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freizeit Leben, Liebe & Sex
05/09/2021

Wie die "Corona-Babys" und ihre Mütter ihr erstes Jahr erlebt haben

Am Muttertag 2020 porträtierte der KURIER Frauen, die im ersten Lockdown entbunden haben. Wie geht es ihnen – und ihren Kindern – heute?

von Julia Pfligl, Daniela Davidovits

83.493 Babys kamen im „Krisenjahr“ 2020 in Österreich zur Welt und sorgten dafür, dass das Jahr für ihre Eltern nicht nur aufgrund der Pandemie unvergesslich bleiben wird. Zu diesen Eltern zählen Luisa, Lisa und Nicole: Vor einem Jahr berichteten sie im KURIER von ihren Geburten mitten im ersten Corona-Lockdown (siehe unten) – von Entbindungen ohne Väter, Maskenpflicht im Kreißsaal und abgesagten Vorbereitungskursen. Kaum eine hätte gedacht, dass der erste Geburtstag ihrer Kleinen wieder – bzw. noch immer – in einen Lockdown fallen würde. Zu ihrem zweiten Muttertag fragte der KURIER nach, wie die Jungmamas das vergangene erste Jahr mit Baby erlebt haben. Drei persönliche Erfahrungen, in denen sich wohl viele Mütter und Väter wiederfinden werden.

"Das Babyschwimmen ist mir abgegangen"

Lisa (29) mit Emma (1)

Für Lisa und Michael ging es 2020 Schlag auf Schlag: Im April kam Emma zur Welt, im August feierten sie im kleinen Rahmen Hochzeit und Taufe, parallel startete der Hausbau.  

„Ein spannendes Jahr“, sagt die Volksschul-Lehrerin, aber nicht nur einfach: „Es gab Dinge, die ich als Jungmama immer machen wollte, die aber nicht möglich waren. Babyschwimmen zum Beispiel ist mir sehr abgegangen. Emma war noch nie in einem Schwimmbad, da sie bis jetzt meist geschlossen hatten.“ 

Auch die „Playdates“ mit den Babys ihrer Freundinnen fanden nur eingeschränkt statt. „Das tat mir leid, da ich merke, wie Emma von Treffen mit Gleichaltrigen profitiert.“ 

Im Herbst folgte die nächste Premiere: Quarantäne mit Baby. Das Virus hatte Lisas Mutter erwischt – eine Herausforderung für die ganze Familie. „Danach hatte ich ein ziemliches Tief. Nach einem Termin beim Notar war ich total fertig, weil ich das Gesellschaftliche gar nicht mehr gewohnt war. Ich bin dann eine Runde alleine raus, habe geweint, dann ging’s wieder besser.“

Auch der berufliche Wiedereinstieg ist geglückt. „Schade war nur, dass ich Emma meiner Klasse nicht gleich zeigen konnte.“  

„Bei Oskar war alles anders“

Luisa (41) mit Oskar (1) und Julia (4)

Als Zweifach-Mama hat Luisa  den Vergleich zwischen einer Geburt im Corona-Jahr und in normalen Zeiten. „Als Julia geboren wurde, habe ich mich mit anderen Müttern getroffen, war in Musikgruppen, Indoor-Spielplätzen und Kindercafés und   hatte viel Programm. Jetzt bei  Oskar war alles anders.“

Bei jedem Wetter war sie mit den Kindern am Spielplatz und „sehr, sehr viel spazieren“. Die Situation mit einer Vierjährigen und einem Baby sei – auch ohne Corona – eine riesige Herausforderung: „Ich habe meine Tochter bald wieder bis 13.30 Uhr in den Kindergarten gehen lassen, weil es für mich total anstrengend war. Der Kleine hängt dauernd auf mir und Julia sagt ihm: ‚Das ist auch meine Mama!‘“

Der gebürtigen Italienerin fehlte vor allem der soziale Kontakt. „Ich lebe seit 17 Jahren in Österreich und bin inzwischen gewohnt, dass hier  Leute nicht in großer Runde zusammenkommen. Deswegen bin ich sonst viermal im Jahr zu meinen Eltern nach Italien gefahren und habe meine Energie aufgetankt. In großen Runden mit Familie und Freunden. Das ging jetzt nicht.“

Nur im Herbst hatte sie Glück: „Im September sind wir für die Taufe von Oskar nach Italien gefahren, ganz ohne Quarantäne. Kurz danach war dort wieder alles zu.“ Ihre Eltern konnten nicht kommen. „Nach Julias Geburt ist meine Mutter wochenlang da geblieben und hat mir geholfen.“ 

Jetzt wartet sie, dass es endlich dauerhaft warm wird und der Lockdown vorüber ist. Die abendlichen Ausgangssperren machen für ihre Familie keinen Unterschied: „Wir gehen eh nicht aus.“ Für Oskar habe die Pandemie keine Auswirkung, aber für ihre Vierjährige schon: „Julia spricht über Sachen wie Pandemie und Lockdown, weil sie das dauernd hört.“ 

Im Sommer will Luisa zu ihren Eltern fahren, aber zentrale Fragen sind noch offen. „Ich finde keinerlei Regelungen, wie es bei den Kindern  mit dem Testen vor der Einreise ist. Beim Kleinen wüsste ich gar nicht, wie er getestet werden soll. Und bei Julia möchte ich auch nicht, dass sie beim Testen durch einen Menschen in einem Raumanzug traumatisiert wird. Ich finde, Familien  und ihre Bedürfnisse kommen derzeit zu kurz.“

"Wir hatten eine schöne Zeit zu dritt"

Nicole (40) mit Constantin (1) 

Unmittelbar nach Constantins Geburt im April vor einem Jahr musste sein Vater Stefan aufgrund der Hygienerichtlinien im Spital den Kreißsaal verlassen – in den darauffolgenden Monaten haben die drei dafür umso mehr  Familienzeit aufgeholt.  

„Natürlich war es schade, dass man so vieles nicht unternehmen konnte – sei es Familie und Freunde treffen oder ins Museum gehen“, erzählt Mama Nicole. „Darauf hatte ich mich schon sehr gefreut. Dafür hatten wir eine schöne Zeit zu dritt, haben viel draußen gemacht.“ Den Einschränkungen kann sie persönlich also auch Gutes  abgewinnen: „Ich finde, dass die Zeit mit Baby dadurch entschleunigt wurde.“ 

Aktuell sind die beiden einen Monat gemeinsam in Karenz. Aus der geplanten Reise wurde leider nichts, „aber das können wir hoffentlich im nächsten Jahr nachholen“. Auch Constantins Geburtstag konnte nur im kleinen Rahmen gefeiert werden – was seiner Freude aber keinen Abbruch tat. „Constantin geht es sehr gut.  Jetzt freuen wir uns auf den Sommer.“ Und das nächste Highlight wartet bereits: „Wir hoffen, dass  wir bald in den Zoo gehen können.“ 

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