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Sexualität
06/13/2014

Was Frauen wirklich wollen

Warum Monogamie Frauen nicht so gut tut, wie sie glauben, wie ihre Lust funktioniert und warum Kopf und Körper manchmal nicht dasselbe wollen. Ein Buch räumt auf mit Vorurteilen.

von Eva Gogala

Guter Sex ist nur in einer guten Beziehung möglich? Stimmt nicht. Je länger eine Frau in einer vertrauten Beziehung mit demselben Partner lebt, in der sie sich geborgen fühlt, desto besser klappt es im Bett? Muss nicht sein. Frauen leben am liebsten monogam, Männer sind allzeit bereit für einen Seitensprung? Keine Spur. Männer sind die treibende Kraft beim Sex, Frauen verhalten sich passiv? So ein Blödsinn. Alles, was wir schon immer über Sex zu wissen glaubten, wird über den Haufen geworfen. Zumindest, wenn man Daniel Bergner und seinem Forschungsbericht über „Die versteckte Lust der Frauen“ Glauben schenkt.
Leider ist es nämlich so, dass das Hirn die Frauen oft austrickst, was Sex betrifft. Verstand versus Vagina sozusagen. Den Beweis lieferte eine Versuchsreihe, bei denen Frauen unterschiedliche Szenen vorgespielt wurden. Frauen mit Männern, Frauen mit sich allein, Männer mit Männern. Sie sollten angeben, wie erregend das für sie sei. Gleichzeitig wurde ihre vaginale Durchblutung gemessen. Das Ergebnis: Die Selbsteinschätzung der Frauen sagte etwas ganz anderes als ihr Körper. Die Messung zeigte etwa, dass ein nackter, gut gebauter Mann, der entspannt über einen Strand spazierte, die Frauen im Vergleich zu kopulierenden Zwergschimpansen relativ kalt ließ. Bei Männern hingegen stimmten Mess-ergebnisse und Selbstwahrnehmung weitgehend überein. Zudem zeigten sich die Frauen als sexuelle „Allesfresser“. Sie reagierten unabhängig von der eigenen Orientierung auf Heterosex, Homoerotik, Masturbation oder Gruppensex. Männer waren da simpler gestrickt: Schwule reagierten auf Pornos von Homo-Sex, Heteros ließ das eher kalt.

Wie die Tiere

Die Lust der Frauen ist animalisch. Und sie entspricht nicht dem weitverbreiteten Stereotyp: Mann – geil, Frau – keusch. Daniel Bergner riskierte einen Blick auf Affen und Ratten und ortete dort Parallelen. So ist es fast ausschließlich das Rhesusaffenweibchen, das dem Männchen nachstellt, es streichelt und nachdrücklich zum Sex auffordert. Rattenweibchen trachten danach, die sexuelle Begegnung so lang wie möglich auszudehnen – aus Spaß an der Freud’. Frauen sind gieriger auf Sex. Abzuwarten, bis der Mann die Initiative ergreift, entspricht nicht ihrer Natur. Und Monogamie ist zwar das, was sich fast alle Frauen angeblich wünschen. Aber sie tut ihnen nicht gut. Weil Monogamie den Sex nicht verbessert. Schon gar nicht für die Frauen, meint Daniel Bergner und rückt das Bild vom alten Ehepaar, das nach gemeinsamen Jahrzehnten glücklich und zufrieden nebeneinander händchenhaltend auf dem Bankerl in der Sonne sitzt, ins rechte Licht. Je länger ein Mann und eine Frau zusammenleben, desto mehr schwindet die Lust.

Das hat auch etwas mit Narzissmus zu tun. Die Lust einer Frau wächst, wenn sie merkt, wie begehrenswert sie für einen Mann ist und wie er auf sie reagiert. In einer langjährigen, monogamen Beziehung fühlen Frauen sich oft nicht um ihrer selbst willen begehrt – der zur Monogamie verdonnerte Partner könne keine Wahl treffen und sich nicht aus Lust für seine Frau entscheiden. Das turnt ab.

Abwechslung als Abhilfe

Auch wenn die Partner einander gut verstehen, geht das nicht automatisch mit gutem Sex einher. Es stimmt zwar, dass eine schlechte Beziehung die Lust töten kann. Aber Kuscheln und Harmonie sind nicht unbedingt ein Lustgarant. Oft ist das Gegenteil der Fall. Im Laufe einer Partnerschaft geht das Kribbeln verloren. Der Partner, den man sehr gern hat, ist sexuell nicht mehr anziehend. Nachsichtige Zärtlichkeit statt unbändigem Begehren. Und das hat nicht nur damit zu tun, dass das Paar miteinander alt wird und sich auch der Hormonhaushalt verändert.


Abwechslung schafft Abhilfe. Die australische Psychiaterin Lorraine Dennerstein ist überzeugt, dass es nicht nur auf die Hormone ankommt. „Die sexuellen Gefühle im Zuge einer neuen Beziehung können die hormonellen Faktoren mit Leichtigkeit außer Kraft setzen.“ Mehr Libido durch weniger Langeweile.

Flüchtiges Begehren

Der deutsche Evolutions-. psychologe Dietrich Klusmann hat den Zusammenhang von sexuellem Begehren der Frauen und Dauer der Partnerschaft untersucht. Ernüchterndes Ergebnis: Nach zwei, längstens drei Jahren flaut es ab, bei den Männern hingegen wird es kaum geringer. Der Wissenschaftler fand ein Gegenmittel, das wirkt: Frauen, die nicht mit ihrem Partner zusammenwohnten, fanden denselben Mann länger attraktiv. Offenbar bleibt das, was nicht ständig verfügbar ist, begehrenswert.

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