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Pflicht für Tierhalter: Wer den Sachkundenachweis jetzt braucht

Seit 1. Juli 2026 müssen Halter von Hunden, Papageienvögeln und Exoten Fachkurse absolvieren. Was der KURIER-Tiercoach davon hält.

Wissen ist der beste Schutz vor Tierquälerei. Wer über die Bedürfnisse seines Schützlings informiert ist und dessen Sprache versteht, bringt die besten Voraussetzungen für eine artgemäße Versorgung mit. Seit 1. Juli 2026 müssen nun bundesweit alle künftigen Halter von Hunden, bestimmten Papageienvögeln, Reptilien und Amphibien einen Sachkundenachweis erbringen. Das österreichische Tierschutzgesetz sieht dafür eine mindestens vierstündige Theorieeinheit vor; bei Hunden kommen zwei Stunden Praxis dazu.

„Endlich ist der Sachkundenachweis in ganz Österreich einheitlich geregelt“, begrüßt Zoodoc Katharina Reitl die Novelle. Doch der KURIER-Tiercoach sieht schon jetzt Verbesserungspotenzial.

Wissen ist der beste Tierschutz

„Der Sachkundenachweis ist grundsätzlich eine gute Sache“, schickt Reitl voraus. Sowohl die Anzahl der Kursstunden als auch die einmaligen Kosten von 40 Euro seien akzeptabel. Die Veranstaltung ermögliche, sich bereits vor der Anschaffung im Austausch mit Experten einen Überblick über eine Haustierart zu verschaffen und gezielt Fragen zu stellen.

Wie qualifiziert die zertifizierten Vortragenden tatsächlich sind, lasse sich allerdings schwer abschätzen. Da es zudem für Reptilien und Amphibien nur wenige Spezialisten gibt, werden Kurse mitunter online angeboten. Auch darin sieht die Tierärztin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn ein Problem. Die aufmerksame Teilnahme sollte in diesem Fall in einem Test abgefragt werden. Dabei müsse es nicht um pingelige Details gehen, sondern darum, ob grundlegendes Fachwissen hängen geblieben ist.

Gesetz zum Sachkundenachweis hat Lücken

„Der Sachkundenachweis muss nur vor der Erstanschaffung absolviert werden, dann gilt er ein Leben lang“, kritisiert der Zoodoc weiter. Auch Haustierhalter, die bereits Erfahrungen mit Hund, Schildkröte oder Ara haben, lernen nie aus. Nicht zuletzt liefert die Forschung laufend neue Erkenntnisse. 

„Auch wenn ich mir damit keine Freunde mache“, sollte nach Reitls Ansicht der Zoofachhandel in die Pflicht genommen werden und bei jeder Anschaffung den Sachkundenachweis kontrollieren. Schließlich will das zuständige Bundesministerium mit der Novelle auch Spontankäufe verhindern.

„Die Vereinheitlichung ist ein Meilenstein. Aber auch andere Tierarten, vor allem jene, die hinter verschlossenen Türen leben, brauchen mehr Schutz“, sagt die Expertin. So sollte ebenfalls das Wohl von u.a. Wohnungskatzen, Kaninchen, Nagern, Sittichen und Vogelspinnen durch entsprechende Kurse inklusive Nachweis gefördert werden.

Nachweis muss streng kontrolliert werden

„Jedes Gesetz ist nur so gut wie seine Einhaltung“, schließt der KURIER-Tiercoach: „In der Regel erfüllen genau jene Menschen die Vorgaben, die sich ohnehin intensiver mit dem Thema beschäftigen. Die Umsetzung der Novelle muss daher streng kontrolliert werden. Mit der geregelten Abgabe kommt man an Handel und Züchtern nicht vorbei.“

Hedwig Derka

Über Hedwig Derka

Hedwig Derka, geboren 1966 in Wien, seit 1996 Redakteurin beim KURIER. Spezialgebiet: Tiere. Lieblingsthemen: Wissenschaft und nutzloses Wissen. Lieblingsbeschäftigung außer Dienst: Meine kleine und große Familie. Noch Fragen? Interessante Geschichten? Nutzloses Wissen? eMail an mich: hedwig.derka@kurier.at

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