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freizeit Mode & Beauty
02/04/2021

Nachhaltige Diamanten: Wie aus CO2-Emissionen Schmuck entsteht

Wie ein neues Label die Umwelt von Kohlenstoffdioxid befreit – und daraus ökologischere Schmuckstücke produziert.

von Maria Zelenko

Ungefähr 20 Jahre hat die Diamantindustrie noch Zeit, um sich auf das einzustellen, was auf sie zukommt. Geologische Daten zeigen: Bis 2040 wird sich das weltweite Diamantvorkommen so stark reduziert haben, dass 70 Prozent der Diamantminen schließen werden. „Und das ist eine gute Sache“, sagt Ryan Shearman im KURIER-Gespräch.

Der US-Amerikaner war viele Jahre bei einem großen Edeljuwelier tätig, doch die Auswirkungen der herkömmlichen Diamantschürfung auf Umwelt und Menschen waren ihm zunehmend ein Dorn im Auge. Und nicht nur ihm. Die mangelnde Transparenz bezüglich Herkunft und Arbeitsbedingungen in Kombination mit der Tatsache, dass die natürliche Ressource Diamant langsam aber sicher versiegt, hat in den vergangenen Jahren einen neuen Markt für Labordiamanten erschlossen.

Diese sind zwar synthetisch hergestellt, jedoch chemisch ident zu jenen, die über Tausende Jahre hinweg unter der Erdoberfläche heranwuchsen – und gelten als nachhaltigere Alternative.

Fossile Brennstoffe

Möglich macht dies unter anderem die CVD-Methode (Chemical Vapour Deposition), bei der Edelsteine unter hohen Temperaturen in einer Vakuumkammer hergestellt werden. „Das Problem ist jedoch, dass es für diesen Prozess weiterhin eine Kohlenstoff-Quelle braucht“, weiß Shearman. „Und deshalb auf fossile Brennstoffe zurückgegriffen wird.“ Dabei gebe es eine weitere Quelle, wo Kohlendioxid im Übermaß vorhanden – und völlig deplatziert sei: die Luft.

So entstand vor fünf Jahren Shearmans Idee, den weltweit ersten CO2-negativen Diamantschmuck auf den Markt zu bringen. Ende 2020 lancierte er gemeinsam mit seinen Geschäftspartnern Dan Wojno und Robert Hagemann das Label Aether.

Spezielle Technologie

Wie entsteht also ein Diamant aus Luft? „Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich um einen dreistufigen Prozess“, erklärt Shearman. „Zuerst muss der Kohlenstoff aus der Luft extrahiert werden.“ Hier kommt das Direct-air-capture-Verfahren zum Einsatz, bei dem spezielle Filter das CO2 heraussaugen.

Erfindung
Künstlich erzeugt wurde der erste Diamant im Jahr 1953 in einem Labor des US-amerikanischen Konzerns General Electric. Zuvor war man  aufgrund technischer thermodynamischer Probleme lange an der Erzeugung gescheitert. Mit der Entwicklung der apparativen Voraussetzung zur Erreichung hoher Temperaturen bei gleichzeitig sehr hohem Druck gelang die kommerzielle Produktion

Einsatz
Noch bevor die Schmuckindustrie das Potenzial von Labordiamanten erkannte, wurden diese bereits  für die Herstellung von Nanoskalpellen für die Augenchirurgie verwendet. Eines der wichtigsten Anwendungsgebiete ist jedoch die Beschichtung von Bohr- und Fräswerkzeugen. Hinzu kommt Umwelttechnik sowie Luft- und Raumfahrt. Bei Letzterer werden Diamant-Fenster aus Sensoren in Raumfahrtsonden eingesetzt

Mit welchem Partner Aether hierfür zusammenarbeitet, wird nicht verraten: Jedoch gibt es einige Firmen, die sich zuletzt auf diese Technologie spezialisiert haben. Unter anderem machten die zwei deutschen Ingenieure Jan Wurzbacher und Christoph Gebald bereits vor einigen Jahren Schlagzeilen, weil sie mit ihrer Firma Climeworks auf diese Weise das Treibhausgas-Problem beseitigen wollen. In den USA arbeitet das Unternehmen Global Thermostat mit selbigem Prinzip.

Teure Angelegenheit

Im zweiten Schritt verwandelt das Team hinter Aether das herausgesaugte in passendes Rohmaterial für die „Züchtung“ eines Diamanten. Shearman: „Dieses ist die Basis, um in einem Zeitraum von ungefähr vier Wochen im Reaktor einen Diamanten heranwachsen zu lassen.“

Pro synthetisch hergestelltem einkarätigem Diamant schafft es Aether, die Umwelt von ungefähr 20 Tonnen CO2 zu befreien. Zum Vergleich: Österreich lag 2018 mit 9,2 Tonnen CO2-Äquivalente an Emissionen pro Kopf über dem EU-Durchschnitt.

Wer künftig Schmuck aus Kohlenstoff-Atomen aus der Atmosphäre tragen möchte, muss jedoch tief in die Tasche greifen. Aethers Schmuckstücke starten bei umgerechnet rund 6.500 Euro – sind derzeit jedoch restlos ausverkauft. „Wir sehen nachhaltige Kreationen wie diese als den Luxus der modernen Zeit“, sagt Ryan Sherman. „Es gibt eine ganze Generation an Kunden, die nur erwirbt, was zu ihren Werten passt.“

Man wolle mit der Marke Aether in der Schmuckbranche neue Standards setzen. Keine Angst, dass die Konkurrenz die clevere Idee innerhalb kürzester Zeit abkupfern könnte?

„Nein“, sagt der Co-Gründer überzeugt. „Andere werden versuchen, uns zu kopieren. Aber das ist genau das, was wir wollen: Unsere Konkurrenz zu ebenfalls besseren Geschäftspraktiken zum Wohle der Umwelt animieren. “

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