© REUTERS/Jonathan Ernst

freizeit Mode & Beauty
09/23/2020

Das modische Vermächtnis der Ruth Bader Ginsburg

Die verstorbene Höchstrichterin wird posthum auch als Stilikone gefeiert.

von Julia Pfligl

Seit drei Jahren steht dem berühmten „Charging Bull“ in Downtown Manhattan ein kämpferisches Mädchen aus Bronze gegenüber. Selbstbewusst hat es die Hände in die Hüften gestemmt und die Brust nach vorne gestreckt, ein Zeichen des Widerstands gegen die männlich dominierte Finanzwelt. Seit einigen Tagen trägt das „Fearless Girl“ einen weißen Spitzenkragen.

 

Eindrucksvoller hätte man der am Freitag verstorbenen Höchstrichterin und Gleichberechtigungsikone Ruth Bader Ginsburg, einer der furchtlosesten Frauen der jüngeren amerikanischen Geschichte, in ihrer Heimatstadt kaum huldigen können. Im Laufe ihrer langen Richterkarriere – Bader Ginsburg wurde 1993 von Bill Clinton an den Supreme Court bestellt – zeigte sich die zierliche Juristin mit unzähligen Kragen in allen Farben und Formen, darunter auch klassische  "Jabots“, Volants aus weißer Spitze, die im 17. Jahrhundert an Männerhemden genäht wurden.

Doch die Accessoires waren für sie mehr als eine modische Spielerei, ein bunter Farbtupfer in einem Meer aus schwarzen Uniformen. Die klassische  Richterrobe sei für Männer gemacht, erklärte Bader Ginsburg 2009  in der Washington Post, denn sie ließe oben etwas Platz für Hemd und Krawatte. „Also dachten Sandra Day O’Connor (ehemalige Supreme-Court-Richterin, Anm.) und ich, dass es angebracht sei, etwas typisch Weibliches in die Robe zu integrieren. Deswegen habe ich viele, viele Kragen.“

Markenzeichen mit Botschaft

Ihre Kragen und Halsketten kamen aus allen Ecken der Welt und hatten verschiedene Bedeutungen, erklärte RBG 2014, als sie die Journalistin Katie Couric durch ihre Garderobe am Supreme Court führte. Legendär ihr „Dissent Collar“, eine Halskette aus spitzen Metallstäben, die sie aus dem Schrank kramte, wenn sie mit einem Urteil nicht d’accord ging. (Und am Tag nach Donald Trumps Wahlsieg 2016 – an einen Zufall glaubt bis heute  niemand.) Ein goldenes Exemplar, gehäkelt und mit Perlen versehen, signalisierte hingegen ihre Zustimmung im Court. 

„Ihre Kragen waren ihre Waffe“, kommentierte die Modeexpertin Vanessa Friedman in der New York Times, als eine der ersten „Karrierefrauen“ habe RBG vorgemacht, dass feminine Kleidung und Macht kein Widerspruch seien.  Zeitlebens war sie  gewohnt, als Frau hervorzustechen; da konnte sie ihre Kleidung auch gleich dafür benutzen, um Botschaften anzubringen. Ihre Vorliebe für Kragen und Ketten war bald im ganzen Land bekannt, sodass ihr Fans eigene Kreationen schickten – die RBG ebenso ausführte.

Dass die zweifache Mutter ein Faible für Mode hatte, zeigte sich auch, wenn sie die Richterrobe abstreifte:  Aufwendig bestickte Mäntel fanden sich in ihrer Garderobe ebenso wie bunte Seidentücher, Statement-Ohrringe und schwarze Fischnetz-Handschuhe, mit denen sie im Time Magazine als eine der 100 einflussreichsten Personen des Jahres 2015 abgebildet wurde.

Vor einem Jahr, mit 86, absolvierte sie einen Auftritt in silber-glitzernden High Heels. Nicht auffallen, das war für „the notorious RBG“ auch im hohen Alter keine Option.

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