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Weekender
09/11/2021

Neues von der Glockner Hochalpenstraße für Bergfexe und Oldtimer-Fans

Die Sport- und Teststrecke im Glockner-Gebiet, sorgt bis heute für einen gewaltigen Adrenalinkick.

von Florentina Welley

Egal wie, man will ihn bezwingen. Zu Fuß oder mit dem Auto. Und wer schon einmal das Glück hatte, bei einer der legendären Oldtimer-Ausfahrten, etwa in einem 1972er-Jaguar, einige Kehren Richtung Gipfel mitzukurven, weiß um die Magie des höchsten Bergs Österreichs. Und auch um die Natur, die mit ihren launischen Wetterbedingungen so manchen Strich durch ein Aufstiegsvorhaben macht. Denn das Wetter kann hier oben innerhalb von zehn Minuten umschlagen. Egal, ob man gerade wandert oder einen Oldtimer pilotiert. Genau wie im Jahr 1935, als dunkle Wolken den Blick auf den 3.798 Meter hohen Großglockner verhüllten und das erste große Event fast vereitelt hätten.
Runterschalten, Zwischengas hieß es damals am 4. August, bereits einen Tag nach der Eröffnung der Großglockner Hochalpenstraße, als sich etwa die britische Grand-Prix-Rennfahrerin Eileen Ellison in ihrem Bugatti, begleitet von  75 weiteren Teilnehmern, in Alfa Romeos, MGs und ERAs, Maseratis und BMWs, über 36 Kehren die  noch geschotterte Hochalpenstraße hinaufschraubte. Mit dabei auch ein Austro-Daimler, mit Bergbauingenieur und Tunnelexperten Karl Imhoff am Steuer.  Sieger des 1. Internationalen Großglockner-Rennens mit einem Schnitt von  etwa  77 km/h auf dieser Bergrennstrecke wurde dann übrigens  Alfa Romeo. Kein einfaches Unterfangen für die Fahrer, die ihre  Vergaser noch händisch einstellten, denn die Höhenluft musste beim Gemisch berücksichtigt werden.

Spektakulär wie das Rennen selbst war auch das Bauvorhaben dazu. 4.000 Menschen fanden ab 1930 beim Ausbau der neuen Nord-Süd-Verbindung Arbeit und wandelten dabei auf einer Gebirgsroute, die schon vor 3.500 Jahren von Kelten und Römern passiert wurde. Noch heute kann man auf diesen  Pfaden im  1.800 km² großen Nationalpark Hohe Tauern entlang wandern.  Auf dem Handelsweg über das 2.504 Meter hohe Hochtor wurden Gewürze, Stoffe und Edelsteine aus dem Süden gegen Pelze und Metall aus dem Norden getauscht. Damals kam  auch die kleine bronzene Römerstatue des Halbgottes Herkules hierher, die bei Bauarbeiten gefunden wurde und heute in der Ausstellung „Passheiligtum Hochtor“ zu sehen ist.

Autorennen, Gletscher & Kunst

Seit der Eröffnung von Europas höchstgelegener Rennstrecke, die von Bruck nach Heiligenblut führt,  hat sich viel verändert. Die Straße wurde breiter und sicherer, die Kehren entschärft,  neue Museen und Aussichtspunkte errichtet. Und weil man dank des damaligen einsetzenden Auto-Booms schnell näher zu Gipfel und Himmel gelangen konnte, wurden auch die Regionen rund um die Alpenstraße touristisch interessant. Vor allem   die  lieblichen Bergdörfer Osttirols, wie Kals  und Heiligenblut. Ziel der meisten Besucher ist aber nach wie vor die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe. Mit freiem Blick sieht  man hier am besten, wie das Dach Österreichs  die neun Kilometer lange Pasterze, den größten Gletscher der Ostalpen, majestätisch überragt. Eine Aussicht, die man genießen sollte, denn das Gletschermassiv könnte  auf Grund des Klimawandels in ein paar Jahrzehnten dahingeschmolzen sein, so prognostiziert es jedenfalls die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik. Noch 1960 reichte der Gletscher bis zur Talstation.
Heute bietet etwa die neue Goldeck Panoramastraße, sowie Ausstellungen und besondere Aussichtspunkte, Tagesausflüglern  entlang der Hochalpenstraße neue Eindrücke. Abenteuer und Kunst säumen etwa den eindrucksvollen Gamsgrubenweg, der bei der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe, einer Aussichtsstation, die der Kaiser einst persönlich besuchte, beginnt. Der zwei Meter breite Weg, der durch zwei in Fels geschlagene Stollen führt, endet bei gigantischen Gletscherschliffen – auffallend glatten Felsen, die der mittlerweile abgeschmolzene Wasserfallwinkel-Gletscher blank polierte. In diesem Stollen steht auf einer Länge von 650 Metern eine Kunstinstallation  aus Stein, Licht, Ton und Malerei der  Kärntner Designerin Michaela Fink. Steinböcke kann man hingegen am besten rund um das Glocknerhaus in Heiligenblut oder bei der Wilhelm-Swarovski-Beobachtungswarte finden.

Und den schönsten Panoramablick auf mehr als 30 Dreitausender gibt es am  höchsten Punkt der Glockner Hochalpenstraße, auf der 2.571 Meter gelegenen Edelweiß-Spitze. Um Themen wie die Beherrschung der Natur, den Weg als Ziel oder die Straße als Sportgerät dreht es sich  wiederum in den  temporären Kunstinterventionen „Serpentine – A Touch of Heaven (and Hell)“ entlang der Hochalpenstraße. Hier integrieren sich etwa die dystopischen Billboards der österreichischen Künstlerin Anna Meyer subtil  in die alpine Landschaft. Auch der Trubel rund um die denkmalgeschützte Straße hält weiter an: Jeden zweiten September  kommen Liebhaber von „Prewars“ beim Großglockner Grand Prix auf ihre Kosten. Und wenn am 18. September 500 Oldtimer-Traktoren von Magirus Deutz, Steyr, Land Bulldogs, Hanomag oder Fendt aus mehr als zehn Nationen von Fusch-Ferleiten die Fahrt auf die Großglockner-Hochalpenstraße hinauf zum Fuscher Törl starten, ist das ein Muss für alle Traktoren-Fans.

Goldenes Gipfelglück

Aber genug von Straße und Spektakel. Denn schließlich geht es auch um  die eigene sportliche Herausforderung und das Gipfelglück. Den ersten Gipfelsieg  feierte eine Gruppe rund um den Botaniker David Hoppe und den Physiker Ulrich Schiegg bereits am 28. Juli 1800. Sie errichteten damals ein 3,8 Meter hohes goldenes Gipfelkreuz am Großglockner, das 80 Jahre später durch ein 300 kg schweres eisernes Kaiserkreuz von Kalser Bergführern ersetzt wurde. Der Gipfel wurde 1880 geografisch und höhenmäßig zwar vermessen, aber aufgrund des nicht vorhandenen Nullpunkts an der Adria  war die Messung um ein paar Meter ungenau. Neue Erkenntnisse brachte damals auch das Experimentieren  mit Schneeschmelzen, Siedepunkten des Wassers, Luftfeuchtigkeit sowie Puls- und Atemfrequenzen. Neben dem Gipfelkreuz stellte Schiegg außerdem ein Barometer auf, das 52 Jahre lang Daten lieferte. Und weil die Erfahrungen mit Hochgebirgsexpeditionen   noch mangelhaft waren,  tranken die Pioniere aus Vorsicht reines Quellwasser nur vermischt mit Wein.
Seither sorgen über 5.000 Gipfelbesteigungen jährlich für  regen Trubel im Glockner-Gebiet. Wer den Großglockner zu Fuß erobern möchte,  startet heute meist  entweder bei der Stüdlhütte oder der Erzherzog-Johann-Hütte. Jetzt im Herbst aber locken auch schöne gemütliche Wanderrouten rund um Heiligenblut, das Dorfertal  und Kals, über Almen und durch bunte Wälder.

Kuriose Fakten. Wussten Sie, dass…

… eigentlich Sidonia Schmidl aus Heiligenblut die erste Frau am Großglockner gewesen sein soll? Damals durften Frauen noch nicht auf den Berg gehen, deshalb verkleidete sie sich als Mann und stieg mit einer Expedition um den Bergführer Anton Granögger 1857 zum Gipfel auf.
… sich der Name Großglockner auf „gloggen“, klocken, bezieht, was donnern, poltern, heißt?
… die äußere Schicht des Großglockners aus
 schwarzem Schieferstein besteht?

 

Ich packe in meinen Koffer…

… eine wasserabweisende, winddichte Jacke und feste Bergschuhe. Und ein Dirndl oder eine Lederhose für ein zünftiges Auftreten bei den Kulturevents.
ä… eine dunkle Sonnenbrille, einen Wanderführer und einen Powerakku fürs Telefon.
ä… einen großen Rucksack mit Proviant für ein Alm-Picknick.

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