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freizeit Mode & Beauty
06/18/2021

Wie sich bereits Mittelalter-Menschen mit spitzen Schuhe die Zehen ruinierten

Britische Forscher berichten von einem ungesunden Modetrend, ausgelöst durch spitze Schnabelschuhe und das bereits im 14. Jahrhundert.

Das 14. Jahrhundert war eine Traumepoche für Fashionista: Eine Fülle von neuen Kleidungs- und Schuhmodellen hielt Einzug. Bis sich ein Trend im wahrsten Sinne des Wortes zuspitzte. Dies gipfelte in den sogenannten Schnabelschuhen, auch Poulaines genannt. „Die Überreste von Schuhen, die in London und Cambridge ausgegraben wurden, deuten darauf hin, dass im späten 14. Jahrhundert fast jeder Schuhtyp zumindest leicht spitz zulief“, sagt Piers Mitchell von der University of Cambridge. Die Folge: Fuß-Fehlstellung.

Jedenfalls vermutete man das. Jetzt wollte es ein britisches Forscherteam genau wissen und ist der Frage nachgegangen, wie verbreitet Ballenzehen bei den mittelalterlichen Bewohnern der Stadt Cambridge waren. Sie untersuchten dazu Funde von Fußknochen, die von insgesamt 177 Erwachsenen unterschiedlichen Standes stammen, die vom 11. bis zum 15. Jahrhundert in Gräbern der Stadt und ihres Umlandes begraben worden waren.

Hallux valgus

Die Auswertungen ergaben dabei: Nur sechs Prozent der Toten zeigten Anzeichen eines Hallux valgus (Fehlstellung der großen Zehe, bei der sie sich übermäßig zu den anderen Zehen neigt). Im Gegensatz dazu waren bei den Menschen des 14. und 15. Jahrhunderts durchschnittlich 27 Prozent von Ballenzehen betroffen. Dabei zeichnete sich zudem ab, dass im Vergleich zu den Landbewohnern eher die wohlhabenden Bürger und auch der Klerus von der Fehlstellung der großen Zehe betroffen waren. „Es ist erstaunlich, wie viele damals unter Ballenzehen litten“, sagt Erstautorin Jenna Dittmar von der University of Cambridge.

Gesetz gegen zu lange Spitzen

Interessanterweise stellten die Wissenschafter am häufigsten einen Hallux valgus bei den Toten eines Klosterfriedhofs fest. Wie sie das erklären? „Im 13. und 14. Jahrhundert wurde es zunehmend üblich, dass auch die Mitglieder klerikaler Orden in Großbritannien elegante Kleidung trugen“, sagt Mitchell. Die Spitzigkeit der Schuhe nahm teilweise so absurde Formen an, dass sich König Edward IV. im Jahr 1463 zum Eingreifen veranlasst sah: Er begrenzte die maximale Länge der Schuhspitzen auf fünf Zentimeter.

Weiterer interessanter Befund an den untersuchten Skeletten: Die Personen mit Hallux valgus wiesen auffallend häufig auch Anzeichen von Frakturen an den oberen Gliedmaßen auf, die typischerweise die Folge von Stürzen sind, bei denen die Betroffenen nach vorne auf die Arme gefallen sind. Wie die Forscher erklären, könnte es sich dabei um eine Folge der Fehlstellung der großen Zehe und damit eine Folge der Schuhmode gehandelt haben: „Die moderne klinische Forschung an Patienten mit Hallux valgus hat gezeigt, dass es die Fehlstellung des großen Zehs den Betroffenen erschwert, das Gleichgewicht zu halten und dadurch das Risiko von Stürzen erhöht“, sagt Dittmar.

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