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freizeit
12/16/2018

Vicky Leandros: "Theo hat nie zu mir gepasst"

Wer „Lodz“ sagt, muss Vicky Leandros (66) sagen. Auch wenn die Sängerin das nicht gerne hört. Im Interview erzählt sie, warum.

von Barbara Reiter

Frau Leandros, wissen Sie, dass Sie sehr diplomatisch wirken?

Was finden Sie denn diplomatisch?

Zum Beispiel haben Sie einmal gesagt, dass Ihnen auch Menschen sympathisch sind, die Ihre Musik nicht mögen.

Warum denn auch nicht? Ich habe persönliche Freunde, die meine Musik nicht hören. Das finde ich ganz gut, dann können wir über andere Themen reden.  

Ist Musik nicht Ihr Lieblingsthema?

Im Privatleben rede ich überhaupt nicht über Musik und auch nicht über mich. Wenn wir jetzt hier so sitzen: klar! Aber zuhause muss ich mich ja nicht darstellen in irgendeiner Form.

Sie meinen also, das Darstellen gehört zum Beruf?

Es ist eigentlich kein Darstellen. Beim Singen geht es darum, Gefühle zu zeigen. Das ist eigentlich alles. Mein Vater hat mir da sehr viele Tipps gegeben. Er war nach seiner Zeit als Schlagersänger  ja einer der größten Produzenten der Welt. Ich weiß nicht, ob Sie das wissen ...

Hat er nicht Julio Iglesias produziert?  

... und Demis Roussos. Deshalb konnte er mir gute Tipps geben. Wobei man dem oft nicht folgt, wenn man jung ist. Aber das ist auch gut so. Man muss seine eigenen Erfahrungen machen.

Ihr Vater ist mittlerweile 95 und lebt wieder in Griechenland. Könnten Sie sich das auch vorstellen?

Meine Eltern sind damals erst mit 25, 30 nach Deutschland gekommen. Aber wenn man seit dem 5. Lebensjahr hier ist wie ich, ist das etwas anderes. Ich liebe Griechenland und habe auch mehrere Jahre im Ausland gelebt. Jetzt bin ich am liebsten da, wo meine Kinder sind.

Sie haben zwei Töchter und einen Sohn, dazu Karriere als Schlagersängerin gemacht. Wie konnten Sie Beruf und Familie damals vereinbaren?

Erstmal bin ich zehn Jahre zuhause geblieben, um meine drei Kinder zu betreuen. Ich wollte sie einfach großziehen. Und ich muss sagen, dass es auch wirklich sehr schöne Jahre waren.

Und das Comeback nach so langer Zeit?

Es war nicht so, dass sich alle sofort um mich gerissen hätten. Die Konzert-Agenten sagten erst mal: „Die war jetzt Hausfrau. Mal schauen, ob sie überhaupt noch singen kann.“ Es hat seine Zeit gedauert, bis ich wieder angenommen wurde. Nichts ist selbstverständlich, als Frau schon gar nicht. Wir müssen uns doppelt bemühen – weil wir diese Pause haben. Inzwischen ist es ja so, dass auch die Männer bei den Kindern sind.

Vielen gelingt ein Comeback gar nicht. Was haben Sie, was andere nicht haben?

Das weiß ich nicht. Ich kann mich ja schlecht selber analysieren.

Sind Sie zielstrebig, fleißig ...?

Ich habe sicher einen starken Willen und vielleicht Leidenschaft für den Gesang.

Angeblich haben Sie immer einen kleinen Ofen dabei, um die Stimme warm zu halten.

Ja, das Öfchen ist immer mit. Gut, in der Votivkirche werde ich es brauchen. (Anm.: Leandros gibt am 20. Dezember dort ein Konzert).  Ich stehe jetzt vor 35 Konzerten, von denen die meisten in Kirchen stattfinden. Da ist es einfach kühler.  

Schlager singen Sie dort auch? Ich weiß nur, dass Sie „Ich liebe das Leben“ immer im Repertoire haben.  

Das singe ich in der Mitte. Es trennt sozusagen die weltlichen Lieder von den Weihnachtsliedern.   Es sind  auch Chansons von Jacques Brel dabei oder „Sweet Lord“ von George Harrison. „White Christmas“ habe ich früher immer mit meinem Vater gesungen. Er die erste, ich die zweite Stimme. Man hat ja auch eigene Erinnerungen.

Wie verbringen Sie Weihnachten?

Zuhause mit der Familie. Wir feiern ja die Geburt Christi und gehen spätabends auch immer in die Kirche. Davor warten wir aufs Christkind, essen zusammen  und singen Weihnachtslieder.

Stimmt es, dass Sie mehr als 1000 Lieder aufgenommen haben?   

Es waren 4000. Ich habe ja 460 Alben gemacht. Aber es ist egal, tausend sind auch schon sehr viel.

Da kann man doch unmöglich im Kopf behalten, was da alles dabei war?

Die meisten Lieder kenne ich. Aber es gibt schon ein paar, wo ich sagen würde: Was, das soll ich gesungen haben? Ich habe auch schon mehrfach mit meinem Fanklubleiter in Griechenland gewettet, aber immer verloren. Dann war eine Kiste Schampus weg.

Mit Ihnen wette ich auch einmal.

Okay, sehr gut.

Wetten, dass Sie auch auf Japanisch gesungen haben?

Das weiß ich. Das waren gleich mehrere Titel. Einer hieß „Machi Kutabireta Nichiyob“, was „Sonntags nie“ bedeutet.

Was heißt „Theo, wir fahr'n nach Lodz“ auf Japanisch?

Keine Ahnung. Das kennen die Japaner gar nicht – die Kanadier und die Franzosen auch nicht. Das war ein sehr spezielles Lied für Deutschland und Österreich.

Wussten Sie, dass das Lied ursprünglich „Rosa, wir fahr’n nach Lodz“ hieß und von zwei Österreichern geschrieben wurde?

Es war ja ein Volkslied. Und wenn ein Volkslied ein bestimmtes Alter hat, dürfen Sie es nehmen und umgestalten. Mein Vater und Klaus Munro (Anm.: ein deutscher Komponist) haben einen anderen Text dazu geschrieben.

Kam Ihnen die Textzeile „Steh' auf, du faules Murmeltier“ nicht komisch vor?

Ich fand das ganze Lied komisch. Es passte so gar nicht zu mir. Wenn man schon  „Après toi“ gesungen hat und davor „L’amour est bleu“ denkt man sich: Was ist das jetzt bitte?

Noch heute glauben viele Leute, es wäre Ihr größter Hit.

Der größte Hit ist weiterhin „Après toi“ (Anm.: Leandros gewann damit 1972 den Song-Contest für Luxemburg). Er hat doppelt so viel verkauft wie Lodz. Dann kommt „Ich hab’ die Liebe geseh’n“ und „Ich liebe das Leben“. Erst dahinter kommt Lodz. Ein Glück, ich bin froh drum!

Das heißt, es hat Sie gestört, mit Schlagern in Verbindung gebracht zu werden?

Das Schubladen-Denken gibt es ja nicht in jedem Land. Besonders stark war das in Deutschland. Aber das ist nicht schlimm, weil die Menschen, die zu meinen Konzerten kommen, wissen, dass ich sehr viele Chanson-Balladen in verschiedenen Sprachen singe.  

Und die Schlager?

Gegen Ende kommen ja auch die alten Sachen, wo Schlager mit dabei sind. Aber nicht zu viele. Ich glaube, ich hätte nicht überlebt mit Schlager in meinem Alter.

Kompliment, Sie sehen toll aus.

Ich bin jetzt 66.

Sie wissen, was Udo Jürgens dazu sang?

Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an.

Stimmen Sie dem zu?

Das Leben hat schon etwas früher angefangen, muss ich sagen. Aber ich fühle mich gut. Nichts kommt von alleine, sag ich mal.

Warum sind Sie so schlank?

Vielleicht sind es die Gene. Mein Vater ist immer noch sehr schlank, meine Mami, die vor fünf Jahren gestorben ist, war auch immer schlank. Ansonsten koche ich ganz normal mit Fleisch und Fisch. Ich liebe die griechische und französische Küche mit sehr vielen Weinsaucen.

Sie haben auch sehr schöne Haare.

Griechisches Olivenöl. Kennen Sie das Rezept? Eine kleine Tasse nehmen und ein Eigelb mit Olivenöl verrühren. Da wächst das Haar wirklich gut nach! Der Tipp kommt aber nicht von mir, sondern von Sophia Loren. Das habe ich gelesen. Sie müssen aber drei Mal shampoonieren, damit sich das wieder auswäscht. Ein warmes Tuch drauf und alles ist gut.

Darf ich Sie zum Schluss noch fragen, ob Sie je Angst davor hatten, dass die große Karriere einmal vorbei ist?

Das war doch schon so, als ich nach den zehn Jahren zuhause bei den Kindern wieder angefangen habe, zu singen. Ich bin auch nur selten im Ausland aufgetreten, weil meine Jüngste damals erst elf war. Das muss man verkraften können. Irgendwann ist der Erfolg sowieso vorbei.

Johannes Heesters stand mit 100 Jahren noch auf der Bühne.

Nein, ich will nicht ewig auf der Bühne stehen. Vielleicht noch die nächsten fünf Jahre, wenn es gut geht. Dann schauen wir mal.

Vicky Leandros, 66, wurde 1952 auf Korfu geboren und kam mit fünf Jahren nach Deutschland, da ihr  Vater Leo, ein Schlagersänger und späterer Musikproduzent, schon damals  dort erfolgreich war. 1961 verließ ihre Mutter Kyriaka die Familie und Leandros wuchs beim Vater in Hamburg auf. Sie bekam Gesangs-, Ballett- und Gitarren-Unterricht und war ab 1965 selbst als Sängerin erfolgreich. 1972 gewann Leandros den Song-Contest für Luxemburg mit dem Chanson „Après toi“. Er verkaufte sich 5, 5 Millionen Mal. Viele Hits folgten, darunter  „Theo, wir fahr’n nach Lodz“, der die Chansonnière  ungewollt zum Schlagerstar machte. Vicky Leandros war auch in der Politik tätig und von 2006 bis 2008  Vizebürgermeisterin und Kultur-Stadträtin von Piräus. Sie hat drei erwachsene Kinder und war zweimal verheiratet.

Info: Vicky Leandros wird am 20.12. in der Votivkirche ein Weihnachtskonzert geben. Karten unter: www.oeticket.com oder 0900/9496096

www.vickyleandros.eu/

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