freizeit
08/18/2014

Mistverständnis

Warum Polizisten viel sprachgewandter sind, als ihnen unterstellt wird.

von Guido Tartarotti

Ich halte den derzeit viel beschworenen Glauben an die politische Kraft der Sprache für gewagt. Meiner Erfahrung nach taugt Sprache ja nicht einmal als Mittel der Kommunikation, wie ein Blick in Twitter und Facebook oder das Anhören von Gesprächen in der U-Bahn beweist. Sprache wird in erster Linie zu dem Zweck eingesetzt, den anderen misszuverstehen. Das kann traurig sein, aber sehr oft auch ziemlich unterhaltsam. Als meine Ex-Frau noch ein Kind war, verstand sie zum Beispiel das Wort „Missverständnis“ miss, sie glaubte nämlich, „Mistverständnis“ zu hören und sagt bis heute „Mistverständnis“, was ich gut verstehen kann, weil „Mistverständnis“ nämlich ein herrliches solches ist. Sprache, so lautet meine Privattheorie, wurde in erster Linie zu dem Zweck erfunden, bei ihrer Inbetriebnahme möglichst viele heitere Pannen zu erzeugen. Eine Gratiszeitung veröffentlichte diesen Sommer ein Interview mit folgender Frage: „Aslödkfjasdklöfj asdlfkjaslöfkjsad faslödkjföasldkfjasdklfjasdfasdfasdlökfjaslödfj?“ Der Interviewte, ein Polizist, antwortete interessanter Weise mit „Super, danke.“ Was wieder beweist, dass Polizisten viel sprachgewandter sind, als ihnen unterstellt wird. Seither rätseln viele, was ein Aslödkfjasdklöfj sein könnte, ganz zu schweigen von einem Faslödkjföasldkfjasdklfjasdfasdfasdlökfjaslödfj. Ich persönlich glaube ja, das sind isländische Vulkane. (Auflösung: Vermutlich war das ein Blindtext, der versehentlich nicht überschrieben wurde – herzlichen Dank an die Kollegen für eine wirklich lustige Panne, die uns genauso passieren hätte können.) Noch einmal zurück zum Thema Sprache: „Warum Frauen und Männer sich nicht verstehen“, titelte ein Nachrichtenmagazin. Ich vermute: Weil sie „sich“ und „einander“ nicht mehr unterscheiden können.

www.guidotartarotti.at

guido.tartarotti@kurier.at

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