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freizeit Mode & Beauty Beauty
07/21/2020

Neunziger-Sünde: Das Permanent Make-up kehrt zurück

Die einst gehypte Behandlung gewinnt wieder an Popularität – sogar als Foundation-Ersatz.

von Maria Zelenko

Dunkel umrandete Lippen, dicke Lidstriche und balkenförmige Augenbrauen – der Begriff Permanent Make-up löst bei vielen Assoziationen zu den Neunzigerjahren aus. Obwohl zu diesem Zeitpunkt keine komplett neue Beauty-Behandlung, erfuhr die kosmetische Tätowierung damals einen noch nie da gewesenen Boom. Mit teils unschönen Nebenwirkungen: In den Siebzigerjahren noch meist in Tattoo-Studios ausgeführt, wurden die Konturen später vornehmlich von Beauty-Salons durchgeführt. Ein natürliches Ergebnis lieferten die Geräte und Farbpigmente sowohl bei den einen als auch den anderen häufig nicht.

„Ich habe im Zuge meiner Arbeit sehr viele abschreckende Beispiele für Permanent Make-up gesehen“, sagt die Visagistin Denise Abdel-Kader zum KURIER. „Das war schließlich auch der Anstoß, mich selbst in diesem Bereich ausbilden zu lassen.“

Wie echte Haare

Seit über drei Jahren bietet die Wienerin neben klassischem Make-up nun auch die dauerhafte Verschönerung des Gesichts an. Bei rund der Hälfte ihrer Kundinnen muss sie misslungene Ergebnisse, die teils Jahrzehnte zurückliegen, korrigieren. „Alle Farbpigmente, die früher unter die Haut gebracht wurden, enthielten Schwermetalle“, erklärt die 30-Jährige. „Mit der Zeit verfärbten sie sich dann blau oder grau.“

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Auch in Sachen Technik ging laut der Expertin früher einiges schief: „Früher gab es quasi nur eine Augenbrauenform. Und die hat dann jede bekommen. Heute haben Individualität und Natürlichkeit oberste Priorität.“ Abdel-Kader passt deshalb nicht nur die Farbpigmente für jede Kundin individuell an, sondern analysiert vorab auch die Wuchsrichtung, um dann hauchdünne Härchen an den gewünschten Stellen zu tätowieren. Das Endergebnis soll kaum von echten Haaren unterscheidbar sein.

Permanent Make-up hat jedenfalls einen neuen Höhepunkt auf der Popularitätsskala der Beautybehandlungen erreicht. Nur eben unter einem klangvolleren Namen: Wer sich jetzt seine Augenbrauen aufhübschen lassen will, fragt bei der Terminvereinbarung nach Microblading – benannt nach den hauchdünnen Klingen, die statt einer Maschine die Farbe dauerhaft in die Haut einbringen und dadurch besonders natürliche Ergebnisse liefern können.

Bye-bye Foundation

Ursprünglich stammt die Methode aus dem asiatischen Raum, wo dieser Tage die meisten Beautytrends ihren Ursprung finden. So auch eine Behandlung, die der Schönheitschirurg Ben Gehl in seiner Döblinger Praxis anbietet. Beim sogenannten BB Glow (BB steht für das kaschierende Hautprodukt Blemish Balm bzw. Beauty Balm) wird eine Kombination aus Hyaluronsäure und Farbpigmenten mit einem mit dünnen Plastiknadeln versehenen Stiftgerät ins Gesicht eingebracht. Ziel ist ein frischeres Hautbild für bis zu sechs Monate.

Popularität
Auch wenn  es diesen Namen erst später erhielt: Permanent Make-up war schon bei den japanischen Ureinwohnerinnen beliebt, die sich die Lippen dunkel tätowierten. Zu einem Pulver verriebene Holzkohle diente als Farbpigment

1910
Schon damals ließen sich Frauen ihre Gesichter tätowieren, hielten es jedoch wegen mangelnder sozialer Akzeptanz geheim. Erst ab den Siebzigerjahren ist Permanent Make-up zunehmend Teil des Mainstreams. Viele Tätowierer machten jedoch nicht korrigierbare Fehler

Wer will, kann sich nicht nur einer Foundation ähnelnde Farbpigmente einarbeiten lassen, sondern sogar die Wangen mit semi-permanentem Rouge auffrischen lassen. Die Hyaluronsäure sorgt zusätzlich für prallere Haut.Farbpigmente, die großflächig über Monate hinweg unter der Gesichtshaut verbleiben – kann das gesund sein? „Ich diskutiere dieses Verfahren selbst sehr kritisch. Im Grunde handelt es sich bei der Bezeichnung BB Glow um einen Marketing-Gag aus Asien“, sagt Gehl offen. „Ich überlege eine Umbenennung.“

Nicht jeder Person, die sich für das trendige Treatment interessiert, empfiehlt der Wiener Chirurg dieses auch. „Es macht nur Sinn, wenn sich jemand sowieso kaum schminkt und sich nur einen natürlichen Glow wünscht.“ Hauptindikation seien jedoch Tränenrinnen, die bei vielen dunkel unterlaufen sind. Hier könne man mit der Kombination aus Hyaluronsäure und Farbpigmenten gut gegensteuern.

Der Knackpunkt liegt laut Ben Gehl, ebenso wie für Denise Abdel-Kader, in den Farbpigmenten. „Wir lassen unsere, die von der Qualität Lebensmittelfarben ähneln, vom Apotheker mischen und bringen sie nicht zu tief in die Haut ein.“ Bei unbekannten Herstellern online bestellte Produkte könnten Eisen enthalten, welches in die Lymphen wandern und so zu Problemen führen kann. „Und damit tut man den Patienten erst recht nichts Gutes.“

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