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freizeit Leben, Liebe & Sex
01/01/2021

Wie soll ich auf Menschen ohne Mund-Nasen-Schutz reagieren?

Wegschauen ist in dieser Phase der Pandemie keine Option. Eine Psychologin erklärt, wie man Konflikte vermeidet.

von Julia Pfligl

Kurz vor irgendeinem Lockdown in einer kleinen Filiale eines Telekommunikationsanbieters: Einige Kunden tummeln sich hier, die Verkäufer sind ihnen direkt ausgesetzt. Ein Mann um die vierzig trägt keine Maske, während er sich beim Kauf eines neuen Smartphones beraten lässt. Die KURIER-Redakteurin (in Zivil unterwegs) hadert – soll man etwas sagen? Und wenn ja, wie?

Trotz längst erwiesener Wirksamkeit, Horror-Berichten von Intensivstationen und konstant hohen Todesfällen gibt es sie vereinzelt immer noch, die Menschen, die sich in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Geschäften maskenfrei bewegen. Noch häufiger ist der Anblick der „Alibiträger“, die meinen, ein Mund-Nasen-Schutz würde sich auf das Bedecken des Mundes beschränken. (Eine ressortinterne, nicht repräsentative Blitzumfrage ergab, dass es sich dabei größtenteils um Männer handelt.) 

Breite Zustimmung

Grundsätzlich könne man sich darauf verlassen, dass die allermeisten Menschen das Tragen einer Maske für sinnvoll erachten, sagt Rosemarie Sedlacek, klinische Psychologin  in Krems (www.lebensthemen.at). Sämtliche Studien aus dem In- und Ausland bestätigen die breite Zustimmung der Schutzmaßnahme: Laut dem Austrian Corona Panel Project an der Uni Wien befürworteten vier von fünf Österreich im September eine Maskenpflicht an heiklen Orten, während des Lockdowns belief sich diese Zahl sogar auf 85 Prozent. 

Die Psychologin empfiehlt, nicht wegzusehen, wenn jemand die Maskenpflicht missachtet. „Begegnet man jemandem an Orten, wo ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden muss, ohne einen solchen, ist es aus Selbstschutz und Verantwortung angebracht, die Person darauf anzusprechen“, sagt Sedlacek. „Wenn man Menschen freundlich um etwas bittet, sind die allermeisten bereit, dem nachzukommen. Wir appellieren damit quasi an unsere uralte Erfahrung als Gruppenwesen, die sich gegenseitig unterstützen wollen.“

Mit einer Frage (Darf ich Sie um etwas bitten?) vermittelt man der angesprochenen Person Wahlfreiheit und ermöglicht ihr, aktiv mitzustimmen. Eine Ich-Botschaft mit anschließender Information generiert nicht nur Verständnis, sondern auch Mitgefühl (Mir fällt auf, dass Sie keine Maske tragen, Sie wissen ja, wie schrecklich diese Krankheit sein kann, ich bin über 60 und gehöre zur Risikogruppe ...).  

Auf Distanz gehen

Ein Vorwurf hingegen könnte kontraproduktiv sein und Aggression oder Trotz hervorrufen (Unverantwortlich, wie Sie sich aufführen, Sie gefährden und alle!). „Hitzige Debatten, speziell mit Leuten ohne Mund-Nasen-Schutz, sollte man speziell in engeren Innenräumen wie der U-Bahn aus Selbstschutz nicht provozieren, da sie die Verbreitung der Viren über die Aerosole der Atemluft begünstigen können“, gibt Sedlacek zu bedenken. Vor allem Anhänger von Verschwörungstheorien seien mit rationalen Argumenten nicht erreichbar. 

Weigert sich jemand trotz Aufforderung, eine Maske aufzusetzen, sollte man auf den gebotenen Mindestabstand hinweisen und auf Distanz gehen. So endete auch die Episode im Handy-Shop, als der Kunde auf Nachfrage erklärte, er hätte ein ärztliches Attest, das ihn von der Maskenpflicht befreie – der Stoff vor der Nase würde seiner Lunge schaden. Eine Behauptung, die sich letztlich nur schwer verifizieren lässt.

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