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freizeit
03/25/2019

Mitten im Frühling: Top 5 - hier ist die volle Blüte weiter voraus

Die freizeit hat mit Klima-Experten fünf Plätze in Europa gefunden, an denen die Blütenpracht viel weiter ist als anderswo. Eine Reise von Bordeaux über den Schwarzwald, Südengland bis Oberitalien und in die Steiermark.

von Annemarie Josef

Die Kirschbäume entlang der Strecke vom Flughafen in die Innenstadt von Bordeaux blühen schon rosa, Ginster und Macchia sind voll dabei und feurig gelb“, schreibt Yasmin aus Bordeaux.

 Die Französin lebt und arbeitet dort und die Freude über bereits blühende Narzissen,  Hyazinthen und Primeln in ihrem Garten ist schon seit Wochen groß. „Auch mein Kamelien-Strauch ist richtig prachtvoll mit seinen dicken rosa Blüten.“ Damit bestätigt sie die Auskunft des Expertenteams der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG): Ihre Daten zeigen, dass der Frühling in und rund um Bordeaux stets früher dran ist als an den meisten  anderen Orten innerhalb der gemäßigten Klimazone in Europa.

Bordeaux: 2.040 Sonnenstunden pro Jahr

Die Weinbauregion Bordeaux, am Südrand der gemäßigten Klimazone und nahe beim Atlantik gelegen, profitiert vom subtropisch-maritimen Einfluss. Ein Hit: Mit 2.040 Sonnenstunden pro Jahr ist Bordeaux Spitzenreiter unter den französischen Regionen – abgesehen vom Mittelmeerraum und einzelner Gebiete an der Atlantikküste. Pinienwald schützt vor den Seewinden. Das ist gut für den Wein (etwa vom Chateau Palmer, gelegen an der berühmten Weinstraße von Bordeaux bis Margaux) – und natürlich für die frühe Blüte. „Es kann zwar im Winter auch sehr kalt werden, aber meist sind die Temperaturen weit vom Nullpunkt entfernt“, so der Experte von der Hohen Warte. Die Hafenstadt selbst liegt 45 Kilometer vom Meer entfernt, verbunden durch die Garonne. Wer die Stadt Bordeaux besucht, promeniert, picknickt und flirtet am  Flussufer der Garonne oder im Le Jardin Public, ein grünes Paradies mit Wiesen, alten Bäumen und Frühlingsblumen.        

Süd-, Südwestengland: Milde Winter und warme Ströme

„Erdbeeren im Frühling“, so der Titel einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung. Das passt gut. Denn  in Südwestengland, Hauptschauplatz der Romantik-Hits, ist das Klima besonders freundlich. Sogar karibisch anmutende Strände mit Palmen sind hier zuhause. Experte Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie: „Die Winter sind mild, es gibt kaum Frost. Vor allem die Lage von Plymouth und Umgebung ist  durch den Nordatlantikstrom und 1.730 Sonnenstunden jährlich begünstigt.“  Ideal für einen schnelleren bunten Frühling. Denn so hat die  Sonne ab März leichtes Spiel,  die Blüten nach draußen  zu locken.  

Gardasee: Wärmespeicher und Schutz vor Winden

Blaues Meer, blauer Himmel, rosa Pfirsichblüten, Tulpen und Narzissen. Der gefühlte Frühling am Gardasee ist längst da. Und im April und Mai können die Temperaturen bereits auf sommerliche 20 Grad steigen. Der Gardasee liegt nur 65 Meter über dem Meeresspiegel, die Seetiefe bei 346 Metern. ZAMG-Klimatologe Andreas Orlik: „Das hilft, Wärme zu speichern. Zusammen mit den Alpen im Norden, die vor kalten Winden schützen, ist so ein schnellerer Frühling begünstigt.“ Zudem profitiere die Gegend vom sub-mediterranen Klima, das entfernte Mittelmeer bringt warme Luft. Und die Anzahl der Sonnenstunden im Jahresschnitt sind auch top: 1.850.    

Freiburg: Im Schutz von Vogesen und Schwarzwald

Am Oberrhein, an der Grenze zu  Frankreich, herrscht besonders günstiges Klima für Forsythie, Tulpe und Apfelbüte.  Die Gegend rund um die Universitätsstadt  im Schwarzwald  ist mit 1.850  Sonnenstunden im Jahr und milden, fast frostfreien  Wintern dem Frühling  näher als alle anderen  Orte und Regionen Deutschlands. Das bringt mit der Mohnblüte (wie hier beim Colombischlössle) auch rasch den Sommer herbei, der war 2018 bereits im Jahrhundert-April da – der wärmste seit 200 Jahren. Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie: „Das Rheintal entlang der französischen Grenze profitiert  vom atlantisch-ozeanischen Einfluss, dem Schutz der Vogesen und des Schwarzwalds.“

Bad Radkersburg: Der tiefst gelegene Ort Österreichs

Das weiß natürlich jeder Österreicher: In der Steiermark ist es übers Jahr gerechnet wärmer als in allen anderen Regionen. Was nicht jeder weiß: Vor allem zwei Orte sind begünstigt, für einen schnelleren Frühling: Bad Radkersburg an der Mur und die steirische Landeshauptstadt Graz. Die Stadt (mit durchschnittlich 1.990 Sonnenstunden jährlich), weil sie die Wärme speichert und Bad Radkersburg mit 1.980 aufgrund seiner Lage.  Es ist das steirische Randgebirge, das schützt. ZAMG-Experte Alexander Orlik: „Noch entscheidender ist aber die geringe Höhenlage.  Bad Radkersburg beziehungsweise etwas weiter östlich ist der tiefst gelegene Ort  der Steiermark.“  

Schon längst Frühling

In Bordeaux, im Schwarzwald, Südwestengland, Oberitalien und in der Steiermark  schreitet der Frühling rascher voran. In den geschützten Lagen dieser Landstriche ist die Blüte zum Teil schon seit Wochen  voll im Gange.

Wo kommt der Frühling her?

Gemeinsam mit der freizeit  haben sich die Klimaforscher von der Hohen Warte Wien auf die Suche nach Landstrichen innerhalb unserer Breiten begeben, um herauszufinden, wo der Frühling am schnellsten hereinspaziert.  Bordeaux gehört dazu. 

Außerdem  wollen wir wissen: Wo kommt der  Frühling eigentlich her? Ganz aus dem Süden natürlich. Genauer aus dem  Südwesten. Im portugiesischen Faro beginnt die beliebte Jahreszeit bereits Ende Februar, um dann weiter in nördliche Richtung zu ziehen. Bis Mitte April erreicht er die Oberrheinische Tiefebene, also  die Gegend bei Freiburg, um einen Monat später die Apfelblüte in Finnland anzustoßen. Dank Wetterstatistik lässt sich  berechnen: Im Schnitt ist der Frühling  mit einem Tempo von 40 Kilometern pro Tag durch Europa unterwegs.

Spring has sprung

Auch Südwest- und Südengland profitieren von ihren Wintern über null Grad. Ein E-Mail von Michele, die an Englands Südküste wohnt, belegt: „Ja, nach einem relativ milden Winter, hat der Frühling schon vor einer Woche Einzug gehalten. Die goldgelbe Narzissenpracht ist überall zu sehen. Spring has sprung!“ Und auch frühe Purpur-Orchideen und Buschwindröschen leuchten ihr schon seit Tagen  entgegen.

 „Dort, wo die kräftige Frühlingssonne direkt auf Boden und Pflanze trifft, kommt schnell etwas in Bewegung, wenn die Pflanzen sich nicht zu weit in die Erde zurückziehen mussten, weil die Winter zu frostig waren“, bestätigt auch Phänologe Thomas Hübner.

Die beste Lage bringt Sonne und Schutz

Das trifft auf alle  fünf hier ausgesuchten Orte und Regionen zu, die den Frühling schneller als anderswo willkommen heißen. Nach Süden ausgerichtete sonnige Lagen, windgeschützt durch Berge oder Wälder und eher tief gelegen, nimmt der Frühling die Einladung zu bleiben  dort lieber an als anderswo: Dazu gehören neben Südwestfrankreich und Südengland auch der   Gardasee in Oberitalien und die Steiermark. Ihnen allen ist gemeinsam: milde Winter, viel Sonne und natürlicher Schutz vor kalten Winden.

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