© Manfred Horvath

Semmering
05/09/2014

Schlafende Schönheit

Der Semmering mit seinen Grand Hotels und eleganten Villen ist jetzt in ukrainischem Besitz. Viele Millionen werden investiert. Eine neuer Versuch, das Paradies vor der Haustür der Wiener zu retten.

von Eva Gogala

Die Gäste im À-la-Carte-Restaurant des Hotels Panhans bekamen Augen groß wie Wagenräder, als sie die Preise auf der Weinkarte sahen. Ein Bordeaux, der um einiges mehr als ein Monatsgehalt kostete. Doch der nette und kompetente Sommelier wusste Rat: „Das sind die Russenweine. Die lesen die Speisekarte immer von rechts nach links und nehmen nur das Teuerste.“ Er empfahl einen Wein, der nur den Bruchteil davon kostete und wunderbar schmeckte.

Das ist nun schon gut 15 Jahre her. Mittlerweile ist das Grandhotel am Semmering pleite gegangen – Hausherr ist heute der Ukrainer Viktor Babushchak und Russisch eine der drei Sprachen, in der die Homepage des Hotels verfasst ist. Babushchak ist Geschäftsführer der Panhans Holding und will den wieder einmal im Dornröschenschlaf versunkenen Semmering wachküssen – so lange vom Glanz der vergangenen Tage noch etwas übrig ist.

Vier Hotels und die Bergbahnen gehören zum Imperium des Ukrainers: das Sporthotel, das seit zehn Jahren leer stehende „Erzherzog Johann“ auf der Passhöhe Ring Event Gastro Hotel, das Kurhotel Dr. Stühlinger und, als Herzstück, das Grandhotel Panhans, das um 18 Millionen Euro renoviert werden soll – und den „Zauberberg“ zu dem machen, was er einmal war.

Das Hotel, 1888 von Vinzenz Panhans, Küchenchef des Südbahnhotels, gegründet, hat schon gute und weniger gute Zeiten erlebt. Es war Treffpunkt der feinen Gesellschaft. Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler, und Stefan Zweig. Der setzte dem Hotel ein literarisches Denkmal: Seine Novelle „Brennendes Geheimnis“ über die Liebelei einer verheirateten Frau mit einem jungen Baron spielt im Panhans.

Auch die weniger feine Gesellschaft. So berichtet Josefine Mutzenbacher, das von Felix Salten erdichtete Wiener Vorstadt-Luder, in ihren Buch „Meine 365 Liebhaber“ von einem Wochenende mit einem gewissen Ignaz: „Am Samstag in der Früh sind wir hinausgefahren mit der Südbahn. Am Semmering sind wir im feinsten Hotel, im Panhans, abgestiegen, natürlich getrennte Zimmer! Am nächsten Tag sind wir in den Wald spazieren gegangen, der Ignaz ganz als Steirer angezogen und das war halt nicht auf ihm gewachsen. Eine kurze Lederne, gestickte Hosenträger, ein grünes Hütl und sogar Wadenstrümpfe ... Oft hab ich das Lachen verbeißen müssen.“

Auch aus dem Osten kamen die Gäste damals – jeden Freitag rollten zwei Sonderwaggons direkt aus Budapest in den Bahnhof. Sie lieferten Familienväter bei Frau und Kindern ab, die hier ihre Sommerfrische verbrachten. Am Sonntag fuhren die Männer wieder heim. „Es war immer schon so, dass die Gäste entweder aus Wien oder aus dem Osten kamen, sagt Semmerings Bürgermeister Horst Schrötter, der die Topografie genau kennt: „Von Bratislava aus sind der Semmering, Rax und Schneeberg die ersten Berge, die die Menschen sehen können.“
Und von Wien ist der heilklimatische Luftkurort, der dieses Prädikat erst Ende vergangenen Jahres für weitere zehn Jahre verliehen bekommen hat, sowieso leicht erreichbar.

Die Südbahngesellschaft hatte 1882 das Südbahnhotel errichtet, damit die Erholungssuchenden nicht nur nach Abbazia oder Toblach, sondern auch auf den Semmering kämen. Ein weithin sichtbares Monument von Luxus und Eleganz. Danach entstand eine Villa nach der anderen – geplant von Ringstraßenarchitekt Franz Neumann – mit Blick auf Rax und Schneeberg prägten sie den ganz eigenen Semmeringstil. Und die Promenade zwischen Panhans und Südbahnhotel wurde zum Korso von Reich und Schön.


Justament das einstmals erste Haus am Platz, dessen Gäste von Karl Kraus in seinem Antikriegsdrama „Die letzten Tage der Menschheit“ verspottet wurden. Das Südbahnhotel, ist jetzt das schwierigste Sorgenkind des Ortes – ein riesiges, leer stehendes Geisterhaus, das von nur drei Angestellten betreut wird. Der Eigentümer, eine Gesellschaft, die in Deutschland Kliniken betreibt, wollte ein Sanatorium daraus machen. Doch der Plan wurde nie verwirklicht. Immerhin wurde das Dach des verwinkelten Gebäudes mit seinen unzähligen Türmchen und Giebeln neu eingedeckt und so der Verfall eingebremst. Der einstige Luxus in den wunderschönen Sälen oder im Schwimmbad lassen sich aber heute noch erahnen.


Einen Eindruck, wie das Sommerfrischeleben damals ablief, kann man sich im Kurhaus holen: Beim Sommerfestival im Kurhaus, neben den beiden Großhotels Panhans und Südbahn der dritte erhaltene Monumentalbau des Semmerings, treten Schauspielgrößen wie Otto Schenk, Erika Pluhar, Heinz Marecek oder Sängerin Natalia Ushakova auf.


Ob die neuen Herren des Semmerings die Probleme des einstmals mondänen Kurortes lösen können, muss die Zeit zeigen. Bürgermeister Schröttner, seit 44 Jahren in der Ortspolitik, ist jedenfalls hoffnungsvoll. Es kann ja nur besser werden.


www.festivalamsemmering.at

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