freizeit
14.10.2018

Josh: "Es ist halt nur ein Pop-Song"

Vom Sommer- zum Wiesn-Hit: Über den Erfolg von "Cordula Grün" wundert Josh sich nicht, wohl aber über die Dimension.

„Sie hieß Cordula Grün, ich hab' sie tanzen geseh'n. Dann hab' ich sie noch gefragt, ob sie morgen mit mir einen Tee trinken mag – oder ein Fruchtkonzentrat ...“ (Lyrics von Josh. "Cordula Grün")

Josh, du  hast Kaffee bestellt. Wieso nicht Tee oder Fruchtkonzentrat?

Das kommt ganz drauf an, aber in der Früh mag ich gerne Kaffee. Ich mag aber auch Tee.

Es ist elf Uhr Vormittag. Ist es das, was ein Künstler als Früh bezeichnet?

Eigentlich bin ich derzeit immer recht früh wach, weil ich viele Termine bei Radiostationen habe. Aber das ist mein erster Kaffee heute. Vielleicht kommt es mir deshalb so vor, als wäre es noch sehr früh.

Und Cordula? Schläft die noch?

Zumindest ist sie daheim.

Ich habe überlegt, dich zu bitten, Cordula zum Interview mitzubringen. Bist du froh, dass ich es nicht gemacht habe?

Das beantworte ich zu 100 Prozent ehrlich, wie jede Frage. Ich liebe das, was gerade passiert und es ist wunderschön, dass der Song so gut funktioniert. Man muss aber auch ein bisschen differenzieren. Diese Puppe und der rote Anzug aus dem Video sind Filmrequisiten. Als Künstler bin ich aber viel mehr  als das. Wenn ich die ganze Zeit Cordula herumschleppe, frage ich mich, inwiefern die Leute erfahren können, wie ich als Künstler tatsächlich drauf bin. Deshalb will ich das nicht zu oft machen.  

Du hast einmal gesagt, dass  deine Liedern viel von dir erzählen. Was du über die Liebe singst, vermittelt einen nicht ganz steten Eindruck. Ist das so?

Wenn man meine Lieder so geballt hört wie du vielleicht im Vorfeld, hat man möglicherweise das Gefühl, da passiert jeden Tag irgendetwas Arges. Ganz so ist es nicht. Aber man muss hin und wieder was erleben. So würde ich das sagen. Ich glaube aber, dass mich emotionale Dinge sicher mehr beschäftigen als andere Themen.  

Nachdem du so einen Hit abgeliefert hast: Was ist mit weiblichen Fans?  

Man nimmt natürlich schon ein paar Sachen wahr, wie zum Beispiel, dass man nach den Konzerten mehr Fotos macht. Aber es hält sich in Grenzen. Ich muss sagen, dass fast jeder Mensch  mir gegenüber höflich und respektvoll ist. Vielleicht, weil ich das umgekehrt auch mache. Es läuft grad ziemlich harmonisch ab.

Einem Politiker würde man jetzt sagen: Das war nicht meine Frage. Es ging eigentlich um Frauen.

Dieses Thema wird öffentlich nicht kommentiert.

Du singst ständig von der Liebe, willst aber nicht über Frauen sprechen?

Ich rede gern über die Liebe, auch über meine, aber nicht darüber, welchen Status ich derzeit habe.

Immerhin ist bekannt, dass dein derzeitiger Status Popstar ist. Es gibt so viele Jungs, die von einer ähnlichen Karriere träumen wie du. Wie bist du so weit gekommen?

Angefangen hat es damit, dass ich in der Musikschule klassische Gitarre gespielt habe, bis ich 18 oder 19 war.

Du meinst, normale Gitarre oder wirklich Klassik?

Ich meine wirklich Klassik. Die erste CD, die ich gemacht habe, habe ich  mit einem Gitarrenquintett aufgenommen. Wir haben Bach und Beethoven gespielt. Aber irgendwann hatte ich das Gefühl, dass mir das ein zu enges Korsett ist und habe begonnen, an einer privaten Schule, dem Vienna Konservatorium, Jazz zu studieren. Ich glaube, ein anderes hätte mich nicht genommen, weil ich keinen Jazz spielen konnte. Ich habe mich auch mit Bach beworben. Die haben dann gesagt: „Hey, du bist ein guter  Gitarrist. Da kann man was draus machen.“

Nun machst du heute aber auch  keinen Jazz, sondern Popmusik.

Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich weder im Jazz noch in der Klassik ganz glücklich bin. Ich habe zuhause auch lieber Element of Crime oder Brian Adams gehört. Irgendwann wurde am Kons dann eine Popularmusik-Abteilung gegründet. Dort habe ich endlich wieder angefangen, mich in der Musik wohlzufühlen. Ich kann sagen, das sich davor eine Krise hatte und nicht wusste, wie ich weitermachen soll. Dann hat es plötzlich gezündet.    

Nun ist es vom Studium zum Popstar ein weiter Weg. Wie ging es weiter?

Entscheidend war, dass mir am ‚Kons‘ jemand von einer Singer-Songwriter-Night erzählt hat, bei der Studenten eigene Songs präsentieren. Ich hatte  gerade angefangen, Songs zu schreiben und dachte mir: Du bist nicht mehr der Jüngste und solltest musikalisch schon  einen Schritt weiter sein. Aber  scheiß drauf!  Du nimmst  deinen ganzen  Mut zusammen und spielst dort eine Eigenkomposition. Ich hatte damals 250 Auftritte in den Fingern, war aber furchtbar nervös. Von da an habe ich immer mehr geschrieben.

Wie war dein Auftritt?

Er war sehr, sehr gut. In dem Lokal war es damals irrsinnig laut. Ich habe eine Ballade gesungen und als ich bei der letzten Strophe war, war es mucksmäuschenstill. Leute haben zu mir gesagt: „Bist du wahnsinnig? Was hast du gemacht?“ Man hat die Leute atmen gehört. Das war irgendwie der Startschuss für alles. Wenn keine Reaktion gekommen wäre, wäre ich nie so motiviert gewesen.

Siehst du dich denn als Singer-Songwriter wie im Wettbewerb?  

Irgendwie schon, weil ja beides stimmt. Ich singe und schreibe Songs. Aber ich verbinde mit dem Begriff eigentlich ein anderes Genre, nämlich den „Mann mit der Gitarre“. Und das ist nicht das, was ich jetzt mache.

Aber gemacht hast. Du bist unter deinem Namen Johannes Sumpich aufgetreten. Hast du dich bewusst davon verabschiedet, weil „Mann mit Gitarre“ nicht mehr so gefragt ist wie früher?

Es geht darum, worauf ich gerade Lust habe. Und derzeit habe ich wahnsinnige Lust, mich und meine Hände auf der Bühne zu bewegen und nicht, Akustikgitarre zu spielen. Ich glaube, das hat etwas mit Selbstvertrauen zu tun. Bei mir war bis vor kurzem immer ein bisschen die Handbremse drin. Wenn du eigene Sachen machst, ziehst du dich in gewisser Weise ja nackert aus, weil du Sachen aus deinem Leben schreibst. Mittlerweile denke ich mir: Hasst’s mich oder liebt’s mich. Aber ich hau’ jetzt einfach voll drauf!

Das heißt, du hast einfach länger dafür gebraucht, aus dir herauszugehen?

Vielleicht geht das bei anderen von der Stunde null weg. Für mich ging’s nicht. Ich habe mich langsam gesteigert und irgendwann hatte ich das Gefühl: Ich weiß jetzt, was ich als Künstler machen will.

War das Cordulas Verdienst?

Ich habe schon beim Song „Sowieso“ begonnen, zu machen, was ich will. Aber Cordula hat sicher einen Beitrag geleistet. Wenn du dir einen roten Anzug anziehst und in einem Video so tanzt wie ich es mache, kannst du nicht mehr die Handbremse drin haben. Du musst dir sagen: Okay, ich weiß, dass es auch Leute geben wird, die das Scheiße finden. Wenn du Angst davor hast, darfst du so etwas nicht machen. Früher hätte ich mich das nicht getraut. Aber das ist ja auch okay.

Weißt du, was nicht in deinen Lebenslauf passt, Josh? Dein Job als IT-Mann.

Ich habe schon oft Leute im Musik-Biz getroffen, die sehr gut mit Computern umgehen können. Das glaubt einem von außen gesehen niemand, aber man kann diese Sache kreativ angehen, indem man Dinge ausprobiert und sich nicht fürchtet. Ich habe ganz klassisch neben dem Studium angefangen. Ich musste ja Studiengebühren und die Miete bezahlen und außerdem Musik-Equipment kaufen. Da ich kein Star-Gitarrist war, der sich vor lauter Aufträgen nicht retten konnte, habe ich einen Halbtags-Job gebraucht. So hab’ ich ein bissl sparen können und habe meinen Verdienst die letzten vier Jahre in die Musik gesteckt.

Gibt es  keine Förderungen?

Eine große Hilfe war der österreichische Musikfonds, ohne den vieles nicht möglich gewesen wäre. Man kann viel professioneller agieren. Es wäre auch wichtig, politisch darüber nachzudenken, da aufzustocken. Der Musikfonds hat Künstler wie Bilderbuch, Lemo oder Julian Le Play gefördert. Einige Musiker hätten ihre Alben nicht machen können, wenn sie keine Unterstützung gehabt hätten. Ich wurde auch nicht beim ersten Mal gefördert, sondern erst bei der zweiten Bewerbung. Man darf halt nicht aufgeben und muss noch härter an sich arbeiten. Die sehen das und denken sich dann: „Okay, der meint es ernst. Vielleicht fördern wir das.“

Macht ein Hit mit 9 Millionen YouTube-Klicks wie Cordula Grün unabhängig?

Er ermöglicht mir, mich in nächster Zeit zu 100 Prozent meinem Projekt zu widmen. Das kann ein Hit dieser Dimension.

Aber natürlich kann man  nicht von einem einzigen österreichischen Hit leben. That’s not gonna happen! Aber ich möchte jetzt auf Tour zeigen, dass wir ein ernst zu nehmender Liveact sind. Bilderbuch ist in den Verkaufscharts auch nicht immer ganz oben. Aber die Band verkauft drei Mal hintereinander die Arena aus. Nächstes Jahr werden wir auf Deutschland-Tour zeigen, dass es ein paar Euro wert ist, sich uns anzuschauen.

Josh, dein Manager hat vorhin gesagt: Entweder man liebt „Cordula Grün“ oder man hasst es. Dazwischen gibt es nichts. Wie findest du das?

Ich glaube, es gibt genug Leute, die das Lied total gerne haben. Das sind die, die dann auch zu den Konzerten kommen und die Single kaufen. Den anderen kann man sagen: Es  ist halt nur ein Popsong. Nicht mehr und nicht weniger.

Johannes Sumpich, 32, wurde in Wien geboren. Im Alter von acht Jahren begann er, klassische Gitarre zu spielen  und trat als Teenager in Schulbands auf. In dieser Zeit kam er auch zu  seinem Spitznamen Josh, der heute sein Künstlername ist. Nach der Schule studierte Sumpich fünf Jahre lang Jazz, fand sein wahres Glück aber erst in der Popmusik. Das Studium finanzierte er durch einen Halbtagsjob als IT-Techniker, abends trat er als Musiker auf. Dabei lernte er die Sängerin  Kathi Kallauch kennen, mit der er 2016 den von ihm geschriebenen Radio-Wien-Sommerhit „Kein Sommer für einen allein“ performte.   Zwei Jahre später gelang Josh solo wieder ein Sommerhit. Er stürmte mit „Cordula Grün“ die Charts in Österreich und Deutschland – sein Durchbruch.