© NORBERT EISELE-HEIN

freizeit Reise
03/19/2020

600 km Radwege: Zweirad-Paradies Salzburger Seenland

Die sanfte Hügellandschaft rund um den Waller-, Matt-, Graben- und Obertrumer See bietet passende Strecken für alle Radbegeisterten und immer das geeignete Fleckchen am Strand.

Der Buchberg mit seinen gerade mal 801 Metern Seehöhe ist kein Riese, aber ein Aussichtsgigant. Eine elegant geschwungene Asphaltschleife, die im Sonnenlicht elegisch leuchtet, führt auf den grünen Hügel. Einmal oben, offenbart jede Kurve grandiose Postkartenblicke auf die saphirblau-glänzende Trilogie der Eglseen. Und in der Entfernung präsentieren die selbst im Sommer häufig noch schneebedeckten Fast-Dreitausender des Dachsteinmassivs und der Berchtesgadener Alpen ihre gleißenden Gipfel wie Hollywood-Schönheiten ihre gebleichten Zähne. Selbst einer Herde Kühe, die gemütlich einen Steilhang abgrast, scheint das Panorama zu gefallen – alle Köpfe sind stets in Richtung Alpenkamm gedreht.

Eleonora und Johannes haben Räder mit elektrischem Rückenwind für ihre Wochenendtour ausgeliehen, denn die Rampe hat es mächtig in sich. Dafür wischt diese von fleißiger Hände Arbeit erschaffene Kulturlandschaft aus Feldern und Almwiesen bei der rauschenden Abfahrt wie in einem Daumenkino an ihnen vorbei. Erst unten am Großeglsee, wo Finger und Bremsscheiben dringend eine Bremspause benötigen, kommt ihnen das erste Auto entgegen.

Wieder unten verheißen die neuen Routensymbole jede Menge anderer Radtouren: Salzkammergut-Radweg, Kräuterleben, Salz+Seen-Tour, Barocktour, Mozart-Radweg… 600 Kilometer vorbildlich angelegter und ausgeschilderter Radrouten hält das Salzburger Seenland parat. Zwölf regionale und vier grenzüberschreitende Themenradwege lassen keine Wünsche offen. Und egal, ob als Rundtour, Trans-Variante oder in Sternfahrten organisiert – eines steht fest: Die Badehose muss mit ins Radgepäck.Denn im Salzburger Seenland ist der nächste See nie fern. Das prägende Dreigestirn der Region bilden der Matt-, Obertrumer und Grabensee. Bei der Ortschaft Mattsee, dem Epizentrum des Seenlandes wachsen die Seen schier zusammen und sind nur noch durch einen schmalen Landstreifen getrennt.

Vorbei an Neumarkt strampeln Elenora und Johannes durch klassische Haarnadelkurven und rollen mit maximalem Flow vorbei an frisch gemähten Futterwiesen bergab nach Matzing. Der Bilderbuchhafen am Wallersee wird von schmucken Wochenendhäusern gesäumt. Angesichts der Flaute ankern die schnittigen Segeljachten alle im Hafen. Dafür zeichnet sich jeder Schilfhalm messerscharf auf der reglosen Wasseroberfläche ab. Selbst ein paar Fischer draußen auf dem See wirken mitsamt ihren Kähnen wie versteinert. Ergänzen das prächtige Bergpanorama zu einem fast schon kitschigen Stillleben.

Das gerade mal einen Steinwurf vom Ufer entfernte Schnecken- und Fischrestaurant der Familie Winkler ist ein weit über die Landesgrenzen hinaus berühmter Gourmettempel. Auf dem Wallersee-Rundweg kurbeln die Sportler weiter nach Weng. Eine Schotterpiste führt durch dichten Wald zum Wenger Moor, wo sie auf einem hölzernen Aussichtsturm einen faszinierenden 360° Rundumblick genießen und in vollen Zügen das Hustenbonbon-Aroma der Wald- und Moorlandschaft einsaugen. Über die schnucklige Ortschaft Seekirchen gelangen sie zum Wirt von Fischtagging. Die Familie Weindl hat fangfrischen Fisch auf der Karte, wird aber auch gerne wegen der saftigen Steaks der eigens gezüchteten Hochlandrinder besucht. Während die Biker schlemmen, können sie die Räder an der hauseigenen Ladestation aufladen.

Quelle der Inspiration

Auch der deutsche Schriftsteller Carl Zuckmayer weilte gerne beim Fischtagginger Wirt, wo er sich seine berühmte Zuckmayer-Jause servieren ließ: Speck, Salami, kalter Schweinebraten, Käse und dazu einen Schnaps. Er residierte in der Zwischenkriegszeit im nahen Henndorf und versammelte dort einen intellektuellen Kreis aus Literaten, Schauspielern und Künstlern um sich, wie Ödön von Horvath, Richard Billinger und Franz Theodor Csokor. In seinem Wohnhaus, der „Wiesmühl“ erschuf er die Erfolgsstücke Schinderhannes, Katharina Knie und den Hauptmann von Köpenick.

Über eine Kombination aus Zuckmayer-Route, Salz+Seentour und dem Seenland-Radweg tingeln Elenora und Johannes zurück nach Obertrum.

Am nächsten Tag kurbeln sie auf einem lohnenden Abstecher in die Höhe zur Kaiserbuche. Von Obertrum aus schrauben sich die Serpentinen schier unendlich hinauf zum Haunsberg. Auch hier verschont sie der Elektroantrieb vor einem allzu dramatischen Puls. Der sogenannte „Kaiserbam“ erinnert an den Besuch Kaiser Josephs II. am 28. Oktober 1779. Die einst stattliche Rotbuche fiel 2004 einem Sturm zum Opfer, 2005 wurde ein neues Bäumchen gepflanzt.

Unweit davon, lediglich ein paar Fahrminuten auf einer Schotterpiste entfernt, lockt die brandneue Vega- Sternwarte im futuristischen „Haus der Natur“ Besucher zu einem visuellen Trip ins All. Die Blicke durch das Superteleskop und der gelungene Vortrag dazu schlagen jeden Blockbuster aus Hollywood mit Leichtigkeit. Die Tickets sollten allerdings rechtzeitig vorbestellt werden.

Finale Tour. Auf der Bajuwarenroute geht es von Obertrum nach Mattsee. Auf der kleinen Halbinsel am Mattseeufer stapeln sich die Sehenswürdigkeiten. Das Schloss Mattsee wurde um 1100 von Bischöfen aus Passau inmitten der eiszeitlich geprägten Landschaft erbaut. Der Millenniumsweg rund um den Schlossberg informiert mit vielen Schautafeln über die örtliche Natur- und Kulturgeschichte. Ein paar Schritte weiter ragt das bereits im Jahre 777 vom Bayernherzog Tassilo III errichtete Stift, immerhin das drittälteste Kloster Österreichs in den Himmel. Auch das zur Landesausstellung 1988 mit viel keltischer Symbolik nachgebaute Bajuwarendorf in direkter Nachbarschaft ist einen Besuch wert.

Durch einen Wechsel auf die Trumer Seen Route bleibt man am Ostufer des Mattsees. Schon nach wenigen Radumdrehungen bergauf offenbart sich ein umfassender Blick über die Mattseer Weyersbucht. Von hier aus wirken die schöne Stiftskirche und der erhabene Schlossberg besonders imposant. Weiter geht es über Ramoos und Gebertsham, wo etliche Displays über die eiszeitliche Entstehung der Seenplatte aufklären. Der Blick über den Mattsee bleibt erhaben. Rackersing, Guggenberg, Perwang, über das Westufer des Grabensees gelangen Elenora und Johannes bei Seeham wieder an den Obertrumer See. Der Radweg führt entlang einiger Blühstreifen auch zum Kräutergarten vis-a-vis des urig-gemütlichen Landgasthofs zum Alten Wirt, wo sie im lauschigen Heurigengartl einen Kaffee trinken und hausgemachte Palatschinken schlemmen.

Jetzt sind es nur noch wenige Kilometer bis zum täglichen Feierabend-Ritual der zwei. Badehose raus und per Hechtsprung ab in den Obertrumer See. Sie lassen die Wassertropfen auf der Haut von der tiefstehenden Abendsonne trocknen, während die Beine noch vom Steg zur Regeneration im Seewasser baumeln.

Klimafreundliche Anreise
Mit der Bahn nach Salzburg, dann gleich weiter mit den E-Bikes

Seenland Card
Bei 60 Inklusivvermietern kostenlos, viele Freizeitangebote gratis oder vergünstigt, z. B. freier Eintritt ins „Gut Aiderbichl“,  in die Trumer Bierwelt, in Strandbäder und Minigolfanlagen. Ermäßigungen für Museen, Bootsverleihe, Radverleih, Kutschenfahrten/Ponyreiten oder für den Erlebnispark Straßwalchen

Essen & Trinken
– Schleedorf: Gasthof Hofwirt, mitten im idyllischen Dorf, 06216/ 6572,
– Seekirchen: O’Fischers Seeterrasse, 0676/3495711, bootsverleih.at, einfach und urig
– Obertrum: Braugasthof Sigl, mit wunderschönem Gastgarten im Ortszentrum 06219/7700, braugasthof-sigl.at
– Mattsee: Stiftskeller, gemütliche Stuben und idyllischer Gastgarten,  0650-926 2373, stiftskeller-mattsee.at
– Köstendorf: Gasthaus Fink, gemütlich  mit schöner Aussicht, 06212/2288, gasthaus-fink.at
 – Neumarkt: Gasthaus Eggerberg, gute bürgerliche Küche, 06216/ 6711

Übernachten
– 4*-Kuschel- und Genießerhotel am Mattsee:   direkte Seelage,  Haubenküche 06217 5271, seewirt-mattsee.at
– 3*-Ferienhotel Herzog in Neumarkt am Wallersee: liebevoll geführter Familienbetrieb mit herrlichem Wallersee-Blick, 06216/ 4519, ferienhotel-herzog.at
– Landgasthof Zum Altwirt in Seeham:  gemütlicher Familienbetrieb mit Heurigengartl, nur 2 Minuten vom Strandbad  entfernt, 06217/ 5522, altwirt.at

Auskunft
Salzburger Seenland Tourismus: verschickt gratis  Unterlagen, sehr gute Rad- und Wanderkarten. 06217/20220, info@salzburger-seenland.at, salzburger-seenland.at
–  salzburgerland.com

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