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freizeit
01/26/2020

Luxus im Schnee: Ein Edelberg namens Arlberg

Nirgendwo sonst hat sich der Winter seinen Namen mehr verdient. Die Skiorte Lech und Zürs verfügen noch immer über den Zauber der vierten Jahreszeit.

von Barbara Reiter

Vergangenen Samstag war ganz Lech im Renn-Fieber. Es dauert zwar noch, ehe der Skiweltcup kommenden November nach 26 Jahren in die Gemeinde, genau gesagt nach Zürs zurückkehrt, das prestigeträchtige „Weiße-Ring-Rennen“ lockt  dafür Jahr für Jahr an die tausend Skisportfans ins noble Alpendorf. Dieses Mal machte der Nebel den ambitionierten Hobbysportlern in letzter Sekunde einen Strich durch die Rechnung. Das Rennen musste abgesagt werden, da im Notfall kein Rettungshubschrauber hätte starten können. „Sicherheit geht vor“, meinte Lech-Zürs-Tourismus-Chef Hermann Fercher.  Eine Party fand als Trost aber trotzdem statt.


 

Eine Woche später zeigt sich der berühmteste Ort am Arlberg wieder von seiner freundlichsten Seite. Bilderbuchwetter – und  der Schnee, das weiße Gold,  das sich in den vergangenen Tagen erneut sanft über die Häuser und Berge gelegt hat, funkelt  wie eine mit Tausenden Brillanten besetzte Tiara im Sonnenlicht. Der Pistenzustand wird von den Verantwortlichen derzeit wohl mit dem schönsten Wort beschrieben, das ein Skisportler kennt: Pulver! Nirgendwo hat sich der Winter in Österreich seinen Namen mehr verdient als hier. Das macht seit jeher die Anziehungskraft des Vorarlberger Skiortes aus – oder wie Hermann Fercher seinen Schützling beschreibt: Es ist eine Art Refugium für „private luxury moments“.
 

 Der Lecher Luxus hat viele Gesichter. Eines davon ist das des Sporthauses Strolz, dessen Besuch bei jedem Lech-Urlaub Pflicht istAuf mehreren Etagen findet der Fashion-Aficionado alles, was sein anspruchsvolles Herz begehrt. Alleine die Auslagen des Geschäfts erinnern in ihrer Gestaltung an ein Modemagazin der Kragenweite „Vogue“. Die Auslagen muten an wie Geschichten, die derzeit davon erzählen, dass der gute, alte Skioverall ein Revival erlebt – modern serviert mit Glitzer an Strass und Glamour an Pelzkragen. An den Füßen tragen die Schaufensterpuppen die „Louboutins“ des Skisports, die man hier  Express über Nacht anfertigen lassen kann – im Kleid  des berühmten Maß-Skischuhs des Hauses, der für wohlfeile 1.000 Euro zu haben ist. Ein Körberlgeld freilich für viele der illustren Gäste, die hier einkaufen.

Luxus auf mehreren Etagen: Sporthaus Strolz in Lech

Der Maßskischuh kostet rund 1.000 Euro

Direkt an der Straße, fünf Gehminuten vom Sporthaus entfernt in Richtung Zürs, liegt das legendäre Hotel Post. Das Fünf-Sterne-Haus bietet jede Menge Luxus und gerne auch prominenten Gästen Unterschlupf. Seit 1959 urlaubt hier die niederländische Königsfamilie, die längst mit Familie Moosbrugger befreundet ist.  Erst vergangene Woche machte ein anderes gekröntes Haupt hier Halt. Marcel Hirscher, achtfacher Gesamtweltcupsieger, Olympiasieger und Weltmeister, stattete dem Arlberg einen Kurzbesuch ab, um bei einem Talk von seiner Karriere zu erzählen und beim Skifahren hoch am Berg Gams und Steinbock „Ski Heil!“ zu sagen.

Die niederländischen Royals urlauben jeden Winter in Lech. Das Hotel ihrer Wahl ist die "Post"

Beatrix liebt Wanderungen

Königin Maxima und König Willem-Alexander auf der Piste

Die „Post“ ist längst nicht das einzig noble Haus im Ort. Quert man die Straße Richtung Tannberg, reiht sich dort ein Luxushotel an das andere. Den Anfang macht das „Arlberg“, auf dessen Wiese für diese Saison ein neuer Hotspot Heimat gefunden hat. „The Yurt“ ist ein handgemachtes kirgisisches Nomadenzelt, in dem bis zu 35 Personen mit Cocktails, Champagner und erlesenen Weinen verwöhnt werden. „Wir haben uns ein bisschen in der Welt umgesehen“, erzählen die Initiatoren Zayad Shah und Oliver Böckl. „Da haben wir dieses Konzept entdeckt und nach Lech gebracht.“ Nach der Saison zieht die „Yurt“ weiter und kehrt hoffentlich nächsten Winter zurück.

Oberhalb des Hotel Arlberg liegt der noble Almhof Schneider, geht man noch ein Stück weiter, entdeckt man ein Kleinod, das sich als teuerstes Skihotel der Welt entpuppt. Rund 2.000 Euro pro Zimmer zahlen Gäste  in der Hochsaison im Hotel Aurelio pro Nacht. „Trotzdem kann man hier um einen normalen Preis auf unserer  Sonnenterrasse einen Cappuccino trinken“, betont  Hoteldirektor Axel Pfefferkorn. „Es geht auch bei unseren Zimmern weniger ums Geld, als viel mehr darum, was Gäste von uns erwarten und was wir bieten. Danach richtet sich der Preis.“
 

Der gebürtige Lecher, der einer bekannten Hoteliersfamilie entstammt, leitet das Haus des russischen Oligarchen Oleg Deripaska seit vielen Jahren und sorgt so dafür, dass die Arlberger Gastlichkeit  großgeschrieben wird. Schauspieler Hugh Grant machte davon ebenso schon Gebrauch wie Ex-US-Außenminister John Kerry. Vom Hoteldirektor selbst erfährt man über seine prominenten Gäste freilich nichts.  „Diese Menschen führen ein  Leben im Scheinwerferlicht. Wenn sie Urlaub machen, wollen sie verständlicherweise nicht angestarrt oder fotografiert werden. Lech ist dafür  bekannt, dass genau das bei uns möglich ist.  Deswegen kommen auch viele internationale Gäste und Prominente  zu uns.“  Einzig und allein die niederländische Königsfamilie stellt sich bei ihrem jährlichen Urlaub offiziell einem Fototermin. Danach ziehen die Royals, allen voran Königin Maxima und König Willem-Alexander, unbeobachtet von der Öffentlichkeit  wie jeder andere Gast ihre Schwünge über die herrlich präparierten  Pisten.


 

Der Arlberg ist das größte zusammenhängende Skigebiet Österreichs und eines der fünf größten Skigebiete der Welt. Neben Lech gehören auch St. Anton, St. Christoph, Stuben, Schröcken, Warth und natürlich Zürs  dazu. Die kleine, nicht minder exklusive Schwester von Lech befindet sich vier Kilometer entfernt auf 1.717 Metern über der Adria und liegt damit noch 273 Meter höher als Lech.

Hier thront, sozusagen als Hotspot des Ortes, das ehrwürdige Hotel „Zürserhof“. Dessen Erst-Besitzer, ein gewisser Graf Tattenbach, beherbergte  bereits in den Zwanzigerjahren nach englischem Vorbild „paying guests“. Was den adeligen Hotelier damals schon von der noch kleinen Konkurrenz unterschied, waren sein Weitblick und seine Eleganz. „Er stattete den „Zürserhof“ als einziges Haus am Arlberg mit exklusiven Privatbädern aus“, heißt es in den Zürser Chroniken –  Goldarmaturen inklusive.
 

Graf Tattenbach, dessen Porträt bis heute in den Gängen des Hotels zu bewundern ist, wurde erst kürzlich wieder zum Leben erweckt. Hannes Skardarasy, der den „Zürserhof“ mit seiner Frau  Laura in dritter Generation führt, hat gemeinsam mit der Wagramer Weinmanufaktur Strobl die „Privatwein Edition Tattenbach“ herausgebracht. „Als Hommage an die Pioniere der Gastlichkeit“, wie Skardarasy sagt. Sein Großvater Ernst, der den „Zürserhof“ 1955 vom Grafen erwarb, war ebenfalls ein Pionier. Der begnadete Skifahrer wurde 1934 als Vertreter der Skischule Zürs nach Australien eingeladen, um dort Unterricht zu geben. So hat er den Skisport in die große, weite Welt gebracht. Heute kommt die große, weite Welt nach Zürs Lech und findet hier nicht nur ein Mekka des Skilaufs, sondern auch der Kulinarik vor.

Der kleine Appetizer: Im „Zürserhof“ findet man mit einer Auswahl von 200 verschiedenen Sorten aus aller Welt wohl das berühmteste Käsebuffet am ganzen Arlberg. Der Region hat  der Gourmetführer „Falstaff“ übrigens – wohl zurecht – den Namen Weltgourmetdorf verpasst.
Die meisten Haubenlokale Lech und Zürs  haben im internationalen Vergleich nämlich die  höchste Dichte an Haubenlokalen vorzuweisen. Beeindruckende 51 „Gault-Millau“-Hauben wurden 2020 nach Lech Zürs vergeben, insgesamt sind das 22 Haubenlokale in der  Gemeinde, drei davon dürfen sich sogar mit vier Hauben schmücken.
 

Das berühmte Käsebuffet im Zürserhof stellt 200 Sorten aus der ganzen Welt zur Auswahl

Zu den traditionellen Zimmern haben sich moderne dazugesellt

Urige Gemütlichkeit in Zürs

Die Z-Lounge wurde ebenfalls neu gestaltet

 Aufbruch zum Spitzen-Kulinarik-Trip am Berg. Am „Rote Wand Chef’s Table“ ist ‚Klassenvorstand‘ Max Natmessnig  im 1780 erbauten alten Zuger Schulhaus am Werk. Dort kredenzt er seinen Gästen   von Dienstag bis Samstag ein 16- bis 19-gängiges Menü um 209 Euro pro Person. Im „Aurelio“ in Lech, ebenfalls vier Hauben schwer, schwingt im  „Gourmet Restaurant“ Christian Rescher den Kochlöffel. Was hier auf den Teller kommt, verwöhntnicht nur geschmacklich, sondern auch optisch. Die letzte Station der Arlberger Vier-Hauben-Tour führt nach Oberlech in die „Griggeler Stuba“ im „Burg Vital Resort“. Dort war bis vergangenen April 18 Jahre lang  Thorsten Probost Chef  über Herd und Hauben. Danach  übernahm sein Wegbegleiter Matthias Schütz.


 

Die Kreation "Wald und Wiese", ein Pilz-Dessert, wurde von ...

... Drei-Hauben-Koch Christian Rescher für das Restaurant "Aurelio" kreiert

In Oberlech ist übrigens auch Olympiasieger und Weltmeister Patrick Ortlieb daheim und führt dort mit seiner Frau Kathrin das Hotel Montana. Er ist einer von vielen ehemaligen Skistars, die in der Gastronomie und Hotellerie eine neue Aufgabe gefunden haben. Neu in der Riege ist Ex-Slalomläufer Kilian Albrecht, der erst in dieser Saison sein Apartmenthaus „W52Apartments“ in Warth eröffnet hat. Die Chancen, dass man ihn im zugehörigen „Killis Bistro“ antrifft, sind groß. Außer, der als Berater tätige Exsportler ist mit seinem Schützling Mikaela Shiffrin gerade irgendwo im Ski-Weltcup unterwegs. Skistars zum Anfassen quasi.
 

Patrick Ortliebs Skilodge Oberlech Hotel Montana

Kilian Albrecht hat nun sein Apartmenthaus "W52" eröffnet

Von hier aus könnte man eigentlich mit den Skiern sofort zu seinem Ex-Kollegen Mario Matt in St. Anton aufbrechen. Seit in der Saison 2016/17 die Flexenbahn eröffnet wurde, ist der Ort nämlich mit dem restlichen Arlberg und damit auch mit St. Anton verbunden. Der Olympiasieger und Doppelweltmeister betreibt dort seit 2009, also schon seit seiner aktiven Zeit, das „Krazy Kanguruh“, das ihm auch gehört. „Das Lokal  gibt es seit 1965 und es war die erste Après-Ski-Bar am Arlberg“, erzählt uns Matt bei  unserem Einkehrschwung in seinem Lokal. „Kehre 27“ steht auf einem Schild, das man auf einer der Ski-Abfahrten auf St. Antoner Seite passiert. Damit ist der Standort des  verrückten „Kanguruhs“ gemeint. Gemeinsam mit Freundin Andrea steht Matt, so er sich nicht gerade um seine Pferdezucht kümmert, in seinem Lokal und zapft Bier. Sein Blick schweift immer wieder hinaus in den Schnee, der ihm so viele Siege, aber auch schwere Stunden beschert hat. "Wenn es wieder Pulver gibt", sagt er, "nehm' ich mir am Vormittag frei."

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