziger Vorzug ist die Sensorik der „Salzblumen“ und der groben Kristalle. „Wenn man diese oder die Flocken des Fleur de Sel erst ganz zum Schluss einer Speise beigibt, lassen sich am Gaumen kleine ,Salzexplosionen’ erzielen.“ Gutes Marketing also, mit dem die hohen Preise erklärt werden sollen, aber nicht viel dahinter.

Worauf es tatsächlich  ankommt, ist die Jodierung. Jod ist eines der Spurenelemente, das für den Stoffwechsel wichtig ist, mit  dem wir mit unserer Nahrung nicht ausreichend versorgt werden. Es ist zwar in Seefischen und anderen Meerestieren enthalten doch auch viel davon zu essen, genügt nicht. Deshalb wird dem Speisesalz seit den 1960er-Jahren Jod zugesetzt. Die meisten teuren Meer- und Himalayasalze sind nicht jodiert.

Die Menge macht's

Salz ist lebenswichtig. Natrium und Chlorid sind zwei Elektrolyte, ohne die der Flüssigkeitshaushalt in den Zellen nicht ausgeglichen wäre. Nervensignale und Muskelbewegungen könnten nicht funktionieren. Gemeinsam mit Kalium reguliert NaCl auch den Blutdruck. Deshalb muss nach übermäßigem Schwitzen oder bei Durchfallerkrankungen Salz zugeführt werden.
 

Allerdings kommt es auf die Menge an. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt gesunden Menschen, nicht mehr als sechs Gramm Salz pro Tag zu sich zu nehmen, etwa einen Teelöffel voll, die WHO fünf Gramm. „Das bezieht sich auf die Gesamtmenge“, stellt Marlies Gruber klar. Rund 80 Prozent des Salzes nehmen wir über verarbeitete Produkte auf – Brot, Fleisch- und Wurstwaren, Milchprodukte und Käse.

Salzbomben

Fertiggerichte wie Tiefkühlpizza, Salzgurken oder Knabbergebäck sind echte Salzbomben – der Salzbedarf eines ganzen Tages ist mit einer TK-Pizza bereits gedeckt. Die Gefahr, zu wenig Salz zu konsumieren,  ist also ziemlich gering. Verwendet man grobe Körner, wie sie etwa bei Meersalz angeboten werden, so steigt der Konsum deutlich an, weil man zur Überdosierung neigt. „Untersuchungen haben das bestätigt“, sagt Ernährungsexpertin Marlies Gruber.
Und sie hat Tipps, wie man  zu viel Salz vermeidet: „Wen man Speisen mit Kräutern und Gewürzen kreativ abschmeckt, lässt sich der Gaumen schrittweise auf geringere Salzdosen trainieren.“

Welches Salz kommt woher?

Meersalz: Meerwasser im Atlantik und im Mittelmeer wird in künstlich angelegten Becken aufgefangen. Das Wasser verdampft durch Sonne und Wind. Das Salz bleibt.
Fleur de Sel: An windstillen Tagen wird in den Salzbecken am Meer in Handarbeit die dünne Schicht feiner Salzkristalle mit einer Holzkelle abgeschöpft.
Steinsalz/Himalayasalz: Ist vor Jahrmillionen entstandenes Meersalz.
Siedesalz/Tafelsalz: Das heimische Salz wird im Nassabbau mit Süßwasser aus dem Gestein gelöst. Dabei entsteht  Sole (Salzlösung). 

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