© Felix Amsel/Penguin Verlag

freizeit
04/25/2019

Meike Winnemuth: "Der Garten lehrt mich Geduld."

Wie es ist, wenn eine Anfängerin gärtnert, beschreibt die Bestsellerautorin Meike Winnemuth in einem neuen Buch.

von Gabriele Kuhn

Sie hatte „große Pläne und kleine Ängste“, als Meike Winnemuth, Autorin und Journalistin, wieder einmal Neuland betrat. Diesmal: ein Jahr im Garten leben, Gemüse anbauen, Bäume pflanzen, Wurzeln schlagen. Ein Selbstversuch.

Zu Beginn des Abenteuers hatte sie kaum Ahnung, aber viel Hoffnung. Was sie in ihrem 48 m² kleinen Gartenhaus mit 800 m² Grünfläche an der Ostsee erlebte und fühlte, beschreibt sie in ihrem „Logbuch eines Gartenjahrs“: "Bin im Garten. Ein Jahr wachsen und wachsen lassen." (Penguin-Verlag). Ein „Versuch, das Unbeschreibliche zu beschreiben: die Freude, das Staunen, die tiefe Verbundenheit mit einem kleinen Fleckchen Erde, das bis zum Himmel reicht.“ Winnemuths Conclusio: „Der Garten zieht alle Stecker raus und verstöpselt einen neu.“ Dabei lernte sie nicht nur mit Gartenwerkzeugen umzugehen, sondern auch, sich selbst zu versorgen: „Ich nähre mich aus eigener Kraft. Aber wichtiger noch: Ich sorge für meine Kraft.“ Selbstversorgung versteht sie nun als Selbstfürsorge. Die Autorin im KURIER-Gespräch.

Sie schreiben in Ihrem neuen Buch: "Ein Jahr Gärtnern hat nicht nur den Garten, sondern auch die Gärtnerin verändert". Wie hat sich dieses Jahr auf Ihre Persönlichkeit bzw. auf die "Seele" ausgewirkt?

Ich glaube, jede intensive Beschäftigung mit einem neuen Feld verändert einen ganz automatisch. Im Fall des Gartens bin ich, wie meine beste Freundin behauptet, gnädiger geworden. Ich denke, sie meint: nachsichtiger, geduldiger. Mit mir und mit der Welt im Allgemeinen. Ich bin zur Ruhe gekommen. Das erste, das der Garten einen lehrt, ist Geduld. Die Dinge brauchen ihre Zeit zum Wachsen, und das ist eine verdammt gute Lektion für Leute, die immer sofort ein Ergebnis sehen wollen.

Was haben Sie in Ihrem ersten Gartenjahr über die Natur gelernt?

Dass sie der beste Arbeitgeber der Welt ist. Denn in Wirklichkeit geht der Gärtner der Natur ja bestenfalls zur Hand. Sie lässt wachsen, und man bemüht sich, nicht allzu viel dazwischenzupfuschen. Ich bin voller Bewunderung für den Einfallsreichtum der Natur. Wieviele verschiedene Spielarten von Schönheit sie hervorbringt, ist atemberaubend.

Es heißt ja immer, Leben im Grünen, mit Pflanzen, in der Natur, macht glücklich und gesund - können Sie das bestätigen?

Ich habe tatsächlich ein sehr glückliches Jahr hinter mir. Das hat auch viel damit zu tun, dass jeder Tag anders war. Man erlebt ja sehr unmittelbar die Veränderung, den steten Wandel. Morgens gehe ich im Pyjama in den Garten und entdecke hier ein neues Blatt und dort eine neue Blüte. Es ist jeden Tag eine neue Freude.

Sie wollten „Wurzeln schlagen, Boden unter den Füßen gewinnen“. Ist das gelungen?

Ja. Ich glaube, Heimat muss man sich schaffen. Die muss man bauen, und das gelingt im Garten natürlich fantastisch. Man gräbt sich da regelrecht ein, schafft eine neue Welt und damit auch ein Zuhause, das maßgeschneidert auf einen ist. Das erdet ungemein.

Buchtipp: "Bin im Garten. Ein Jahr wachsen und wachsen lassen", Meike Winnemuth, Penguin-Verlag, € 22,70


 

 

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