freizeit | Salz und Pfeffer
22.09.2018

Florian Holzers Restauranttest: Die Feinkosterei

Ein Paradies für Leute, die sich schwer entscheiden können.

Manchmal ist weniger mehr. In Spanien etwa hat man die Tapas zu einer kulinarischen Kulturform von schlaraffischem Ausmaß gemacht; auch in Triest ist man stolz auf seine Buffets und die dort servierten austro-mediterranen Kleinigkeiten. Das dachte sich auch Catering-Unternehmer Daniel Hirschmann: „Wenn ich essen gehe und auf der Karte Schnitzel und Saibling sehe, will ich oft einfach beides.“ Weshalb er jetzt mit seinem Compagnon Matthias Schwarzmüller das seit drei Jahren leerstehende „Zum Scherer“ am Judenplatz übernahm, es zu einem eleganten Bistro-Buffet machte und hier nun der Wiener Küche in Kleinportion eine Bühne bietet. Das beginnt mit fein belegten Brötchen, die man sich selbst aus der Vitrine nehmen kann, etwa mit Beinschinken, Roastbeef, Entenbrust, Forellenfilet oder selbst gemachtem Hirsch-Verhackert (1,80 – 2,40 €/Stk.), geht weiter mit klein gehaltenen Snacks wie Beef tatar, gegrilltem Ziegenkäse oder einer Selektion von Mini-Würsterln bis hin zu Hauptspeisen im Vorspeisen-Format. Ein Gulasch vom Schulterscherzl zum Beispiel, wunderbar mürb (4,90 €), oder ein Kalbsbeuscherl mit kleinen Semmelknödeln, bei dem die süßsauren Gurkerln allerdings etwas dominierten (4,90 €), auch Schnitzerl, Schweinsbackerl oder Backhendl sind im Kleinformat erhältlich. Oder – saisonbedingt – Kürbis-Spezialitäten wie die gebackenen Hokkaido-Spalten mit (recht süßem) Apfel-Karottenragout und Kürbiskern-Aioli (6,70 €). Alle Zutaten stammen aus Österreich, drei bis vier Gänge schafft man locker, auf jeden Fall ein Paradies für Leute, die sich schwer entscheiden können.

Die Feinkosterei,
Wien 1, Judenpl. 7,
Tel: 01/396 14 21,
Mo-So 11-24,
www.feinkosterei.wien

Bewertung:
   Küche: 25 von 35
   Keller: 7 von 10
   Service: 13 von 15
   Atmosphäre: 13 von 15
   Preis/Wert: 18 von 20
   Familie: 3 von 5
Gesamt: 79 von 100


florian.holzer@kurier.at