Kann schon sein, dass das Interesse für Geschichte eine Alterserscheinung ist: Je weniger Zukunft man selber hat, um so mehr beschäftigt man sich mit der Vergangenheit der anderen. Ich selbst habe mit meinem Älterwerden nicht sehr viel mehr Probleme als jeder andere auch, glaube ich. Der körperliche Verfall lässt sich nicht aufhalten, außer um einen Preis, den zu zahlen ich nicht bereit bin. Dass ich Dinge vergesse, hat mich nie gestört, weil mir früh klar geworden ist, dass die meisten Menschen nur deshalb nichts vergessen, weil sie gar nichts wissen. Und dass ich jetzt im Alter tatsächlich der Misanthrop werde, den ich in der Jugend gern gespielt habe, ist die gerechte Strafe für alle, die mir nicht ausweichen. Bevor ich es also vergesse, erzähle ich Ihnen lieber, worüber ich diesmal eigentlich schreiben wollte. Meine Arbeit an einem Buch gestaltet sich derzeit etwas schwierig, weil ich über so viele Menschen, die mir im historischen Teil begegnen, mehr wissen möchte, als ich verwerten kann. Das ist unökonomisch in einer Situation, in der Zeit buchstäblich Geld ist, weil eine Verschiebung des Veröffentlichungstermins sowohl für den Verlag als auch für mich eine unangenehme Sache wäre.

Benjamin Franklin, von dem die Wendung „dont’t forget, that time is money“ stammt, ist auch so einer. Er war eine der wichtigsten Figuren in der Frühzeit des amerikanischen Zeitungswesens, und was der sonst noch alles war! Erfinder, Forscher, Unternehmer, Autor, Politiker, Diplomat, Mitunterzeichner der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Er war ziemlich am Boden, als er 1724, als 18-Jähriger, von New York nach London aufbrach. Auf dieser Überfahrt, heißt es, habe er sich dem Prinzip der „Selbsterziehung“ verschrieben.

Falls ich dieses Buch je zu Ende bringe, wird das mein nächstes Projekt.

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