© Brühl Ute

freizeit Reise
10/13/2021

Deutschland schönster Wandweg: Unter und über dem Wasserfall

Auf dem Wasserfallsteig bei Bad Urach bei Stuttgart jagt ein Naturschauspiel jagt das andere.

von Ute Brühl

So viele unterschiedliche Eindrücke auf einer doch recht kurzen Tour – da ist es kein Wunder, dass der Bad Uracher Wasserfallsteig einst zum schönsten Wanderweg Deutschlands gekürt wurde: Spaziergänger passieren einen idyllischen Bach, ein Fohlen-Gestüt, altertümliche Streuobstwiesen und natürlich die Wasserfälle, dazwischen bieten sich immer wieder wunderbare Ausblicke. Anstrengend ist die Tour allemal, müssen doch auf zehn Kilometern fast vierhundert Höhenmeter überwunden werden.

Die erste Etappe entlang des dahinplätschernden Brühlbachs, der von saftigen Wiesen und Laubbäumen gesäumt ist, ist noch sehr gemütlich, weshalb hier viele Familien unterwegs sind. Das Wasser macht sowohl den Kindern als auch so manchem Hund eine Freude. Die Profis unter den Eltern haben deshalb immer Ersatzgewand und Handtuch im Gepäck. Weniger professionell sind da die Frauen und Männer, die mit ungeeignetem Schuhwerk unterwegs sind. Stöckelschuhe, vor denen das Tourismusbüro warnt (Bild unten), habe ich bei meiner Wanderung zwar keine gesichtet, dafür aber einige Flipflops, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass hier Menschen aus aller Herren Länder unterwegs sind – die Strecke ist wohl nicht nur bei Deutschen beliebt.

Am Fuße des Wasserfalls

Dieser Weg wird steil und ein wenig rutschig, sobald man am Bad Uracher Wasserfall angekommen ist. Von unten sieht man, wie das Wasser aus 37 Metern über eine Tuffsteinkante ins Tal stürzt. Das heißt konkret: Es beginnt der schönste Teil der Wanderung – die rund 250 Stufen, die ich am Wasser vorbeigehe, bezwingen einige tatsächlich mit Badelatschen. Dem Naturerlebnis tut das aber keinen Abbruch, hat man doch die Möglichkeit, das brausende Wasser aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Nicht nur das Wasser, auch die Pflanzen und das Gestein sind faszinierend, denn die Moos-Kalktuffpolster sind Lebensraum für seltene Laubmoose oder den Hirschzungenfarn, mit viel Glück sieht man einen Feuersalamander vorbeihuschen. Da man hier aber selten alleine ist, wird das wohl nicht so schnell passieren. Aber Achtung: Vom Weg abkommen sollten naturliebende Wanderer keinesfalls, um die fragilen Tuffpolster nicht zu zerstören.

Zeit für eine kleine Jause

Wer jetzt schon ins Schnaufen gekommen ist, freut sich auf die erste Rast auf der „Hochwiese Wasserfall“, wo Biergarten-Atmosphäre herrscht. Einige packen ihre mitgebrachte Jause aus, andere kaufen am Kiosk Saft und Bier und gönnen sich dazu ein klassisches schwäbisches „Veschper“, wie man in dieser Region die Jause nennt: Wurstsalat, Käsespätzle oder Butterbrezel zum Beispiel.

Gestärkt geht es jetzt weiter, und plötzlich befindet sich der Wanderer fast alleine auf dem Weg, der von nun an nochmals steiler wird, sodass man ganz schön außer Atem gerät. Belohnt wird die Mühe mit wundervollen Ausblicken, die sich an verschiedenen Stellen immer wieder bieten. Etwa auf Ruinen oder zum Rutschenfelsen, der so steil abfällt, dass man beim Herunterrutschen sicherlich nicht heil unten ankommen würde.

Die Tour in Bildern

Dahinplätschernd

Der idyllische Brühlbach begleitet die Wanderer am Beginn der Tour.

Bitte nicht

Viele Spaziergänger wollen mit ungeeignetem Schuhwerk den Wasserfall besichtigen.

Eindrucksvoll

Er ist der schönste Wasserfall der Schwäbischen Alb: der Uracher Wasserfall.

Erstaunlich

Fast auf jedem Schritt begegnet man einem kleinen Naturwunder, wie hier diesem Wurzelwerk.

Bergauf und bergab

Nach der Jause bzw. dem Vesper geht es erst noch ein Stückchen eben, bevor es steil bergauf geht.

Weit hinaus

Wunderbare Ausblicke über die schwäbische Alb.

Heimelig

Am Ende der Tour wird die Landschaft lieblicher. Streuobstwiesen säumen den Weg.

Auch mal eben

Fast vierhundert Höhenmeter haben Wanderer überwunden, seit sie am Fuße des Uracher Wasserfalls gestartet sind. Von nun an wird es flach und jeder versteht, warum man von der Albkante spricht: Wie ein umgedrehter Topf steht dieser Berg – Österreicher würden ihn eher als Hügel bezeichnen – in der Landschaft: Seitlich fällt er steil ab, oben öffnet sich ein Plateau. Auf eben dieser Ebene geht es jetzt gemütlich über Felder, den Fohlenhof des Gestüts Marbach, wo die jungen Pferde auf riesigen Koppeln weiden. Neugierige unter ihnen beschnuppern die Wanderer und lassen sich von ihnen streicheln.

Der kleine Bruder

Sobald man die Fohlen hinter sich gelassen hat, geht es ebenso steil bergab, wie es vorher bergauf ging. Wieder geht es an einem Wasserfall vorbei, diesmal dem Gütersteiner. Da der nicht so gut besucht ist wie sein „großer Bruder“ wirkt er weitaus idyllischer. Seine Besonderheit ist ein künstlich angelegtes Becken auf halber Höhe, an dem man Rast machen kann. Die hohe Luftfeuchtigkeit sorgt für satte, grüne Vegetation.

Jetzt beginnt die letzte Etappe. Den Abschluss bilden sonnendurchflutete Streuobstwiesen, wie man sie etwa aus dem Mostviertel kennt. Auf dem „Schnauferbänkle“ legen Müde eine letzte Rast ein und lassen sich die Sonne auf die Nase scheinen. Und sie denken daran, wie viele Eindrücke sie während der letzten zehn Kilometer gesammelt haben.

Klimafreundliche Anreise
Mit der Bahn von Wien über Salzburg in acht Stunden  

Unterkunft und Essen
Hotel Bischoffs,  Zimmer ab   98 € pro  Nacht (inkl. F).
 Im dortigen „Kesselhaus“ lässt sich vorzüglich speisen.

Wander App  „Bad Urach“
25 Wandertouren, Lokale und Sehenswürdigkeiten finden sich auf der kostenlosen App "Bad Urach".

Auskunft
badurach-tourismus.de

Bad Urach

Den Reiz des  Städtchens im Landkreis Reutlingen machen die Fachwerkhäuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert rund um den Marktplatz aus –  er gilt nicht umsonst als einer der schönsten Plätze Deutschlands.  Entspannen kann man sich in der Albtherme – das Thermalalbwasser entspringt in 770 Metern Tiefe mit einer Quelltemperatur von 61 Grad und hilft etwa bei Gelenks- und Kreislauferkrankungen.

Der schwäbische Cowboy

Willi Wolf züchtet keine Kühe, sondern Wasserbüffel. Siebzig Tiere  hat er auf seiner Weide, die Besucher bei einer Führung  von der Nähe betrachten können.  Wenn Wolf mit einem Eimer voller Futter  am Zaun steht und ein paar Mal auf den Eimer klopft, rennen die stolzen Tiere sofort auf ihn zu.   Wer nur das Fleisch der Tiere probieren will, geht zur Fleischhauerei Failenschmid im nahen Gächingen.
   

 

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