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freizeit Reise
03/27/2021

Die tausendjährige Blüte: Chinas Gartenstadt Suzhou

Im Frühling ist die chinesische Wasserprovinz Jiangsu eine Farbenpracht in Kirschrosa. Vor allem Suzhou gilt als Wiege ostasiatischer Gartenkunst: Die fantastischen Welterbe- Gärten haben auch Jahrhunderte nach ihrer Entstehung nichts von ihrem Zauber verloren

von Stefan Hofer

Es gibt chinesische Sprichwörter, die über das ungewollt humoristische Niveau eines Glückskeks-Sinnspruchs hinausgehen. So besagt eine fernöstliche Weisheit: „Die Gärten südlich des Jangtsekiang-Flusses sind die besten der Welt, und die Gärten von Suzhou sind die besten unter ihnen.“ Dieser Aussage dürften sogar Engländer zustimmen, deren naturnahe Landschaftsgärten (als Kontrast zu den architektonisch strengen französischen Barockgärten konzipiert) stark von der jahrtausendealten ostasiatischen Gartenkunst beeinflusst wurden.

Eine Wiege der Natur-Kunst ist die Stadt Suzhou in der ostchinesischen Provinz Jiangsu. Mit dem Hochgeschwindigkeitszug legt man die knapp hundert Kilometer von der Megacity Schanghai nach Suzhou in gut zwanzig Minuten zurück – und steigt in einer anderen Welt aus: Die Garten-Stadt liegt, so wie das antike Wuxi, direkt am Tai Hu, dem drittgrößten Süßwassersee Chinas. Kanäle und Brücken durchziehen die Region im Jangtsekiang-Mündungsdelta, die für ihre Wasserdörfer bekannt ist. In Reiseführern wird Suzhou oft der Stempel „Venedig des Ostens“ verpasst. Vielleicht, weil schon der venezianische Asienreisende Marco Polo bei seinem Suzhou-Aufenthalt im Jahr 1276 schwer beeindruckt von der Kultur und Eleganz der Stadt war, wer weiß.

Die gesamte Provinz Jiangsu (mit 80 Millionen Einwohnern so bevölkerungsreich wie Deutschland) hat durch seinen Wasserreichtum und dem fruchtbaren Land den Beinamen „Das Land von Fisch und Reis“ erhalten. Und es ist eine großartige Region, um die jetzt stattfindende Kirschblüte zu bestaunen, etwa im Schildkrötenkopf-Garten in Wuxi. Als gute Reisezeit für die Region gelten zudem Mai und Juni.

In Suzhou selbst befinden sich mehr als hundert Gärten, sechzig davon gut erhalten, von denen neun als UNESCO-Weltkulturerbe geführt werden. Die bekanntesten tragen poetische Namen wie „Der Garten des bescheidenen Beamten“, „Der Garten des Verweilens“, „Der Garten des Meisters der Netze“ und „Der Löwenwald-Garten“. Sie zeigen auf ihre je eigene Weise den chinesischen Lebensstil, die Etikette und Bräuche der vergangenen tausend Jahre.

Von Jagdgründen zum Mikrokosmos

Die Ursprünge dieser klassischen Gärten gehen weit zurück, bis ins 6. Jahrhundert vor Christus, als Suzhou als Hauptstadt des Wu-Königreiches gegründet wurde. Damals legten sich die Herrscher im Stadtgebiet Jagdgärten an, um sich die weite Anreise zu den Jagdgründen zu ersparen. Inspiriert von diesen entstanden ab dem 4. Jahrhundert private Gärten. Die Stadt war bereits stark gewachsen, die Grundstücke kleiner. Begrenzt auf den Raum innerhalb einer einzelnen Residenz, sollten die Gärten fortan einen Mikrokosmos der natürlichen Welt abbilden, der Elemente wie Wasser, Steine und Pflanzen beinhaltet. Die Gartenmeister jeder Dynastie adaptierten verschiedene Techniken, um die Natur kunstvoll zu simulieren. Auch die Gebäude in einem Garten spielen eine Rolle, hatten meist literarische Bedeutung.

Ein herausragendes Weltkulturerbe ist auch der Kaiserkanal. Die längste menschengemachte Wasserstraße der Welt verläuft über 790 Kilometer durch Jiangsu. Zum Vergleich: Der Panamakanal misst nur 81 Kilometer, der Sueskanal 193 Kilometer. Bereits vor 2.500 Jahren wurden erste Abschnitte des gigantischen Bauwerks errichtet.

Apropos Megabau: Weithin sichtbar ist der Große Buddha von Lingshan, der im hügeligen Gebiet um den Tai Hu auf dem Stadtgebiet von Wuxi steht. Er ist die größte stehende Buddhastatue aus Bronze.

Infos: china-tourism.de, onebillionvoices.de

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