© APA/AFP/CHRISTOPHE ARCHAMBAULT

Polohemd
01/21/2021

Die Rückkehr des Spießer-Outfits: das Polohemd

Der aufgestellte Kragen schien das Image des Klassikers endgültig ruiniert zu haben – bis jetzt.

von Maria Zelenko

Vom Luxusdesigner bis zur Modekette scheinen sich alle einig. Ohne dem Poloshirt geht in dieser Saison nichts. Genauer gesagt: Ohne die Neuinterpretation des zuletzt immer mehr in Vergessenheit geratenen Klassikers. Vom Strick-Pullover mit Polokragen für Homeoffice-Tage bis zum eleganten Polokleid für die Rückkehr ins Büro – an Varianten für alle Lebenslagen mangelt es aktuell nicht. Dabei wurde das legendäre Shirt einst für einen ganz anderen Zweck erfunden.

Die Geschichte des René Lacoste

Nämlich von René Lacoste, der seine unkomfortable Arbeitskluft Anfang des 20. Jahrhunderts satthatte. Ebenso wie seine Kollegen bestritt der Tennisspieler seine Matches zunächst im für heutige Begriffe recht unpraktischen Outfit: einem klassischen Herrenhemd mit hochgekrempelten Ärmeln.

In den späten Zwanzigerjahren dann die zündende Idee. Warum nicht das schwere Material durch einen leichteren Piqué-Stoff ersetzen, der nicht nur atmungsaktiv, sondern auch robust wäre? Ganz neu war sie freilich nicht. Schon Ende des 19. Jahrhunderts sollen britische Kolonialherren beim Polospielen auf Kurzarmshirts mit Kragen vertraut haben.

Das Polohemd war geboren

Auch Lacoste zeigte sich fortan in Shirts, die er zunächst nur „pour moi“, also für sich selbst anfertigen ließ, am Tennisplatz. 1933, nach Ende seiner Karriere, gründete er sein gleichnamiges Modeunternehmen, um sein geliebtes Kleidungsstück der Masse zugänglich zu machen. Das heutige Polohemd war geboren. Bereits 1939 verließen pro Jahr 300.000 Lacoste-Polos das Lager. Das in Anlehnung an seinen Spitznamen „Alligator“ mit einem Krokodil-Logo bedruckte Oberteil war zum Bestseller geworden – jedoch vor allem abseits des Rasens.

Vom Tennis zur Privatschule

Die französische Marke, die heute angeblich jede Sekunde zwei Produkte mit dem Kultlogo verkauft, inspirierte auch andere Firmen, sich an einer Version des Polos zu versuchen. Zum Start von Wimbledon 1952 brachte der Brite Fred Perry seine Version mit zwei schmalen Streifen auf den Markt. Über zwanzig Jahre später stellte schließlich auch Ralph Lauren sein, dieses Mal mit einer Polospieler-Stickerei versehen, Shirt vor.

Mit den Jahren ereilte das Polohemd jedoch ein Schicksal, wie das vieler anderer Modeklassiker: Es wurde uncool. Sprösslinge reicher Familien, die als Vorbereitung auf Elite-Unis eine weiterführende Privatschule (sog. Preparatory School) besuchten, machten es zum Synonym des spießigen Preppy Looks. Sie trugen Chinohosen, Loafers – und eben Polos. Das Image war endgültig ruiniert, als das Aufstellen des Kragens begann.

Diese modische Unzuordenbarkeit irgendwo zwischen Privatschulen-Look und Lieblingsgarderobe zahlreicher Techno-Fans ließ das Polo zwar nicht von der Bildfläche verschwinden. Eine zentrale Rolle in den Kollektionen spielte es jedoch auch nicht mehr.

Bis zu diesem Winter, als sich zahlreiche internationale Designer entschlossen, dem Polo neues Leben einzuhauchen. Heute erinnert meist nur noch der Kragen an die Ursprünge.

XL-Ausschnitt und knopflos

Und genau das gefällt der Kundschaft: Das US-Label Khaite löste mit seinem Kaschmir-Pulli mit knopflosem Polo-Ausschnitt einen so großen Hype in den sozialen Medien aus, dass der Moderiese Mango den Entwurf flugs kopierte. In Letzterem ließ sich kürzlich Hollywood-Star Katie Holmes blicken. Fazit: Das 120-Euro-Teil war sofort online ausverkauft.

„Durch den Strick fällt der Kragen viel weicher. Dadurch wirkt er nicht mehr so formell“, erklärt Yasemin Demirci, Besitzerin der Boutique Schneeweiss, den aktuellen Trend. „Noch moderner ist, wenn auf Knöpfe am Ausschnitt verzichtet wird und der Kragen weiter fällt.“

Und wie steht es um das klassische Polo à la Lacoste? „Das kann man wieder hervorholen. Jedoch wird es jetzt zu Ketten im Lagenlook und stylishen Jeansschnitten kombiniert.“ Für alle, die neu kaufen, gilt: „Eine Nummer größer nehmen. Dadurch wirkt es wieder cool.“

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