© Mee Schmid Plantlady

freizeit
04/24/2019

Zimmerpflanzentrend: Darling, ich bin im Dschungel!

„Plantfluencer“ machen Zimmerpflanzen sexy. Die Indoor-Grünoasen sind aber viel mehr als das: Eine Oase des Glücks!

von Gabriele Kuhn

Das Netz sprießt und blüht, die neuen Social-Media-Stars heißen Monstera deliciosa, Geigenblattfeige oder Sanseveria. Indoor-Garden, auf Deutsch „Drinnengärten“, sind vor allem bei den Millennials beliebt, den zwischen 1980 und 1990 Geborenen. Eine Generation, die sich zwischen Burnout und Selbstverwirklichung hin- und hergerissen fühlt. Wir haben mit drei Menschen gesprochen, für die ihr urbaner Dschungel mehr als nur ein Trend ist.

Miriam Schmid, 41: Die  Online-Shop-Managerin aus Luzern besitzt mehr als 250 Zimmerpflanzen. Ihren Urban Jungle zeigt sie auf Instagram als „Mee Schmid Plantlady“.

Wie kam es zu Ihrer Pflanzensammlung?

Wir zogen vor drei Jahren von der Stadt aufs Land. Ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben einen Garten. Ich fing an, mich um die Pflanzen im Garten zu kümmern, liebte es. Zur gleichen Zeit fing ich auf Instagram an, zuerst nur mit Einrichtungsideen. Ich wurde von vielen anderen Accounts inspiriert. Und ich wusste sofort, ich brauche Pflanzen auch drinnen. So kaufte ich meine erste Monstera. Ich interessierte mich immer mehr für exotische Pflanzen und Sukkulenten sowie Kakteen. Meine Pflanzensammlung fing an zu wachsen. Ich liebe es im Garten zu sein, es macht mich einfach glücklich. Leider sind die Winter hier in der Schweiz sehr lange und ich dachte mir, wieso nicht das Draußen reinholen? So kann ich das ganze Jahr von Pflanzen umgeben sein, das jeden Tag und sogar im Winter. Für mich war klar, das können nicht nur ein paar Pflanzen sein, es muss sich wie im Dschungel anfühlen. 

Was bedeuten Ihnen die Pflanzen, was tun sie - für Körper, Seele, Wohlbefinden?

Ich liebe meine Pflanzen. Es klingt vielleicht seltsam, aber ich fühle mich mit ihnen verbunden und mein Herz geht auf, wenn ich Pflanzen sehe. Seit ich Pflanzen in meinem Haus habe, hat sich die Energie verändert. Pflanzen haben eine beruhigende Wirkung auf mich, wenn ich nach Hause komme, fühle ich mich wie in den Ferien, total entspannt. Gleichzeitig geben sie mir viel positive Energie und Kraft. Auch die Luftqualität ist fantastisch, ich rieche förmlich den Sauerstoff in der Luft. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei 60 Prozent, somit habe ich nie Probleme mit trockener Haut oder einer trockenen Nase im Winter. Ich habe auch das Gefühl, dass ich kaum krank war, seit ich mit so vielen Pflanzen lebe. 

Wie viele Pflanzen haben Sie denn nun genau?

Ich habe nach 250 Pflanzen aufgehört zu zählen...

Ihre Lieblingspflanzen?

Meine Monstera deliciosa. Sie steht im Zentrum meines Wohnzimmers, sie ist die größte Pflanze und gibt mir ein echtes Urban Jungle-Feeling.

Wie lange brauchen Sie denn, um den Dschungel zu pflegen?

Es kommt auf die Jahreszeit an. Im Winter gieße ich nur ein Mal in der Woche. Dafür brauche ich ca. eineinhalb Stunden. Ein Mal in der Woche werden die Blätter abgestaubt, dafür brauche ich so eine Stunde. Aber grundsätzlich kümmere ich mich jeden Tag um sie, schaue nach, ob es allen gut geht. Im Sommer muss ich meistens zweimal in der Woche giessen, je nachdem wie heiß es ist. 

Ihre Tipps für Zimmerpflanzen-Fans?

Die meisten Pflanzen sterben wegen zu viel Wasser. Weniger ist mehr, sage ich immer. Pflanzen brauchen Pflege und Zeit und gute Lichtbedingungen.

Bernd Reichler, 31: Der  Produktmanager wohnt nahe München, ist auf Instagram als „munichjungle“ zu finden und lebt gemeinsam mit ca. 160 Pflanzen sowie Bulldogge Emma.

Wie kam's zu Ihrer Pflanzenliebe, wie hat sich das entwickelt?

Ich hatte schon immer viel Grünes um mich, war viel draußen unterwegs, schon alleine wegen meiner 9-jährigen Bulldogge Emma. Meine Eltern haben ganz klassisch einen Schrebergarten, in dem ich schon als kleiner Junge rumgetobt bin und mich ausleben durfte. Das hat mich sehr geprägt.Vergangenen Herbst hatte ich die Möglichkeit über ein Online-Portal 50 Kakteen auf einmal zu bekommen, darunter auch meine "Großen Fünf", wie ich sie gerne nenne: fünf Mmedizinballgroße, ca. 45 Jahre alte Kakteen. So nahm alles seinen Lauf, Freunde und Bekannte haben das mitbekommen und mir ihre "Pflegefälle" und ungewollten Pflanzen geschenkt. Wenn das die Runde macht, wächst so ein Dschungel rasant. Seitdem kann ich nahezu keinen Laden mehr ohne neue Pflanze verlassen, auch wenn die Kapazitäten meiner Wohnung langsam erschöpft sind.

Was ist die Idee dahinter?

Da ich von Zuhause aus arbeite, möchte ich es für mich so gemütlich wie möglich haben, dazu gehört neben den Pflanzen auch mein Einrichtungsstil der in Richtung "Modern Boho" geht. Es gibt mir die Möglichkeit mich in meiner kleinen selbstgestalteten Oase wie im Urlaub zu fühlen.  Für mich geht es bei dem Urban Jungle Lifestyle darum, runter zu fahren und mich um etwas kümmern zu können. Zu sehen, wie etwas Neues heranwächst aus einem Samen, oder auch nur ein neues Blatt wachsen zu sehen, erdet ungemein. Das ist etwas so langsames und natürliches. Umgeben zu sein von so vielen Pflanzen, heißt von Natur umgeben zu sein, man kümmert sich um etwas anderes als um sich selbst und lässt alles hinter sich, was in Zeiten von Social Media oft nicht einfach ist.

Wie viele Pflanzen haben Sie denn - und wie groß ist der Aufwand, sie zu pflegen?

Bei der letzten Zählung waren es ca. 160 Pflanzen, es kommen aber immer wieder Neue dazu, es werden aber auch hin und wieder welche entsorgt. Der Aufwand, sich um so viele Pflanzen zu kümmern ist schon hoch. Einige Pflanzen möchten täglich besprüht werden, andere wiederum wachsen und gedeihen, auch wenn man sie weniger beachtet. Die Mischung macht´s! Die wöchentliche Pflege beläuft sich aber alles in allem auf etwa 10 bis 12 Stunden, jetzt im Frühjahr wird es wieder mehr, wenn es ans Umtopfen und Zurückschneiden, Ableger nehmen und Düngen geht. Ich habe einen festen Tag in der Woche, der Freitag Nachmittag, da nehme ich mir besonders Zeit für meine grünen Mitbewohner.

Fühlt sich das Leben mit Pflanzen anders an, es heißt ja immer, dass Zimmerpflanzen und Grün sehr gesund für Körper und Seele sind. Bemerken Sie das?

Absolut, es ist fast schon therapeutisch! Ich kann vom Alltag abschalten und meinen Gedanken freien Lauf lassen. Gärtnern ist wieder modern, die Menschen wollen der  Schnelllebigkeit entfliehen und Nachhaltigkeit ausleben. Das kommt uns, der Umwelt und dem Tierreich zugute. Ich merke,dass ich viel gelassener bin, geduldiger und strukturierter. Das wirkt sich auch auf meinen Job aus. Ich gehe mit stressigen Situationen viel besser um und kann meine Gedanken schneller sortieren.

Welche sind Ihre aktuellen Lieblingspflanzen?

Meine aktuelle Lieblingspflanze ist die Calathea Orbifolia. Eine außergewöhnliche Schönheit mit ihren riesigen, bis zu 40cm großen gestreiften Blättern. Die ursprünglich aus Brasilien stammende Pflanze mag es eher halbschattig, kann Zugluft und direktes Sonnenlicht nicht besonders gut leiden und liebt es, mehrmals wöchentlich eingesprüht zu werden. Viele würden sie als eher schwierige Pflanze einstufen, bei mir wächst sie allerdings mit relativ wenig Aufwand großartig.

Ihre Tipps?

Es gibt für jeden Haushalt passende Pflanzen. Für Menschen, die von sich behaupten, keinen besonders grünen Daumen zu haben, empfehle ich in der Pflege einfache Pflanzen wie Sansevieria (Bogenhanf), Zamioculcas Zamiifolia (Glücksfeder), Fittonias oder Kakteen und Sukkuleten. Wer es ein bisschen exotischer mag, und sich das Dschungel- Feeling nach Hause holen möchte, wird mit der Monstera Deliciosa (köstliches Fensterblatt) seine Freude haben.

Dori oder „Dori, the Plant Whisperer“ nennt sich die Ägyptologin und Plantfluencerin aus Heidelberg. Auf Instagram hat sie knapp 50.000 Follower.

Welche Rolle spielen Pflanzen in Ihrem Leben?

Pflanzen lehren mich, das Leben zu schätzen. Sie bringen mir Ruhe in stressigen Zeiten. Die meisten wissen, dass das Grün Sauerstoff produziert und die Luft reinigen, aber sie sorgen auch für Luftfeuchtigkeit und können die Staubbelastung minimieren. Ich habe ein halbes Leben lang an Psoriasis gelitten, die hohe Luftfeuchtigkeit hilft meiner Haut sehr. Ich bin jetzt eine glücklichere Person.

Wie viele Pflanzen haben Sie und wie sind Sie dazu gekommen?

Die Idee entstand, als ich den botanischen Garten in Berlin besuchte, derzeit lebe ich mit 70 Pflanzen, mein Schlafzimmer ist ein tropischer Dschungel, und in der Küche habe ich vor allem Carnivoren und Wasserpflanzen.

Wie viel Pflege braucht Ihr Dschungel?

Pflanzen sind wie Tiere, sie brauchen permanent Zuwendung und Pflege. Es ist ein Bekenntnis. Man muss viel Zeit investieren, aber das wirkt therapeutisch und entspannend.  Pflanzen sind Lebewesen, man sollte sie gut behandeln. Ich habe ein Morgenritual, kümmere mich um die Pflanzen, während ich meinen Morgenkaffee trinke. Ich staube die Blätter einmal oder zweimal pro Woche ab, vom Frühling bis zum Herbst brauchen sie regelmäßige Düngung. Und manchmal „füttere“ ich meine fleischfressenden Pflanzen mit Insekten. Es ist ein großer Aufwand, aber es lohnt sich und wirkt therapeutisch.

Ihr kleiner Sohn liebt die Pflanzen?

Ja, er hilft mir, sie zu gießen und hat eine eigene kleine Pflanzensammlung in seinem Zimmer.

Glauben Sie, dass Pflanzen kommunizieren können?

Ja, ganz sicher – aber wir haben Schwierigkeiten, ihnen zuzuhören.

Haben Sie eine Lieblingspflanze?

Sie sind alle sehr speziell, jede Pflanze hat eine eigene Persönlichkeit, deshalb habe ich keine Favoriten. Allerdings gibt es eine, die mich an mich selbst erinnert: die Geigenfeige.  Sie ist leicht zu pflegen, kann aber ein bisschen einschüchternd sein.

Ihre Tipps, Anregungen?

Es ist bekannt, dass Pflanzen lebende Kreaturen sind – wenn man sich welche anschafft, sollte man sie als solche behandeln. Sie werden die Liebe zurückgeben.

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