Die Grundlage für Teleworking ist gegenseitiges Vertrauen

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freizeit Leben, Liebe & Sex
03/27/2020

Wie zeige ich meinem Chef, dass ich im Homeoffice aktiv bin?

Das Arbeiten von daheim stellt viele vor neue Herausforderungen. Arbeitnehmer, aber auch die Vorgesetzten.

von Barbara Mader

Wie viele Smileys oder andere Zustimmungsicons darf, soll oder muss ich meinem Vorgesetzten in der abteilungsinternen WhatsApp-Gruppe schicken? Ist es eine gute Idee, den Chef nach 20 Uhr mit Mails einzudecken? Damit er sieht, wie fleißig ich auch im Homeoffice bin?

Anerkennung im Beruf, das wissen wir, hat nicht ausschließlich mit inhaltlicher Leistung zu tun. Auch das soziale Verhalten spielt eine große Rolle dabei, wie gut wir bei unseren Vorgesetzten angeschrieben sind. Das gilt insbesondere für alle Arten von Bürojobs. In Produktionsbetrieben ist es verhältnismäßig egal, ob man dem Vorarbeiter vom Fließband aus zustimmend winkt. Waren bis vor Kurzem Teambesprechungen und Konferenzen noch eine gute Möglichkeit, Präsenz zu zeigen, fallen diese in Quarantänezeiten großteils weg. Videokonferenzen sind ein mittelguter Ersatz: Das karriereförderliche zwanglose Socializing gerät ins Hintertreffen, man redet meist Tacheles und kommt schneller zum Punkt. Außerdem bleiben die Meetings via Skype oft den Führungskräften vorbehalten. Nicht alle Mitarbeiter haben also die Möglichkeit, sich hier zu profilieren. Wenn doch, sollte der Auftritt am zum Schreibtisch umfunktionierten Küchentisch (nicht jeder hat ein Arbeitszimmer) möglichst professionell sein. Auftritte im Pyjama sind eher ungünstig.

Wie aber kann ich die Kommunikation mit meinem Vorgesetzten abseits der Kamera aufrecht erhalten? Wie kann ich ihm zeigen, wie viel ich arbeite?

Ganz konkret hat natürlich jede IT-Abteilung eines Betriebs die Möglichkeit, zu überprüfen, wer was am Computer macht. Das ist aber das Gegenteil von dem, was gerade in Krisenzeitung wichtiger denn je ist: Vertrauen in die Mitarbeiter.

Es geht ums Vertrauen

Ein konkretes Beispiel führt Irene Holzbauer, Leiterin der Abteilung Arbeitsrecht in der Arbeiterkammer an: „Meine Mitarbeiter geben jetzt vom Homeoffice aus Auskünfte. Wenn ich am Ende des Tages keine Beschwerden habe, weiß ich, dass alles gut erledigt wurde.“

Studien zeigen, sagt Holzbauer, dass Vertrauen in die Mitarbeiter fast immer gerechtfertigt ist. Die meisten arbeiten daheim sogar noch mehr als im Büro. Zumal Kaffeepausen mit den Kollegen nun ausfallen. Die Basis für dieses Vertrauen ist auch rechtlich verankert: Der Arbeitnehmer hat Treuepflicht, der Arbeitgeber Fürsorgepflicht. Der Arbeitnehmer schuldet dem Arbeitgeber übrigens keinen garantierten Erfolg, sehr wohl jedoch ein ernsthaftes Bemühen.

Und da wären wir wieder bei ausufernden Mails nach 20 Uhr und Zustimmungsbekundungen in WhatsApp-Gruppen. Die Arbeitsrechtsexpertin sieht das durchwachsen. „Ob man das macht oder nicht, hängt ganz von der Person ab. Grundsätzlich sind Arbeitszeiten auch im Homeoffice einzuhalten. Ich brauche von meinen Mitarbeitern keine Beweise für ihre Effektivität. Die bloße Tatsache, dass jemand online ist, bedeutet gar nichts. Im Gegenteil: Wir sollten die Leitungen nicht unnötig belasten.“

Apropos belasten: Das gilt auch für den Vorgesetzten, der mit der ausartenden Menge an eMails zurechtkommen muss. Nehmen Sie also auch auf ihn Rücksicht.

Im Klartext: Schicken Sie Ihrem Arbeitgeber Smileys, wenn Sie das möchten. Haushalten Sie mit eMails und melden Sie sich, wenn Sie es für nötig halten. Solange Sie außerdem Ihre Arbeit erledigen.