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freizeit Mode & Beauty
06/20/2020

Bestseller: Diese Beautyprodukte halfen Österreich durch die Krise

Die altbekannte Annahme, dass Frauen in der Krise mehr Lippenstift kaufen, wird aktuell auf den Kopf gestellt.

von Maria Zelenko

„Wenn es schwierig wird, kaufen Frauen Lippenstift“ – so fasste Leonard Lauder 2001 seine Beobachtungen des Kosmetikmarkts nach den Anschlägen auf das World Trade Center zusammen. Der damalige Vorstandsvorsitzende des Beautykonzerns Estée Lauder hatte bemerkt, dass diese Produktkategorie in wirtschaftlich schwierigen Zeiten besser denn je performte.

Es war die Geburtsstunde des sogenannten Lippenstift-Index, der seitdem als alternativer Wirtschaftsindikator galt. Mit der Corona-Pandemie hat die Welt nun fast zwei Jahrzehnte später erneut eine Krise zu bewältigen. Eine, die dem Lippenstift jedoch nicht den von Lauder postulierten Aufschwung gebracht hat.

Lust auf andere Masken

Laut dem Marktforschungsunternehmen Nielsen sind hierzulande die Umsätze beim Make-up-Klassiker während des Lockdowns um 56,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Der Rewe-Konzern bestätigt auf KURIER-Anfrage einen Rückgang in diesem Bereich.

Auch die Versandhändler beobachteten zuletzt deutliche Veränderungen: „Bei uns ist generell die Make-up-Kategorie prozentual gesunken“, verrät Marlene Lucian, Buying Director beim Onlineshop niche-beauty.com.

Der Grund für das getrübte Interesse am Lippenstift und anderer dekorativer Kosmetik liegt auf der Hand: In Zeiten der Mundnasenschutzpflicht hätte sowieso niemand gesehen, dass man endlich den perfekten Rot-Ton gefunden hat.

An Beauty-Lustlosigkeit leidet die Frauenwelt jedoch keineswegs. Die aktuelle Nielsen-Analyse zeigt: Bei Pflegemasken stieg die Nachfrage nach Beginn des österreichischen Lockdowns um satte 53,9 Prozent. Clinique erfreute sich an „überraschend erfreulichen Zuwächsen bei Pflege-Klassikern und Gesichtsreinigung“, heißt es vonseiten der österreichischen Geschäftsleitung.

Niche-beauty.com verzeichnete bei Gesichts- und Körperpflege ebenso einen „starken Trend nach oben“. Der Lippenstift-Index scheint sich also zum Hautpflege-Index gewandelt zu haben.

Angstbewältigung

Die Tatsache, dass ausgerechnet Hautpflege einen Boom erfahren hat, zeige laut Psychoanalytikerin Katrin Wippersberg, dass das Einschmieren auch einen tieferen Sinn erfüllt: „Die Haut ist ein wichtiges Sinnesorgan. Berührungen haben auch viel mit Beruhigung zu tun“, sagt die Expertin.

In Zeiten, in denen die Welt etwas bedrohlicher wirkt, könne diese vermehrte Befassung mit sich selbst zur Angstbewältigung dienen.

„Die meisten hatten während des Lockdowns auch mehr Zeit, sich mit sich selbst zu beschäftigen – den eigenen Körper vielleicht auch wieder liebevoll in den Mittelpunkt zu stellen, sich etwas Gutes zu tun und sich dadurch auch mit scheinbar oberflächlichen Dingen wie der Schönheitspflege zu befassen.“