Hochgräntenjoch, Karnischer Kamm

© Halbhuber Axel

freizeit Reise
11/01/2020

Heimat bist du origineller Friedhöfe

Das logische Produkt aus dem ostösterreichischen Hang zum Morbiden und der westösterreichischen Liebe zu den Alpen sind die Bergsteigerfriedhöfe - so wie am Hochgräntenjoch.

von Axel Halbhuber

Heute ist Allerheiligen und da kann sich auch die Reiseredaktion den Friedhöfen widmen. Zumal sie ja die heimlichen und zugleich unheimlichen Stars unter den Sehenswürdigkeiten sind: Wer schon einmal in Buenos Aires war, war sicherlich auch auf La Recoleta, in Paris kommt man kaum am Père Lachaise vorbei und der Highgate Cemetery in London ist einen Besuch wert.

Ganz zu schweigen von den vielen katakombenhaften Höhlen (zum Beispiel der Cimitero delle Fontanelle in Neapel) und den antiken Grabstätten von Ägypten bis Peru.

Österreich

Dass vor allem Wien mit dem Zentralfriedhof in dieser Liga mitspielt, versteht sich schon ob des Wieners Liebe zum Morbiden von selbst. Den sollte man jedenfalls einmal ansehen, aber auch darüber hinaus gibt es quer durch das ganze Land friedhöfliche Leckerbissen, wenn man das so sagen darf.

Geht es einem zum Beispiel um berühmte Gräber, dann ist unbedingt zu einem Besuch des Friedhofs von Sankt Gilgen am Wolfgangsee zu raten. Erstens wegen des wunderbaren Schafbergblicks. Zweitens wegen der alten Friedhofskapelle aus dem Jahr 1776, wo noch immer die Toten aufgebahrt werden. Und drittens eben wegen einiger bekannter Namen. Zum Beispiel ruht Karl von Frisch hier, der 1973 für seine Forschung um die Bienen den Nobelpreis verliehen bekommen hat. Oder auch der bekannte heimische Schauspieler Miguel Herz-Kestranek. Der lebt zwar Gott sei Dank noch, aber auf dem Familiengrab ist schon sein Name eingraviert, mit dem Geburtsdatum und einem bescheidenen „Unvergessen!“ hinter seinem Namen.

Bergsteigerfriedhöfe

Das logische Produkt aus dem ostösterreichischen Hang zum Morbiden und der westösterreichischen Liebe zu den Alpen sind die Bergsteigerfriedhöfe. Der größte davon ist im Gesäuse zu finden, wo rund um die Pfarrkirche Heiliger Ägydius und vor einer unglaublich adäquaten Kulisse schroffer Felsen der Bergsteigerfriedhof Johnsbach liegt. Seit 1810 wird hier eine Liste alpin Verunglückter geführt, 1885 wurde der erste Bergtote bestattet. Und weil zu den österreichischen Bergen auch immer Touristen gehören, wurden auch 83 verunglückte Gäste hier begraben, außerdem wird an Alpinisten erinnert, die in der Ferne starben. Wie es auf der Friedhofswebsite schon heißt: „Hier muss der Bergsteigerhimmel sein.“

Noch weiter oben, auf 2.429 Meter, liegt der höchstgelegene Friedhof der Ostalpen. Auf dem Soldatenfriedhof Hochgräntenjoch wurden 1915 vier gefallene k.u.k. Soldaten begraben (siehe Bild oben). Der heute „Friedensweg“ genannte Grenzkamm zwischen Italien und Österreich war im Ersten Weltkrieg eine der grausamsten und sinnlosesten Kriegsfronten, heute ist er ein fantastischer Höhenweitwanderweg, an dem man an alten Stellungen und Bunkern, bei rostigem Stacheldraht und Gedenkstätten zur Besinnung kommt. Übrigens: Der Berg neben dem Soldatenfriedhof heißt „Demut“.

Soldatenfriedhof Hochgränten:  Liegt  direkt am Karnischen Höhenweg auf der Etappe zwischen Sillianer und Obstandersee Hütte. Auch als Tagestour ab Hollbruck (nahe Sillian) zu erreichen, Info: osttirol.com
Friedhof St. Gilgen: Mitten im Ort gelegen, nahe an See und Mozarthaus. wolfgangsee.salzkammergut.at
Bergsteigerfriedhof Johnsbach: Im Nationalpark Gesäuse, viele Kletter- und Wandertouren. gesaeuse.at

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