freizeit | Salz und Pfeffer
28.04.2018

Florian Holzers Restauranttest: Stuwer

Wie aus einem Tschocherl was etwas gutes Neues entsteht.

Manchmal ist ein Pech auch ein Glück. Etwa das Pech, dass Roland Soykas Projekt eines Resorts in Indonesien dann doch nichts wurde und er kurzerhand ein heruntergekommenes Beisl im Stuwerviertel übernahm. Das wohl vor hundert Jahren einmal ein anständiges Lokal gewesen sein dürfte – alte Fotos und die mächtige Schankanlage belegen das – in den vergangenen zehn Jahren aber nur mehr als Trankler-Hütte fungierte. Soyka renovierte schnell und gut, in nur wenigen Wochen machte er aus dem Tschocherl eine tolle Kombination aus „alt und neu“, wie er sagt, die alte Schank, die alten Kronleuchter, neues Mobiliar, neuer Boden, einer der schönsten Schanigärten seit Langem und natürlich eine neue Küche: Für die holte er sich die junge Oberösterreicherin Lisa Kitzmüller, die hier nun eine extrem ansprechende Mischung aus Szene-Küche und Beisl-Tradition kocht. Gehacktes Beef tatar mit Brunnenkresse, getoastetem Brioche und drei Klecksen Markknochen-Mayonnaise zum Beispiel. Großartig (9,80 €)! Auch einen köstlich-mürben Schweinsbackerl-Strudel mit Sellerie-Püree und Peperonata hat man noch nicht oft gegessen, was definitiv ein Fehler ist (10,90 €). Lángos mit Beinschinken, Sauerrahm und Kren – eine Reminiszenz an den nahen Prater – war leider schon aus (5,60 €), hätte neben Fish and Chips vom Waller mit Erbsenpüree und Sauce Tatar aber ohnehin keinen Platz mehr gehabt (17,50 €). Die hausgemachte, flaumig-leichte „Schokobanane“ ging gerade noch, und das war gut so (7,90 €). Die Weinkarte ist noch ausbaufähig, aber dafür gibt’s einen DJ-Balkon – ein neues, gutes Lokal in einer einstmals schlechten Gegend.

Stuwer,
Wien 2, Stuwerstr. 47,
Tel: 0660/551 45 32,
Di-Sa 11-1,
So 9-16 (Brunch),
www.stuwer.com

Bewertung:
   Küche: 27 von 35
   Keller: 4 von 10
   Service: 15 von 15
   Atmosphäre: 14 von 15
   Preis/Wert: 16 von 20
   Familie: 3 von 5
Gesamt: 79 von 100

florian.holzer@kurier.at