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freizeit
11/09/2019

Warum ist Lachen ansteckend, Glück aber nicht?

Fragen der Freizeit ... und Antworten, die Sie überraschen werden. Lachen kann ganz schön ansteckend sein. Und das hat seinen Grund. Aber was ist mit dem Glück? Dein Glück ist auch mein Glück? Der Vergleich macht (un)sicher.

von Annemarie Josef

Kinder lachen 400 Mal pro Tag, Erwachsene nur 20 Mal. Umso schöner, wenn ein ganzes Abteil in der U-Bahn mit herzhaftem Gelächter erfüllt ist, so wie letztens in der U6. Sogar der stocksteife Herr mit Hut hüpfte vor lauter Gekicher auf seinem Sitz auf und ab. Und das nur, weil ein Bub und ein Mädchen beschlossen hatten, ihre Eltern zu kitzeln. Diese mussten kichern, hihi, versuchten dies zu unterdrücken, huhu, die Kinder zu ermahnen („wir sind nicht alleine, haha!“).


Doch es war zu spät, die Kids kreischten vor Vergnügen, und das schallende Gelächter der Öffi-Fahrgäste griff um sich wie ein Virus. Lachen ist ansteckend. Das untermauert auch die Hirnforschung: Schauen wir Menschen beim Lachen zu, werden im Gehirn Regionen getriggert, die auch aktiv sind, wenn wir selbst lachen. Das bereitet aufs Schmunzeln, Kudern und Kichern vor. Auch das Hören von Gelächter löst etwas aus: Forscher vom University College London untersuchten, ob das Einspielen von Lachern bei Sitcoms etwas bewirke. Ja, selbst die fadesten Witze brachten Studienteilnehmer eher zum Lachen, wenn sie das Lachen anderer hörten. Wer schallend lacht, ist meist nicht alleine. Wer glücklich ist, auch nicht.

Und das Glück?
Dennoch unterscheidet den Glücklichen etwas vom Lachenden. Glück scheint nicht auf andere überzuspringen. Der Nachbar hat das tollere Auto, die Kollegin den schöneren Urlaub, Facebookfreunde das bessere Leben. Längst wissen wir, dass Erfolg und Reichtum nicht essenziell für unser Glück sind. Und der Vergleich macht unglücklich. Die Langzeitstudie  des Wiener Verhaltensökonomen Redzo Mujcic zeigt, Menschen fühlen sich unzufriedener, wenn sie  zu oft mit der geschönten digitalen Welt  der anderen konfrontiert sind. Und Robert Waldinger, US-amerikanischer Psychiater und Professor an der Harvard Medical School, konnte in der längeren „Grant and Glueck Study“ beweisen: Gute Beziehungen sind der Schlüssel zu Wohlbefinden.
Womit sich irgendwie der Kreis schließt: Nicht umsonst heißt es im Volksmund, der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln.