Angelika Niedetzky hat sich das Kind in ihr – und ein Heft aus der ersten Klasse – bewahrt

© Kurier/Juerg Christandl

freizeit Leben, Liebe & Sex
09/05/2020

Zum Schulstart: Die erste Schultasche vergisst man nicht

Kaum ein Gegenstand weckt so viele nostalgische Gefühle: Prominente Österreicher erinnern sich an ihre ersten Schultasche – von Ninja Turtles, Barbiepuppen und abenteuerlichem Leder.

von Julia Pfligl

Dass eines Tages Millionen Kinder seine Bücher verschlingen würden, konnte an seinem ersten Schultag noch keiner ahnen. Damals, im September 1969, vor genau 51 Jahren, stand ein aufgeregter Thomas Brezina vor einer Volksschule im 23. Wiener Bezirk und wartete sehnsüchtig darauf, dass sich die Türen zu seinem neuen Lebensabschnitt öffneten. Eine Schultüte hatte er nicht, „da waren meine Eltern strikt dagegen, ich hab dafür ein Fahrrad bekommen“. An seine Schultasche erinnert sich der 57-Jährige hingegen genau: ein Ranzen aus braunem Leder, so, wie es in den Sechzigerjahren en vogue war. „Nichts Aufregendes, aber von guter Qualität, etwas anderes gab es damals nicht. Ich war stolz darauf und hab sie gerne getragen. Rückblickend betrachtet hatte das Leder, das sich im Laufe des Tragens abgenützt hat, etwas Abenteuerliches.“

Ähnlich wie das braune Leder verblassen auch viele Schulerinnerungen mit den Jahren – jene an die erste Schultasche hat sich bei den meisten jedoch für immer ins Gedächtnis gebrannt. Der eckige Aufbewahrungsgegenstand steht nicht nur stellvertretend für eine neue Ära im Leben, er spiegelt mit seiner Optik auch die Trends der damaligen Zeit sowie die individuellen Vorlieben, die man als Sechsjährige(r) hatte. Das gilt zumindest für jene, die ab Mitte der Achtziger eingeschult wurden: Bis dahin bestanden Schultaschen – siehe Thomas Brezina – aus unspektakulären Naturmaterialien wie Leder und Leinen, danach etablierten sich bunte Kunststoffe und facettenreiche, auf das Geschlecht abgestimmte Motive.

Ein Schulfreund fürs Leben

Im Griechenland der Achtzigerjahre gestaltete sich die Sache noch etwas anders. Hier fieberte im Herbst 1985 ein blondes Mädchen namens Angelika Niedetzky seinem ersten Schultag entgegen. Ihre Eltern unterrichteten an der Deutschen Schule in Thessaloniki, die auch sie und ihr Bruder Paul besuchten. „Meine erste Schultasche war sehr sperrig und eckig, wie ein Würfel. Blau-schwarz, eine Farbkombination, die ich so nicht mehr goutiere“, witzelt die 41-jährige Kabarettistin. „Sie hatte orange Schnallen, die wie Reflektoren beim Fahrrad aussahen. Ich erinnere mich, dass mich jeden Morgen am Weg zum Schulbus ein Straßenhund mit der Schnauze von hinten an der Schultasche stupste.“ Sie nannte ihn Kaiphi, und er sollte sechzehn Jahre Teil der Familie bleiben.

Auch mit dem Kleid, in das man sie an diesem Tag steckte, hatte die burschikose Angelika keine rechte Freude. „Ich spielte zu der Zeit lieber mit Buben, und das in zerrissenen Hosen. Aber ich war stolz, dass meine drei besten Freunde und ich nun nicht mehr im Kindergarten waren, denn das war ja was für Babys. In der Klasse setzte ich mich gleich zwischen zwei Buben, was die Lehrerin kurz irritierte.“

Mädchenschule

Buben spielten in der Volksschulzeit von Silvia Schneider, Moderatorin, Designerin und „Dancing Star“, eine untergeordnete Rolle. Mit sechseinhalb Jahren kam sie auf die Kreuzschwesternschule in Linz – eine reine Mädchenschule und „sehr katholisch“. Dementsprechend beliebt war in der Klasse das Barbie-Motiv auf diversen Schulutensilien. „Seltsamerweise habe ich mich aber für eine schlichte Schultasche entschieden“, wundert sich die 38-Jährige heute. „Sie war hellrosa mit weißen Streifen und hat mir sehr gut gefallen. Ich glaube, ich habe sie auch selbst ausgesucht.“

Zum taschengewordenen Mädchentraum kombinierte die spätere Modemacherin ein matrosenartiges Kostümchen mit roten Schleifen – und eine Zahnlücke, an die heute nur noch Fotos erinnern.

Etwa zur selben Zeit packte weiter östlich, im niederösterreichischen Großebersdorf, ein aufgeweckter Sechsjähriger widerwillig seine Ninja-Turtles-Schultasche. Otto Jaus, der heute mit seinem kongenialen Bühnenpartner Paul Pizzera große Hallen füllt, war „vom ersten Schultag an ein richtiges Gfraßtsackl“: „Alles, was ich für die Schule machen musste, war mir zuwider. Ich war gerne dort, aber ich wollte nicht lernen.“ Glücklicherweise erkannte die Lehrerin, Frau Böhm, früh sein außerordentliches musikalisches Talent, sagte es der Direktorin, die Jaus’ Tante war und seine Mutter informierte. Mit neun wechselte er zu den Wiener Sängerknaben, der Grundstein für eine Künstlerkarriere war gelegt. Immerhin: „Mit meiner Schultasche war ich sehr zufrieden. Sie war zwar sauschwer und fast größer als ich, sah aber super aus.“ In der Familie Jaus scheint man nicht unfroh, dass die Schulzeit passé ist: Weder Otto noch seine Eltern fanden Fotos mit Schultasche.

Der Inhalt zählt

Schüchternes Lächeln, weißes Hemd mit Mascherl, Schwammerlschnitt: Nichts deutet auf dem Foto darauf hin, dass auch Klaus Eckel, 46, einst dem Klub der „Gfraßtsackln“ angehörte. „In meiner Schultasche befanden sich Gummischlangen, Panini-Pickerl und ‚Fix & Foxi’-Hefte. Das hat sich zum Bedauern meiner Lehrer bis zur Matura kaum geändert“, fasst der Wiener seine Schulkarriere ab 1980 zusammen. Seinen Bürojob schmiss er aus Langeweile hin, heute zählt er zu den beliebtesten Kabarettisten des Landes. Dem Ernst des Lebens, das begriff er schon als Kind, begegnet man am besten mit Humor.

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